Ernst Corinth über Ballermann 6

Szenenfoto Auf diesen Film hat Deutschland gewartet. Nach all den flachen Beziehungskomödien, die seit Jahren die Kinozuschauer zum Lachen zwingen, wirft Autorenfilmer Tom Gerhardts ,,Ballermann 6'' endlich mal wieder eine Frage auf, die nicht nur zutiefst philosophisch ist, sondern auch recht gut zur drohenden Jahrtausendwende samt der dazugehörigen Endzeitstimmung paßt: ,,Warum'', fragt der Film sich und den Zuschauer also, ,,muß man für Freibier immer so viel bezahlen?''

Ein Problem, das jeder, nun, fast jeder kennt und das hier völlig tabulos und gleichsam bis in den nacktesten Intimbereich hinein angegangen wird. So zählen zu den dramaturgischen Höhepunkten dieses heiter verpackten, gleichwohl stets doppelbödigen Filmepos unter anderem: Das minutenlange und schonungslos in Zeitlupe gedrehte Erbrechen an Bord eines gut besetzten Flugzeugs, das Urinieren in Töpfen voller Sauerkraut und das Herumstochern mit Hand und Kopf (!) in einer vorab benutzten Kloschüssel.

Bilder und Szenen, die bewußt schockieren sollen, aber seltsamerweise beim Publikum zu Lachkrämpfen führen. Auch die süße Katze, die zwischendurch mal kurz platt gefahren wird, ruft ähnliche Reaktionen hervor. Erstaunlich ist ebenfalls, dass es den Regisseuren Tom Gerhardt und Gernot Roll gelungen ist, aus einer eigentlich nicht vorhandenen Geschichte einen knapp 90minütigen Film zu drehen.

So besticht allein die Grundidee bereits durch ihren gewagten Minimalismus: Zwei Kölner Knallköppe (Tom Gerhardt, Hilmi Sözer), fahren nach Mallorca, um dort, wie es heißt, ,,Eimer zu saufen''. Dabei geht einiges zu Bruch, manches schief, aber da die beiden mental eh nichts merken und daher alles ,,geil'' finden, schwimmen sie am Ende im ,,größten Eimer der Welt''. Ein überraschend optimistischer Schluß, mit dem die abgrundtief pessimistische Botschaft ,,Freibier gibt's nicht für umsonst'' kühn konterkariert wird. Und ein Film, der beim Zuschauer nachhaltige Wirkung hinterläßt: O Mann ist mir schlecht. Wo ist der Eimer?

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