Twin Town

• Inhalt • Darsteller, Regie, Stab • Filmkritiken • Bemerkungen •

Filmplakat
Filmplakat Titel Deutschland: Twin Town
Titel England: Pretty Shitty City
Genre: Drama
Farbe, England, 1997, FSK 16

Kino Deutschland: 1997-04-24
Laufzeit Kino: 99 Minuten
Kinoverleih D: PolyGram

Videocover
Videocover Video Deutschland: 1997-12-15
Kaufkassette: 1998-26. KW
Laufzeit Video: 95 Minuten
Anbieter: PolyGram


Szenenfoto "Pretty Shitty City" - eine "ziemlich beschissene Stadt", das ist Swansea, Provinzstadt in Südwales. Nicht nur, dass die Einwohner von überheblichen Engländern als tiefste Provinzler abgestempelt werden, Swansea hat noch ein ganz anderes Problem: die Lewis-Zwillinge.

Wenn sie nicht gerade mit geklauten Autos die Innenstadt zerlegen, funktionieren sie äußerst kreativ Holzgolfschläger, Duschköpfe oder Vergaser zu Marihuana-Pfeifen um. Als der Vater der eigenbrötlerischen Querköpfe bei Bauarbeiten von einem Gerüst fällt, fordern die Brüder finanzielle Entschädigung von seinem Arbeitgeber.

Der heißt Bryn Cartwright und ist der Lokalmafioso von Swansea. Als solcher denkt er natürlich nicht im Traum daran, Geld für einen seiner Angestellten abzudrücken. Stattdessen heuert er zwei Cops an, um sich vor den Anarcho-Brüdern zu schützen. Die korrupten Gesetzeshüter sind aber viel zu sehr damit beschäftigt, den Kokain-Deal ihres Lebens abzuwickeln.

Mit dem Ausmaß der blutigen Rache, die die Zwillinge schließlich heraufbeschwören, hat wirklich keiner gerechnet ...


SzenenfotoDarsteller: Llyr Evans (Julian Lewis), Rhys Ifans (Jeremy Lewis), Rachel Scorgie (Adie Lewis), Huw Ceredig (Fatty Lewis), Di Botcher (Jean Lewis), William Thomas (Bryn Cartwright), Sue Roderick (Lucy Cartwright), Jenny Evans (Bonny Cartwright), Dorien Thomas (Cop Greyo), Dougray Scott (Cop Terry), Brian Hibbard (Dai Rees)

Regie: Kevin Allen

Stab: • Produzenten: Peter McAleese • Drehbuch: Kevin Allen, Paul Durden • Vorlage: - • Musik: Mark Thomas • Kamera: John Mathieson • Spezialeffekte: - • Ausstattung: Pat Campbell • Schnitt: Oral Norrie Ottey • Kostüme: Rachel Flemming • Make Up: - • Ton: - • Toneffektschnitt: - • Stunts: - •


SzenenfotoFilmkritiken

Dirk Jasper FilmLexikon: Zwei schwachsinnige Brüder gegen den Rest der Welt: Vergeßt die Krays, die Daltons oder die Clantons - die Lewis-Brüder sind viel schlimmer! "Twin Town" ist eine lakonisch-bitterböse Kleinstadtfarce mit einem wunderbar schrägen Newcomerensemble und steht in bester Tradition von Filmen wie "Kleine Morde unter Freunden" und "Trainspotting", deren Macher Danny Boyle und Andrew MacDonald sich auch als Ausführende Produzenten verantwortlich zeigen.

Die Woche 25. April 1997: So inbrünstig das Werk die Filmgeschichte ausschlachtet - wenn es etwa den abgeschnittenen Pferdekopf aus "Der Pate" auf dem Kopfkissen von Swanseas First Lady provinzgerecht zum Pudelkopf verkleinert -, der Zuschauer sieht es ungerührt. Je programmatischer der Film gegen den guten Geschmack verstößt, desto absehbarer entwickelt sich der zusammengestoppelte Horror zum guten schlechten Geschmack eines Trash-verliebten Zeitgeistes.

Berliner Zeitung: "Twin Town" ist eine bitterböse Farce, die mit spürbarer Lust an der Dekonstruktion kein Klischee über jenen Teil des britischen Empire ausläßt, dessen Prinz ein gewisser Charles ist, das vor allem von Schafzucht lebt und Städte mit unaussprechlichen Namen wie Llanrhacadrym-Mochnant aufweist.

Neues Deutschland: Mir gefiel die pointierte brutale Konsequenz der filmischen Erzählweise, die Action, bösen Witz und ironisiertes Pathos, scheinbar unvereinbare Ingredienzien, mit Geschick zusammenführt zu einem wahrlich explosiven Gemisch, das die Idylle sprengt, als die "Provinz" für gewöhnlich filmisch in Erscheinung tritt.

film-dienst 08/1997: Britisch-schwarze Anarcho-Komödie, grotesk überzeichnet, mit viel Lust an der Destruktion traditioneller Erzählstrukturen. Das satirische Spiel mit den Zwängen des Provinzlebens gleitet in der zweiten Hälfte jedoch zusehends in eine völlig überzogene Racheorgie ab, die einen zwiespältigen Gesamteindruck hinterläßt.

Rhein-Zeitung 23.04.1997: Die Radikalität, mit der die Brüder Rache nehmen, befremdet. Aufgemotzt mit viel Britpop, wetzt "Twin Town" die gleiche Scharte wie "Trainspotting". Aber: Wo der Junkie-Streifen echtes Interesse für seine Protagonisten erzeugen konnte, bleibt "Twin Town" an der Oberfläche.

TV Movie 09/1997: "Twin Town" weiß in der ersten Hälfte des Films durch skurrile Charaktere und bissige Ironie zu überzeugen, gefällt sich aber schließlich zu sehr in seiner Boshaftigkeit. Der unbefriedigend endenden Geschichte fehlt es am rechten Schwung.

B.Z.: Köstliche Dialoge, schamloser Motivklau bei Tarantino und Coppola - Kevin Allens "Twin Town" ist der beste Beweis: Wehe, wenn Waliser wütend werden! - Bärig!!

Handelsblatt: Der Film ist ein Meisterwerk des schwarzen Humors mit kriminalistischer Spannung, sorgfältiger Zeichnung der Figuren und Lokalkolorit.

Berliner Kurier: Das Regiedebüt des Schauspielers Kevin Allen hat das ruppige Flair von "Trainspotting". Eine frech-schwarze Thriller-Komödie.

TV Spielfilm 09/1997: Produziert vom "Trainspotting"-Team wird diese fiese Kleinstadtfarce der "Pulp Fiction"-Klientel gefallen.

TV Hören und Sehen 17/1997: Zweifellos originell inszeniert - aber makaber und brutal. Für alle, die Gewalt mit Gelächter beantworten.

TV Today 09/1997: Greller Zynismus statt feinen schwarzen Humors. Macht aber richtig Spaß, wenn man seinen destruktiven Tag hat.


SzenenfotoBemerkungen

Der Film wurde innerhalb von sechs Wochen im Sommer 1996 in Swansea gedreht.

"Twin Town" ist das Spielfilmdebüt von Schauspieler und Dokumentarfilmer Kevin Allen.

Dirk Jasper FilmLexikon
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