Die Halbstarken

• Inhalt • Darsteller, Regie, Stab • Filmkritiken • Bemerkungen • Interview mit Urs Egger •

Filmplakat
Filmplakat Titel Deutschland: Die Halbstarken
Genre: Action-Drama
Farbe, Deutschland, 1996

TV-Start: 1996-12-21 (Sat.1)

Videocover
Videocover Video Deutschland: 1997-01-07
Kaufkassette: 1997-01-07
Laufzeit TV/Video: 98 Minuten
Anbieter: Taurus

DVD Deutschland: 2001-12-05
DVD: 2002-10-02
Laufzeit DVD: 98 Minuten
Anbieter: EuroVideo



Szenenfoto Köln, in den 50er Jahren: Die Wirren des Krieges sind vergessen, man tanzt Rock'n Roll, die Frauen tragen Nylonstrümpfe und die Jugend hat den Kopf voller Rosinen. So auch Freddy, der den spießigen Kleinbürgermief und vor allem die Nörgeleien seines Vaters satt hat. Als es wieder einmal zum Streit kommt, haut er von zu Hause ab. Von nun an will er seine Geschicke selbst in die Hand nehmen.

Zusammen mit seinen Kumpels Kudde, Willi und Mario lebt er auf der Straße - und träumt mit Freundin Sissy von einer "besseren Zukunft". Doch mit Gelegenheitsjobs und kleinen Gaunereien wird dieser Traum nie in Erfüllung gehen. Ein Überfall auf ein Postauto, in dem die Wochenlöhne transportiert werden, soll endlich das große Geld bringen.

Jan, Freddys kleiner Bruder, bricht mitten in die Vorbereitungen herein. Er überredet Freddy, gemeinsam mit Sissy nach Hause zurückzukehren. Dort kommt es schließlich zum endgültigen Bruch: Freddy schenkt seinem Vater ausgerechnet die goldene Uhr, die Sissy bei einem Einbruch in der Pfandleihe mitgehen ließ. Was Freddy nicht weiß: Es ist die verpfändete Uhr seines Vaters.

Wutentbrannt verläßt Freddy für immer das Elternhaus und hat nur noch ein Ziel vor Augen: Der große "Coup" aufs Postauto. Die Aktion entpuppt sich allerdings als Flop. Statt der erhofften Millionen finden die Jungs nur wertlose Postsendungen in den Säcken. Maßlos enttäuscht wendet sich die Gang von ihrem Anführer Freddy ab, und auch Sissys Traum von einem besseren Leben zerplatzt wie eine Seifenblase.

Aber Freddy läßt sich nicht unterkriegen. Verzweifelt sucht er nach einem Ausweg, und schließlich fällt ihm Antonio Garazzo ein. Er hat alles, was sie sich wünschen: Ein schönes Haus, Schmuck, Pelze, Geld. Aber die Freunde, die genug haben von Freddys "genialen" Ideen, streiken bei dem Gedanken an einen neuen Überfall. Nun wird Sissy endlich das, was sie immer wollte: Freddys Komplizin.

Noch in derselben Nacht brechen sie gemeinsam in die scheinbar leere Villa ein, ohne zu ahnen, dass sich dort Antonios gebrechlicher Vater aufhält. Hilflos und brutal zugleich wollen sie den alten Mann daran hindern, die Polizei zu alarmieren. Die Situation gerät völlig aus dem Ruder - dann fallen plötzlich Schüsse ...


SzenenfotoDarsteller: Til Schweiger (Freddy), Sandra Speichert (Sissy), Roman Knizka (Jan), Frank Giering (Günther), Johann von Bülow (Klaus), Boris Aljinovic (Kudde), Florian Fitz (Mario), Oliver Bröcker (Willi), Joachim Bissmeier (Vater)

Regie: Urs Egger

Stab: • Produzenten: Bernd Eichinger, Uschi Reich für Constantin Film / Sat.1 • Drehbuch: Bernd Eichinger, Uwe Wilhelm • Vorlage: - • Filmmusik: Detlef Petersen • Kamera: Lukas Strebel • Spezialeffekte: - • Ausstattung: Thomas Freudenthal • Schnitt: - • Kostüme: Caritas de Witt • Make Up: Ruth Philipp, Heiner Niehues • Ton: - • Toneffektschnitt: - • Stunts: - •


SzenenfotoFilmkritiken

Frankfurter Rundschau 30.10.1996: Eichingers zweiter Streich aus der zunächst auf vier Remakes angelegten "German Classics"-Reihe: "Die Halbstarken" ... Die Regie hat Produzent Eichinger dabei dem Schweizer Urs Egger anvertraut, aber bestes Starkino ist auch dies geworden. Hier ist die Kamera in Til Schweiger verliebt, der ein Ensemble von ansonsten völlig unbekannten jungen Darstellern anführt. Erstaunliche Talente allesamt.


SzenenfotoBemerkungen

"Die 50er Jahre waren eine Blütezeit der Lebenslügen", so schreibt Hellmuth Karasek in seinem neuen Buch "Go West. Eine Biographie der 50er Jahre", das vor wenigen Wochen auf den Markt kam. Dem ist nur schwerlich zu widersprechen, fragt sich nur, ob sich heutzutage die Dinge so sehr anders verhalten. Kaum ein anderes Jahrzehnt dieses Jahrhunderts wurde mehr idealisiert als die 50er. Nach Jahren der Entbehrungen herrschte in Deutschland Aufbruchstimmung.

In jeder Beziehung: ob politisch oder gesellschaftlich. Mit Beruhigung nahm man zur Kenntnis, dass Konrad Adenauer zum zweitenmal Bundeskanzler wurde, die Wirtschaft wuchs, was das Zeug hielt, und der Petticoat löste die dumpf-farbene Kittelschürze ab. Perlon, Dralon und Pitralon waren die Schlagwörter der damaligen Zeit. James Dean und Elvis Presley die Ikonen, und die Konservendose begann unaufhaltsam ihren Siegeszug. Auf einmal gab es Thunfisch, Ananas und Pfirsiche für alle, und die Salzlette wurde zum Fetisch einer aufblühenden Überflußgesellschaft. Konsum war das Zauberwort.

Was für eine Zeit - oder nur der verklärte Blick durch die rosarote Brille? Führte nicht schon ein flüchtiger Blick auf Hildegard Knefs nackten Busen zum Volksaufstand der Sittsamen? In Sachen Sex war Prüderie noch immer an der Tagesordnung. Knutschen im Autokino war schon das äußerste der Gefühle, eine gemeinsame Wohnung für Unverheiratete undenkbar, und Girls in flächendeckenden Badeanzügen galten am Kiosk als Gipfel der Verworfenheit. Wie leicht war es doch, in dieser Zeit zu provozieren. Schon damals war es die Jugend, die den Kampf gegen das Spießertum aufnahm. "Die Halbstarken" wurden sie genannt. Aufmüpfig lehnten sie sich gegen die Lebenslügen der Gesellschaft auf - manchmal auch mit Gewalt.

Trotzdem: Die 50er waren vergleichsweise ein harmloses Jahrzehnt. Wo hinterm Wolkenstore frohen Herzens genossen wurde, waren Vietnam, AIDS und Umweltkatastrophen noch Jahre weit entfernt ...

Dirk Jasper FilmLexikon
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