Ernst Corinth über Batman & Robin

Gotham City schaut aus wie immer. Auch das Leinwandgetöse ist fulminant, dennoch wirkt Joel Schumachers Film schon nach knapp 30 Minute so ermüdend, dass man sich trotz des Lärms und der bunten Bilder am liebsten in den Schlaf flüchten möchte. Denn selten zuvor wurde wohl soviel überflüssiger Aufwand betrieben und wurden soviel Dollar aufgetrieben, um eine blutleere Handlung künstlich aufzublasen.

Von der ersten bis zur letzten Minuten ist dieser vierte Teil der Batman-Saga also eine einzige Enttäuschung. Und die fängt bereits mit den Hauptdarstellern an: Allen voran natürlich George Clooney, der nun nach Michael Keaton und Val Kilmer ins populärste Gummikostüm der Kinogeschichte geschlüpft ist. Aber auch er kann seiner völlig charakterlos angelegten Rolle absolut nichts abgewinnen, außer dass sein breiter Brustkorb unter dem schwarzen Latex-Anzug recht gut zur Geltung kommt. Und fast wehmütig erinnert man sich beispielsweise an den zweiten Teil, als Michael Keaton so wundervoll lasziv mit Catwoman (Michelle Pfeiffer) gespielt hat, dass nicht nur den amerikanischen Jugendschützern dabei die Schweißperlen auf der Stirn gestanden sind.

Auch Batmans Juniorpartner Robin, den Chris O'Donnell bereits im dritten Teil verkörperte, ist genauso erschreckend ausdruckslos und wirkt wie ein Milchbubi, der sich einmal im Jahr einen Abenteuerurlaub im Marlboro-Land gönnt. Während die dritte im Bunde, ,,Batgirl'' Alicia Silverstone, ständig mit dem Motorrad durch die düsteren Straßen von Gotham City düst, aber ansonsten im allgemeinen Getümmel des Films völlig untergeht. dass ausgerechnet diese drei Figuren die einzigen sein sollen, die die Welt noch vor dem drohenden Untergang retten können, stimmt schon ein wenig nachdenklich. Denn wenn selbst die Helden heutzutage menschliche Nullnummern sind, wie sieht's dann erst mit uns Normalbürgern aus? In ,,Batman und Robin'' steht also die Welt mal wieder vor der finalen Katastrophe. Und Schuld haben ein gewisser Mr. Freeze und eine gewisse Poison Ivy. Letztere ist eine abgedrehte Öko-Fundamentalistin, die alle Lebewesen ausrotten möchte, damit ihre geliebten Pflanzen endlich zu ihrem Recht kommen können. Genauso verworren wie dieser Plan agiert in dieser Rolle Uma Thurman. Mal neigt sie zur großen theatralischen Geste, dann spielt sie eine schwer erotische Verführerin, die sich übrigens ganz zu Recht von Batgirl als ,,Tussie'' beschimpfen lassen muß. Arnold Schwarzenegger ist dagegen als Mr. Freeze wesentlich überzeugender. Zwar ist sein Vorhaben, aus Rache und Enttäuschung die Welt zu vereisen, nicht gerade genial, aber immerhin gewinnt der alte Haudrauf der Figur sogar ein paar tragische Züge ab.

Auf die Geschichte jetzt genauer einzugehen, wäre jedoch ziemlicher Unfug. Schließlich hat sich noch nicht einmal Regisseur Schumacher besonders darum gekümmert. Er brennt einfach 120 Minuten lang ein Feuerwerk aus Spezialeffekten ab, präsentiert Stunts und Action in einem solchen Übermaß, dass es beim Zuschauen schnell die Augen ermüdet. Und was in diesem witzlos aufgeblähten Comicabenteuer eigentlich nur noch fehlt, sind nette Spruchblasen: Pow! Wommm! Crash!

Selbst das Publikum, das schon am frühen Nachmittag das Kino gut füllte, reagierte auf das Spektakel ziemlich gelangweilt. Es wurde kaum gelacht: Worüber auch? Und sogar die sonst in Actionfilmen üblichen lauten Scherzen und Zwischenrufe blieben aus. Dennoch wird ,,Batman und Robin'' bei uns ein Kassenerfolg werden. Da kann man eben nichts machen. Also: Viel Spaß im vermutlich langweiligsten Film dieses Kinosommers!

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