Ernst Corinth über
Fire
dass Frauen, wenn
sie von ihren Ehemännern vernachlässigt werden, oft dazu
neigen, lesbisch zu werden, weiß man(n) ja. Obwohl es
natürlich ziemlicher Blödsinn ist. Auch die in Kanada
lebende indische Regisseurin Deepa Mehta setzt leider auf dieses
arg hinfällige Klischee. Dennoch ist dies der einzige
Ausrutscher in einem fürwahr brillant inszenierten
Film.
Erzählt wird in "Fire" die
Geschichte der junge Sita (Nandita Das), die als frisch
vermählte Ehefrau in das Haus der Großfamilie ihres
Gatten zieht. Da er sich jedoch überhaupt nicht um seine Frau
kümmert, sucht sie die fehlende Wärme bei ihrer
älteren Schwägerin (Shabana Azmi). Auch Radha sehnt sich
nach Liebe, und so geschieht schließlich, was geschehen
muß: Die zärtlichen Schwägerinnen teilen alsbald
genüßlich das Bett.
Dies alles erzählt die
Regisseurin auf unterhaltsamste Weise. Dabei verzichtet Deepa Mehta
trotz aller Melodramatik, die der Film vom Thema her ja fast
zwangsweise transportiert, völlig auf schwülstige
Elemente. Statt dessen arbeitet sie mit Mitteln der Soap-Opera,
verbindet diese geschickt mit indischer Mythologie und einem
kritischen Blick auf eine Gesellschaft, die zwischen Tradition und
Moderne schwankend nur mühsam ihren Weg sucht. Kurz:
sehenswert nicht nur für vernachlässigte
Frauen.
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