Gerhard Heeke über Vertrauter Feind

Ein kleiner Junge auf einem Kutter. Der Vater lehrt dem Jungen das Fahren des Bootes. Ein paar Stunden später muß der Junge mitansehen, wie der Vater vor seinen Augen von einem Maskierten erschossen wird. Realität im Nordirland der frühen 70er Jahre. Zwanzig Jahre später. Aus dem kleinen Jungen ist ein erwachsener Mann (Brad Pitt) geworden, der für die IRA kämpft. Er gerät in einen Hinterhalt der britischen Armee und entkommt mit knapper Not. Er geht nach New York, um dort im Auftrage der IRA Stinger Luftabwehrraketen zu beschaffen. Seine Gefolgsleute bringen ihn bei dem nichtsahnenden Polizisten O'Meara (Harrison Ford) unter. Als allerdings bewaffnete Männer in sein Haus eindringen, kommt O'Meara dem Terroristen auf die Schliche. Und gerade jetzt bereiten die Waffenhändler Schwierigkeiten.

Die Sympathien des Films liegen recht deutlich auf Seiten der IRA. Bezüglich meiner Sympathien für diesen Film bin ich mir nicht so ganz sicher. Auf der einen Seite sind die beiden tollen Hauptdarsteller, Brad Pitt und Harrison Ford. Und die tolle irische Musikunterlegung die diesem Film eine besondere Art von Ruhe verleiht. Dagegen steht die recht simple Story, die nicht so richtig in die Gänge kommt. Die Szenen zu Beginn, so z.B. das Feuergefecht zwischen den Terroristen und der britischen Armee, ließen einen auf einen spannenden Actionfilm ala 'Auf der Flucht' hoffen. Diese Erwartung wird dann aber enttäuscht.

Die Geschichte braucht sehr lange um das Verhältnis zwischen den Hauptpersonen aufzubauen. In einer eigenständigen Nebenhandlung versucht man dem Zuschauer zu vermitteln, wie anständig der Polizist ist, und dass er halt durch und durch Polizist ist und es so natürlich nicht dulden kann, dass sein neuer Freund, halt der 'Vertraute Feind', mit den Waffen nach Nordirland abschiebt.

Die eigentliche Nordirland-Problematik bleibt bei diesem Film außen vor. Da ist sicherlich der demnächst in unsere Kinos kommende 'Michael Collins' aufschlußreicher. Da der 'Vertraute Feind' aber mehr ein (Pyscho) Drama zwischen den beiden 'Widersachern' ist, als ein Film über die Situation Nordirlands, kann man es als verzeihlich ansehen. Mich stört dann allerdings die etwas platte, einseitige Darstellung der Problematik in den paar Randbemerkungen.

Harrison Ford spielt die Rolle des guten Polizisten recht gut. Irgendwie erinnert er aber den ganzen Film über an seine früheren Rollen, als aufrechter Guter. Vielleicht sollte er es mal wieder wagen eine Rolle gegen sein Image anzunehmen? Aber die eigentliche Hauptrolle in diesem Film hat der Jungmime Brad Pitt inne, der dies auch recht souverän meistert. Die anderen Rollen verblassen gegen diese beiden, was auch sicherlich daran liegt, dass das Drehbuch den anderen kaum Platz einräumt.

Da ich einen Faible für die irische Musik habe, hat mir die Musik natürlich zugesagt.

Fazit: Drama zwischen zwei 'Vertrauten Feinden', das sich nur betulich entwickelt.

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Dirk Jasper FilmLexikon
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