Ernst Corinth über Chasing Amy

Wenn ein Mann eine Frau liebt, die wiederum Frauen liebt, dann haben wir den Salat. Oder: wir sitzen im Kino in einer echten Beziehungsknatsch-Komödie und amüsieren uns hoffentlich köstlich über Schwule und Normalos, über Machos und kesse Väter. Auch Kevin Smiths ,,Chasing Amy'', nach dem Überraschungserfolg ,,Clerks'' und dem Superflop ,,Mallrats'' der dritte Teil seiner New-Jersey-Trilogie, schaut am Anfang aus wie eine dieser meist recht beliebigen Dreiecksgeschichten.

Holden (Ben Affleck) und Banky (Jason Lee), zwei junge Männer vom Prototyp ,,Generation X'', schlagen sich erfolgreich als Comic-Zeichner durchs Leben, hängen am Abend in Kneipen herum, reden unentwegt nur über das Eine: über Sex und Frauen - und sind eigentlich ganz liebe Kerle und vor allem ganz dicke Freunde.

Doch dann haut's plötzlich Holden richtig um. Er verliebt sich Hals über Kopf in seine hübsche Kollegin Alyssa (wirklich umwerfend: Joey Lauren Adams), stellt ihr nach, blickt sie wie ein verliebter Pudel schmachtend an und ist fast am Ziel. Aber nur fast, denn Alyssa ist - o Schreck! - 'ne echte Szene-Lesbe. Und aus der lockeren Komödie wird zur Überraschung des Zuschauers eine gar heftige Liebesromanze.

Verliebtsein, das zeigt uns der Regisseur dabei eindrucksvoll, ist jedoch alles andere als schön, ja, höchstens schön komisch für Außenstehende. In seinem Film haben Holden und Alyssa jedenfalls nicht viel zu lachen. Sie lieben und sie trennen sich, sie sind eifersüchtig und versöhnen sich in einer grandios kitschig inszenierten Szene im Regen. Bei alledem mischt auch noch Banky mit, der seine ,,alte Ehe'' mit seinem Kumpel Holden ausgerechnet durch eine Lesbe gefährdet sieht, und das Ende ist keinesfalls happy.

Und obwohl es zuweilen richtig melodramatisch zur Sache geht, ist der Film selbst für Nichtverliebte erträglich. Wie schon in ,,Clerks'' erweist sich Kevin Smith nämlich wieder als ein wahrer Meister im Schreiben von Dialogen. Wer beispielsweise immer schon alle Varianten beim oralen Sex kennenlernen wollte, bekommt sie hier wunderbar witzig (aber rein rhetorisch!) geliefert. Und gleichzeitig nimmt der Regisseur seine Figuren, ihr Leid und ihre Freude, so tierisch ernst, dass selbst die größte Liebestragödie fast schon wieder lustig wirkt.

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