Gerhard Heeke über Michael Collins

Michael Collins. Für die einen ein Verräter und Terrorist, für die anderen ein wahrer Freiheitskämpfer. Wir schreiben das Jahr 1916. In Irland sind blutige Unruhen ausgebrochen. Die britischen Besatzer schlagen mit brutaler Härte zu. Die sogenannte Oster-Rebellion wird blutig niedergeschlagen. Die Anführer werden hingerichtet, die Mitläufer ins Gefängnis gesteckt. Unter ihnen auch Michael Collins.

Aber für ihn ist nach zwei Jahren Knast der Kampf noch nicht zu ende. Wieder in Freiheit beginnt er eine Untergrundarmee aufzubauen - die IRA. Diese Irisch Republikanische Armee soll Irland in die Freiheit führen. Aus Mangel an Waffen und Leuten werden die Mitglieder nicht als Armee im herkömmlichen Sinne aufgebaut sondern als Guerillakämpfer. Mit Terroranschlägen und Spionageaktionen werden die Briten weichgekocht und an den Rand einer Niederlage gebracht.

Dieser Erfolg wird mit dem Tod vieler Menschen erkauft, denn die Besatzungsmacht ist, ebenso wie die IRA, nicht zimperlich in der Wahl der Mittel. Aber letztendlich ist die britische Regierung zu Verhandlungen bereit. Michael Collins wird als Unterhändler nach London geschickt. Die völlige Loslösung vom Empire kann auch er nicht erreichen. Aber er schafft einen irischen Freistaat. Dies geht vielen nicht weit genug. Und so wird er von seinen eigenen Landsleuten auf offener Straße umgebracht.

So weit der historische Rahmen. Michael Collins Darsteller Liam Neeson gelingt es diesen Mann als charismatischen Kämpfer für die Sache darzustellen. Michael ist ein sympathischer Kerl, aber in der Sache unnachgiebig und nimmt auch den Tod seiner Gegner in Kauf. Liam Neeson ist es zu verdanken, dass der Zuschauer diese Charaktere als glaubwürdig empfindet, zumal sich Collins im Laufe der Zeit zu einem Mann wandelt, der des Kämpfens überdrüssig geworden ist.

Der Film konzentriert sich, neben Collins, nur auf wenige weitere Personen. Neben Collins spielt Eamon de Valera, verkörpert von Alan Rickman, als Präsident des irischen Untergrundkabinetts eine wichtige Rolle. Er ist zugleich Mitstreiter und Gegner von Collins. Der Film unterstellt Eamon de Valera, dass er maßgeblich an dem Komplott gegen Michael Collins beteiligt war. Mr. Rickman ist eine ideale Besetzung für den intellektuellen Politprofi. Er ist, auf der Persönlichkeitsebene, das genaue Gegenstück zu dem jungen Collins. Und dann ist da noch Michaels bester Freund, Harry Boland, gespielt von Aidan Quinn. Sie wohnen und kämpfen nicht nur zusammen, sondern umwerben auch die gleiche Frau. Kitty Kiernan (Julia 'Schnute' Roberts) ist von beiden Männern gleichermaßen fasziniert. Als sie sich entscheidet, leidet die Freundschaft der beiden mächtig darunter. Auch politisch Entfernen sich die beiden von einander. Aber ohne den Informanten Ned Broy (Stephen Rea) wäre aber der neuen IRA kaum ein Erfolg vergönnt gewesen, denn Ned versorgt die Rebellen mit Informationen über die Gegenseite.

Während Julia Roberts, irgendwie unpassend in der Rolle der irischen Bauerstochter bleibt, ist Stephen Rea als Informant eine echte Bereicherung. Rea verleiht der Rolle des Ned Broy, die nötige 'Anspannung', 'Verzweifelung' und Überzeugung.

Der Regisseur Neil Jordan hat sein Ensemble sehr gut ausgewählt. Hier sind wirklich eine Reihe guter Schauspieler zu sehen. Auch die Kampfszenen und 'Schlachten' wurden sehr gut choreographiert und geben dem Film vor allem zu Anfang den notwendigen Drive. Aber leider verläßt dieser Drive den Film irgendwo in der Mitte. Er wird langatmig. Einige Szenen ziehen sich endlos hin. Es geht nicht richtig weiter. Erst zum Ende hin wird es wieder besser. Dies ist sehr schade. Denn Stoff ist sehr spannend und wurde von Jordan auch sehr ausgewogen aufbereitet. Der Film vermittelt einem als Außenstehenden einen guten Einblick in die traurige irische Geschichte. Er zeigt auch, dass wenn der Teufelskreis von Gewalt und Gegengewalt nicht irgendwann durchbrochen wird, es nie zu einem dauerhaften Frieden kommen kann. Insofern stellt 'Michael Collins' eine interessante Ergänzung zu 'Vertrauter Feind' (mit Harrison Ford und Bratt Pitt) dar.

Fazit: Irische Geschichte packend aufbereitet. Allein wegen Liam Neeson schon sehenswert. Punktabzug wegen einiger Längen.

7 von 10 Freiheitskämpfern

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