Gerhard Heeke über Air Force One

Air Force One ist seit 1961 die Bezeichnung der Luftwaffen bzw. Air Force Maschine mit der, der jeweilige US-Präsident um die ganze Welt verfrachtet wird. Diesesmal ist (mal wieder) ein Schauspieler an Bord. Nein, nicht Ronald Reagan sondern Harrison Ford als US-Präsident James Marshall.

James Marshall hat soeben auf einem Galaabend in Moskau dem weltweiten Terrorismus den Kampf angesagt. Kaum sind die Worte in den weiten Hallen verklungen, werden er und seine Familie auch schon die ersten Opfer eines erneuten Terroranschlages. Terroristen haben sich an Bord der Air Force One eingeschmuggelt und hijacken die Maschine kurz nach dem Start.

Und die Terroristen unter Führung von Oberfiesling Ivan Korshunov alias Gary Oldman verstehen auch so überhaupt keinen Spaß. Den hat dafür aber der Zuschauer. Denn der Präsident ist ein gestandener, ehemaliger Vietnam-Recke. Er macht den Bösewichtern in bester "Die-Hard" Manie Feuer unterm Hintern.

Wenn man die doch streckenweise recht hanebüchene Geschichte akzeptieren kann, und auch mit der "Tatsache" leben kann, dass selbst schwerste Schießereien an Bord keinen Druckabfall zur Folge haben, dann erhält man für sein Kinogeld einen sehr spannenden, nervenzerrenden Action-Thriller der gehobenen Machart.

BTW: Wenn man in diesem Film einen Menschen trinken oder gar rauchen sieht, kann man sicher sein, dass es ein Russe sein muß. Soviel zur aktuellen Situation der Raucherlobby in Hollywood.

Neben Harrison Ford, kann (wieder einmal) Gary Oldman glänzen. Aber auch Glenn Close in der Rolle der Vizepräsidentin und Dean Stockwell in der Rolle ihres "Gegenspielers", des Verteidigungsministers Walter Dean haben mir gefallen. Überhaupt sieht man in den Nebenrollen einige bekannte Gesichter. Wenn es auch manchesmal schwerfällt den Gesichtern Namen zuzuordnen. Für die deutschen Zuschauer ist als Bonbon Jürgen Prochnow in der Rolle des Terror-Generals Alexander Radek zu sehen. Aber erwarten sie nicht zuviel, die Rolle ist doch sehr klein.

Der Reggisseur Wolfgang Petersen zählt mittlerweile zu recht zu den besten seines Faches. Er hält die Geschichte zusammen und sorgt dafür das der Spannungsbogen sauber aufgebaut wird und nicht mittendrin sang- und klanglos zusammenbricht. Überzeugen konnte auch die Kameraarbeit von Michael Ballhaus. Es ist schon beeindruckend wieviele Blickwinkel in so einem beengten Raum wie einer Boing 747 oder in einem Konferzraum zur Verfügung stehen.

Jerry Goldsmith lieferte die Musik zu den Bildern. Leider sind die Stücke allzu routiniert, wahrhaft neues gilt es da (leider) nicht mehr zu entdecken.

Die Tricktechnik ist im großen und ganzen in Ordnung. Allerdings entlarvt sich gerade die Schlußsequenz doch sehr deutlich als Trick.

Fazit: Spannender Thriller

8 von 10 präsidialen Schauspielern

P.S. Bitte während des Films nicht daran denken: "Wie hätte Helmut Kohl in dieser Situation ausgesehen?"

Dirk Jasper FilmLexikon
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