Gerhard Heeke über Vergessene Welt - Jurassic Park

Die Chancen dafür, dass aus der »Vergessenen Welt« auch ein vergessener Kinohit wird stehen gar nicht so schlecht. Denn was Dr. Ian Malcom alias Jeff Goldblum und gleichzeitig Michael Crichtons (Autor) alter Ego, auf der Isla Sorna, der Nachbarinsel vom Jurassic Park, erlebt ist nichts atemberaubend Neues.

Der gemeine InGen Konzern hat noch nicht genügend Sauereien mit den Saurieren veranstaltet. So kommt es, der Vorstand beschließt, die auf der Nachbarinsel noch lebenden Saurierexemplare nach San Diego in einen Spezialzoo zu verschiffen. Dafür heuert der Konzern eine Gruppe Söldner an. Ihnen gegenüber stehen ein paar Wissenschaftler, darunter auch unfreiwillig Ian Malcom, die das Leben der Saurier studieren wollen. Aber die Saurier sehen in beiden Gruppen eigentlich nur Appetithäppchen. Und so geht das Gerenne und Geschreie wieder los ...

Während im ersten Teil die computer und mechanisch animierten Dinos noch wirklich neu und atemberaubend waren, stellt sich dieser Effekt im zweiten Teil nicht mehr ein. Es gibt zwar mehr Saurier zu sehen, und diese sind wirklich perfekt animiert und integriert, aber Animationen in Perfektion gibt es im Kino mittlerweile häufig zu sehen. Und so muß sich auch die »Vergessene Welt« voll auf die Story, die Schauspieler und die Action verlassen.

Action gibt es reichlich in dem neuen Streifen. Warum der Regisseur Steven Spielberg aber soviel harte Action in einem Film zeigen muß, deren Zielgruppe schon bei den Zehnjährigen anfängt, ist mir nicht verständlich.

Wie (leider) jede Actionstory, so hat auch die »Vergessene Welt« einige harte Brüche in der Logik, aber da die Geschichte wirklich spannend erzählt wird, fallen sie nicht so sehr ins Gewicht. Der Zuschauer wird von der Handlung mitgerissen. Es gibt auch in den ruhigen Szenen, immer was zu bestaunen und seien es »nur« die »niedlichen« Dinosaurier. Insofern kann man den Film schon empfehlen. Aber man sollte nicht allzuviel Neues erwarten. Die Handlungsmuster verlaufen nach den bewährten Schemata.

Bei soviel Action und computeranimationen haben es die Schauspieler immer schwer, dagegen anspielen zu können. Eine der wenigen Rollen, die dem Akteur wenigstens etwas Spielraum läßt, ist die des Chaostheoretikes Malcom. Jeff Goldblum spielt ihn in einer Mischung aus neugierigem Wissenschaftler und sich sorgenden Lebensgefährten und Vater. Die anderen Rollen hingegen sind relativ blass. Pete Postlethwaite, als Großwildjäger und Vince Vaughn als Reporter fallen noch positiv auf. Aber wieso Spielberg wieder unbedingt ein Kind (gespielt von Vanessa Lee Chester) und dazu noch mit einer vollkommen bedeutungslosen Rolle einbringen mußte, ist mir nicht begreiflich.

Die Kameraführung von Janusz Kaminski ist wirklich gut. Vorallem wenn man bedenkt, dass in vielen Szenen der jeweilige Hauptakteur, der Dino, gar nicht zu sehen ist.

Die Musik zu »Vergessene Welt« stammt wieder von dem Filmmusiker John Williams. Sie ist routiniert. Weder auffällig gut noch schlecht.

Die SFX von Industrial Light & Magic (Computer) und Stan Winston (Puppen) sind - wie auch nicht anders erwartet - perfekt.

Fazit: Spannender Abenteuerfilm ohne großen Tiefgang und wirklichen Neuheiten.

6 von 10 Freizeitparks

Dirk Jasper FilmLexikon
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