Ernst Corinth über Das fünfte Element

Die Welt steht mal wieder vor dem finalen Untergang: Das Böse ist pünktlich nach genau 5000 Jahren in Form eines gigantischen Feuerball-Planeten zurückgekehrt und will nun die Erde vernichten, Doch wo das Böse ist, ist bekanntlich das Gute nicht fern. Und so ringen sie jetzt, das Böse und das Gute, und irgendwann nach 120 Kinominuten erweckt ein strahlender Held eine himmlische Jungfrau mit einem Kuß. Danach macht es fürchterlich: Zisch! Der Feuerplanet erlischt. Und die Welt ist mal wieder im letzten Moment mit 'ner Schramme davongekommen.

Viel mehr läßt sich über die krude Geschichte, die uns Luc Besson in ,,Das fünfte Element'' auftischt, eigentlich nicht sagen. Dennoch ist sein Film wirklich ,,funtastisch''. Zwar ist das, was uns der Regisseur (der auch das Drehbuch schrieb) zeigt, auf dem ersten Blick ein düsteres Zukunftsspektakel: Tatort ist New York im 23. Jahrhundert, die Welt scheint ökologisch völlig auf den Hund gekommen zu sein, als Ersatz gibt's dafür allerlei Hightech-Spielzeug. Und in den USA, man höre und staune, regiert ein schwarzer Präsident.

Doch wer genau hinschaut, entdeckt, dass sich hinter der bunten aufgepeppten Science-Fiction-Kulisse ein uralter Märchenstoff verbirgt: Nur die Liebe, das ist die romantische Botschaft des Films, kann die Welt retten. Und wer soll besser, reiner und klarer lieben können als eine Jungfrau mit feuerroten Haaren. dass diese Leeloo (Milla Jovovich) ausgerechnet von Bruce Willis in die Geheimnisse der Liebe eingeführt wird, ist ein hübscher Einfall. Aber immerhin hat der Action-Haudegen für seine ,,Prinzenrolle'' sein weißes gegen ein schickes rotes Unterhemd getauscht.

Auch die anderen Rollen sind ,,klassisch''. Da gibt's den satanisch Bösen, den Gary Oldman teuflisch verkörpert. Einen netten allwissenden Priester. Ein paar leicht trottelige Politiker samt Militärs. Und eine wilde Schar Krieger, die ausschauen wie intergalaktische Bulldoggen. - Dies alles hat Besson dann noch mit witzigen Zitaten aus dem Riesenfundus der Kinogeschichte abgerundet und mit aktuellen Parodien und Anspielungen (beispielsweise auf Rockstar Prince) zusätzlich gespickt.

Das Ergebnis ist - nicht nur wegen der von Modemacher Jean-Paul Gaultier entworfenen Kostüme - tatsächlich prachtvoll. Und an der fast barock anmutenden Bilderwelt, dem überaus geschickten Zusammenspiel aus Farben und Musik kann man sich wirklich zwei Stunden lang funtastisch berauschen. Nur über Sinn und Unsinn der Geschichte sollte man dabei lieber nicht nachdenken.

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