Ernst Corinth über Wilde Kreaturen

Nach neun Jahren dreht das Team von ,,Ein Fisch namens Wanda'' endlich mal wieder eine Komödie, die Erwartungen sind natürlich hoch, und dann ist die Enttäuschung um so größer. ,,Wilde Kreaturen'' erreicht trotz des bewährten Quartetts John Cleese, Jamie Lee Curtis, Kevin Kline und Michael Palin zu keinem Zeitpunkt das anarchisch-komische Niveau seines schon fast klassischen Vorläufers. Und zeitweise mangelt es dem Film so dramatisch an Tempo, dass einige Szenen sogar richtig durchhängen und selbst die zahlreichen Gags einfach nicht zünden wollen.

Obwohl die Idee, John Cleese einen Zoo-Direktor namens Rollo Lee spielen zu lassen, ja eigentlich genial ist. Wer die TV-Serie ,,Fawlty Towers'' kennt, weiß sofort warum. Auch hier gibt sich Cleese, unter der Regie von Robert Young und Fred Schepisi, wieder gewohnt aristokratisch, ist gleichzeitig versnobt, vertrottelt und herrlich verklemmt. Kurz: ein liebenswert böser Kerl, der nach außen verzweifelt versucht, die Fassade zu wahren, dabei ständig Schiffbruch erleidet und nun zu allem Überfluß in den unmöglichen Verdacht gerät, ein wahnsinniger Frauenheld zu sein.

Im Auftrag seines Chefs, des Multimilliardärs Rod McCain (eine Parodie auf den Medienmogul Rupert Murdoch) versucht dieser Rollo mit einer neuen Marketingstrategie seinen Tierpark auf Vordermann zu bringen. Nur mit wilden mörderischen Kreaturen, meint er, könne man die Leute noch begeistern. Aber sein finsterer Plan, dafür die friedfertigen Tiere abzuschaffen und notfalls sogar zu erschießen, stößt auf trickreichen Widerstand des Personals.

Doch damit nicht genug: Als das Chaos schon fast perfekt ist, erscheinen der Sohn des Multimilliardärs, Vince (Kevin Kline), und seine Beraterin Willa (Jamie Lee Curtis) auf der Bildfläche. Während er sich bemüht, noch skrupelloser als sein Vater zu agieren, stellt sie Rollo sofort lüstern nach - und die absurd-erotischen Szenen zwischen John Cleese und Jamie Lee Curtis sind dann auch das Beste an diesem alles in allem so enttäuschend harmlosen Film.

Dirk Jasper FilmLexikon
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