Ernst Corinth über Air Force One

Über Wolfgang Petersens neuem Film ist schon vorab so viel geredet, geschrieben und spekuliert wurden, dass wohl jeder, der sich dennoch (oder gerade deswegen) im Kino an Bord von ,,Air Force One'' wagt, weiß, was ihn dort erwartet: Viel Action, noch mehr Patriotismus und natürlich Harrison Ford, der sich mit seiner Rolle als Präsident - trotz aller persönlicher Dementis - als zukünftiger Staatschef der USA ins Gespräch gebracht hat.

Denn solch eine Vorzeigefigur wünscht sich wohl jeder Staatsbürger nicht nur ins Weiße Haus: Ein Typ, der einfach sympathisch ist, engagiert - trotz der ängstlichen diplomatischen Bedenken seiner Berater - gegen das Böse in der Welt kämpft, und wenn das Böse dann zu ihm in Gestalt des Terroristen Ivan Korshunov (gewohnt fies und cool: Gary Oldman) ins präsidiale Flugzeug steigt, sich als alter Vietnam-Veteran handfest zu wehren weiß.

Und Harrisons guter darstellerischer Leistung ist es vor allem zu verdanken, dass nicht nur die recht Detail genau nachgebaute Air Force One, sondern der Film selbst nicht vorzeitig bruchlandet. Was Petersen nämlich mit viel Knall und noch mehr tiefem Fall in Szene gesetzt hat, wirkt doch arg zusammengestückelt. So eifern all die aus anderen Actionstreifen sattsam bekannten Versatzstücke mit genauso belieben Klischees zwei Stunden lang fröhlich um die Wette: Da ist mal wieder der unbeugsame US-Präsident, der irre Terrorist, eine bedrohte nette Familie, ein gekidnapptes Flugzeug, ein bißchen Panik, und fast eine Katastrophe: ,,Washington, wir haben ein Problem....'' Und da sind mal wieder all die kleinen unlogischen Fehler und Drehbuch-Schludrigkeiten, um die sich Produktionen dieses Genres einfach einen Teufel scheren.

Kein Wunder also, dass der Zuschauer stets weiß oder zumindest ahnt, was im nächsten Moment passieren wird, dass nach Terrorist Nummer eins gleich die Nummer zwei ins Gras beißen und am Ende nach dem populären Zehn-kleine-Negerlein-Prinzip sich eben der Oberschurke gegen den Oberguten ein mannhaftes Duell liefern wird. Dennoch ist dieser Film, wenn man ihn nicht überbewertet, durchweg spannend und für Leute, die von Höhenangst geplagt sind, ist das ständige Gezappel in viel zu frischer Luft streckenweise sogar kaum zu ertragen.

Und wer aus einer eigentlich völlig ideenlosen Geschichte noch einen unterhaltsamen Film zusammenschustern kann, der ist wie Wolfgang Petersen in Hollywood ja tatsächlich am rechten Ort.

Dirk Jasper FilmLexikon
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