Wo gesungen wird,
da laß dich ruhig nieder, böse Menschen kennen keine
Lieder. Ob's stimmt, sei einmal dahingestellt. In Woody Allens
neusten Film wird jedenfalls gesungen, böse Menschen kommen in
diesem Musical auch nicht vor, und am Ende verliert Goldie Hawn
tanzend jegliche Bodenhaftung: Eine schöne schwebende Szene an
der Seine, kitschig, romantisch und vor allem so herzig nostalgisch
wie vieles in ,,Alle sagen: I love you''.
Ja, Herzilein, du mußt nicht traurig sein. Das Leben ist heiter, der Liebesschmerz nicht von Dauer, und selbst die Psychomacken der reichen Leute aus der Park Avenue sind doch irgendwie nett und sympathisch. - Viel mehr will uns Woody Allen mit seinem Film tatsächlich nicht sagen. Wie er aber diese Banalitäten verpackt hat, kann sich durchaus sehen lassen. Zwar fehlt der ironische Biß der frühen Jahre, dafür kommt diese Liebeskomödie jedoch so ungemein leicht und beschwingt daher, dass die muntere Stimmung sich auf den Zuschauer zuweilen überträgt. Allen selbst spielt als Schriftsteller Joe dabei eher eine Nebenrolle. Im Mittelpunkt steht die Familie seiner Ex-Frau Steffi (Hawn), die mit ihrem Gatten Bob (Alan Alda), einer fröhlichen Schar Kinder, einem schwer zerstreuten Großvater und dem deutschen Hausmädchen, das (wie es heißt) schon bei Adolf Hitler in Diensten gewesen ist, in New York ein Riesenappartement bewohnt. Wie diese netten Leute aus der amerikanische Upper-class nun die Leichtigkeit des schönen Scheins vorleben, sich im Frühling, Sommer, Herbst und Winter herzen und nerven, wie sich die Kinder (wunderbar naiv: Drew Barrymore) verlieben und streiten und wie das schlechte Gewissen die liberale Mutter Steffi sozial umtreibt, so dass sie sich ständig um das Leid der Welt kümmern muß, gar einen echten Mörder (Tim Roth) zum Geburtstag einlädt, ist zwar wirklich komisch anzusehen. Und wie Woody Allen als zerknitterter Poet das Kunststück fertigbringt, dass sich die hübsche Von (Julia Roberts) in ihn verliebt, ist genauso komisch. Aber wer von einem Film ein bißchen mehr als gute Laune, heitere Nostalgie und abgeklärte Altersweisheiten erwartet, wird dann doch ein wenig enttäuscht sein. Gewiß, die Idee, die Schauspieler zu allen möglichen und unmöglichen Zeitpunkten singen, Schaufensterpuppen und Passanten dazu tanzen und den Refrain trällern zu lassen, ist heutzutage schon fast wieder originell, auch wenn die Lieder und Tänze direkt aus der Mottenkiste des frühen amerikanischen Musicalfilms stammen. Nur einmal wagt sich Woody Allen
in für ihn wohl unbekanntes Terrain vor und an einen aktuellen
Rap-Titel heran, und diese Szene strahlt dann tatsächlich mehr
Kraft aus als der gesamte bunte Melodienreigen zuvor. Und
vergleicht man sein immergrün angestrichenes Musical gar mit
dem deutschen Musikfilm ,,Bandits'', mit dem Katja von Garnier
wesentlich frecher an den deutschen Schlagerfilm der sechziger
Jahre anknüpft, bleibt als Urteil über ,,Alle sagen: I
love you'' nur: Auch Stadtneurotiker kommen halt in die Jahre. Und
singen dann eben die alten Lieder: herzig, herzlich,
herzergreifend.
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Wo gesungen wird,
da laß dich ruhig nieder, böse Menschen kennen keine
Lieder. Ob's stimmt, sei einmal dahingestellt. In Woody Allens
neusten Film wird jedenfalls gesungen, böse Menschen kommen in
diesem Musical auch nicht vor, und am Ende verliert Goldie Hawn
tanzend jegliche Bodenhaftung: Eine schöne schwebende Szene an
der Seine, kitschig, romantisch und vor allem so herzig nostalgisch
wie vieles in ,,Alle sagen: I love you''.