Ernst Corinth über Men In Black

Endlich ist es raus: Seit 1964 leben Außerirdische mitten unter uns. Die meisten davon natürlich in New York. Was manches erklärt, besonders wenn man an die verrückten Dinge denkt, die regelmäßig über den Ozean zu uns schwappen. Außerdem ist Elvis gar nicht tot, sondern nur in seine Galaxie zurückgekehrt. Michael Jackson und Sylvester Stallone sind noch hier, aber ebenfalls Aliens. Was man ja - Hand aufs Herz - den beiden eh irgendwie ansieht. Selbst der amerikanische Oppositionsführer Newt Gingrich ist ein Außerirdischer. Und Taxifahrer sowieso.

Warum wir bisher nichts davon gemerkt haben, hat einen ganz simplen Grund: In den USA, behauptet Barry Sonnenfeld in seinem Film, existiert die Geheimorganisation "Men in Black" (MIB), die seit Jahrzehnten den Kontakt zu den legal hier lebenden Aliens regelt und illegale Einwanderer aus dem All mittels modernster Waffentechnik in Sternenschrott verwandelt. Ihre Informationen beziehen die MIB-Agenten vor allem aus Klatsch- und Sensationsblättern, die ja auch bei uns gern mit Meldungen über außerirdische Phänomene, die Auflage zu steigern versuchen. Und wenn ein Kontakt gemeldet oder ein UFO mal wieder gesichtet wird, kommen sofort die Herren Agenten in Schwarz, untersuchen den Fall und löschen dabei bei den Zeugen die Erinnerung an solche Begegnungen der Dritten Art durch einen sogenannten Neuralyzer völlig aus.

Klingt irgendwie logisch! Ob's auch stimmt, steht zwar auf einem anderen Blatt. Aber wenn's so komisch erzählt wird, fragt man nicht nach Sinn oder Unsinn. Denn wie Regisseur Sonnenfeld uns diese absurde Geschichte auftischt, wie er mit Zitaten aus Filmen wie "Ghostbuster", "Beetlejuice" oder "Pulp Fiction" arbeitet, dabei vor keinem terrestrischen Blödsinn und exterrestrischen Schwachsinn zurückschreckt, ist tatsächlich ein herrlicher Kinospaß. Auch wenn manch aktuelle Anspielung, und davon gibt's eine ganze Menge, wohl eher für US-amerikanische Ohren bestimmt ist.

Allein das Agenten-Duo ist mit Will Smith und Tommy Lee Jones so gut besetzt, dass selbst Steven Spielbergs brüllende Computer-Dinos gegen die beiden exzellent harmonierenden Hauptdarsteller auf dem amerikanischen Kinomarkt kommerziell keine Chance gehabt haben. Und bei uns wird es wohl ähnlich laufen.

In ihrem Abenteuer müssen sich der coole Jones, der gut 100 Minuten lang keine Miene verzieht, und der zappelige stets gigantische Bauklötze staunende Smith mit einer Riesenküchenschabe aus dem All herumschlagen, die in die eher unpassende Haut eines Farmers geschlüpft ist und nun mitten in New York eine Galaxie klauen möchte. Letztere hängt übrigens am Halsband einer Katze ...

Die beiden Herren treffen bei ihrer aufregenden Jagd ständig auf allerlei merkwürdige Geschöpfe, die von den Technikern der "Industrial Light and Magic"-Studios fürwahr phantastisch kreiert worden sind. Da gibt's kleine süße Aliens, die im Büro der MIB fröhlich Kaffee schlürfen, ein Tintenfisch ähnliches Geschöpf, das prustend und mit Riesenkulleraugen das Licht unserer Welt erblickt, oder abstrus ekelige Wesen wie die besagte Küchenschabe. Und zum guten Schluß - nach viel Glibber, feurigsten Explosionen und einer echten Metamorphose! - haben unsere zwei Kammerjäger die Welt natürlich mal wieder vor dem sicheren Untergang bewahrt.

Dennoch: Am Ende ist man schon ein bißchen verunsichert. Zwar behauptet Agent K alias Jones, dass es weniger Aliens gebe, als man glauben möchte. Aber wenn man sich so umschaut, drängt sich doch mancher Verdacht auf.

Dirk Jasper FilmLexikon
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