Produktionsnotizen zu Air Force One
Die Schauspieler und ihre Rollen Harrison Ford als amerikanischer Präsident? Ein Bürohengst, der es mit einem ganzen Terrorkommando aufnimmt, als sein Flugzeug, die Air Force One, gekidnappt wird? "In diesem Film ist Harrison Ford sicherlich nicht hinter seinem Schreibtisch im Oval Office zu sehen", lacht Regisseur Wolfgang Petersen. "Dieser Präsident ist ein Mann der Tat - und es gibt derzeit keinen anderen Schauspieler für diese Rolle, der Harrison Fords Kombination aus Stärke und Intelligenz erreichen könnte."

Harrison Ford selbst sagt über seine Rolle: "Dieser Präsident hat, seinen eigenen Überzeugungen folgend, eine sehr klare politische Position bezogen. Aber seine Überzeugungen werden auf eine sehr dramatische Probe gestellt, als plötzlich sein eigenes Leben und das seiner Familie auf dem Spiel stehen. Er muß nun ein gefährliches Spiel wagen, um die Freiheit der Geiseln an Bord und die der ganzen westlichen Welt zu bewahren."

Solch ein handlungsstarker Regierungschef braucht selbstverständlich einen ebenbürtigen Gegner: den fanatischen russischen Nationalisten Korshunov. Und wer außer Gary Oldman könnte die Gefährlichkeit und Geisteskraft eines solchen Terroristen verkörpern? " Gary Oldman ist der perfekte Gegenspieler", sagt Petersen, "weil er selbst ein sehr smarter Mensch ist, und genau diese Brillanz läßt seine Figur besonders ominös erscheinen."

Als Vizepräsidentin gelang es der Produktion, Glenn Close an Bord zu holen (bzw. ins Weiße Haus zu setzen), allerdings nicht ohne tatkräftige Mithilfe von Harrison Ford selbst. So erzählt Glenn Close: "Ich war letzten Sommer bei Präsident Clinton zum Abendessen eingeladen, als er seinen Urlaub in Wyoming verbrachte, und auch Harrison Ford saß mit am Tisch. Ich saß zur Rechten des Präsidenten, und während des Essens kam Harrison Ford herüber, beugte sich zur Linken von Bill Clinton herunter und fragte zu mir herüber: 'Würdest du in diesem Film meine Vizepräsidentin spielen?' Wie hätte ich das unter diesen Umständen ablehnen können?"

Dabei ist die Situation, mit der die Handlung von Air Force One ihren Anfang nimmt, durchaus denkbar, wie Petersen anmerkt: "Der internationale Terrorismus ist etwas, mit dem wir in unserem täglichen Leben konfrontiert werden und was wir mittlerweile leider als gegeben hinnehmen. In der Regel sind solche Handlungen allerdings auf ein sehr begrenztes Ziel ausgerichtet. Wir haben nun ein Szenario entworfen, in welchem der Erfolg eines einzigen Terroraktes immense Auswirkungen auf die gesamte freie Welt haben könnte."

Geschrieben wurde Air Force One von Andrew W. Marlowe, der dem Produzenten Jon Shestack die Idee zu dem Film vorschlug und daraufhin den Auftrag bekam, sein erstes Drehbuch daraus zu machen.

"Die Herausforderung", erzählt Shestack, "bestand darin, einen Actionfilm zu machen, der einzigartig war und noch mit neuen Thrills aufwarten konnte. Mittlerweile sind die Spezialeffekte und die Leichenberge in diesem Genre derart riesig geworden, dass wir das nur noch übertreffen konnten, indem wir den Helden unserer Geschichte zum mächtigsten Mann der Welt machten!"

Die Dreharbeiten zu Air Force One Die Kameras begannen am 16. September 1996 in Columbus, Ohio, zu laufen, auf der Rickenbacher Air National Guard Base. Gleich zu Beginn der Produktion stand einer der aufwendigsten Stunts des Films: "Wir drehten nachts mit einer Boeing 747 und sechs F15-Kampfflugzeugen", erzählt Petersen. "Während die 747 versucht zu landen, schwirren an die 30 Helikopter herum, Militärfahrzeuge rasen über die Landebahn, Truppen nehmen Aufstellung, alles und jeder ist in Bewegung. Dabei ist es schwierig genug, mit einer einzigen 747 zu drehen."

Die Filmemacher konnten dabei auf die Mitarbeit aller vier Truppengattungen der US-Armee zählen, und das technische Wissen der Militärs garantierte der Produktion eine Authentizität, wie sie nur selten im Kino zu sehen ist. Dabei half natürlich auch das offizielle O.K. aus dem Weißen Haus, Petersen bei seiner Arbeit zu unterstützen: So konnte die Produktion mit Flugzeugen, Locations und technischem Material arbeiten, das Hollywood normalerweise nicht zur Verfügung gestellt wird. Neben einer ganzen Einheit von Hubschraubern, F15-Jägern und Transportern standen an die 250 Mann bereit, das Equipment zu warten, zu bedienen und zu fliegen. Die 747, die im Film die " Air Force One" darstellt, wurde von einer zehnköpfigen Crew in einer viertägigen Schicht zur Präsidentenmaschine umgespritzt und umgerüstet.

Nachdem die Außenaufnahmen in Cleveland und Mansfield abgeschlossen waren, ging das Team nach Los Angeles in die Sony-Studios, wo das Innere der " Air Force One" in Originalgröße nachgebaut wurde. Die Halle 15, in dem die Bauten erstellt wurden, ist übrigens die größte Studiohalle Amerikas - und beherbergte schon die gelbe Backsteinstraße, auf der Dorothy 1939 zum Zauberer von Oz marschierte.

"Eines der Probleme beim Drehen auf so engem Raum", sagt Harrison Ford, "ist, dass man ständig neue Sichtwinkel finden muß, damit sich die Handlung visuell nicht wiederholt. Aber Wolfgang und Michael Ballhaus haben das hervorragend hingekriegt. Ich hatte zudem das Glück, erst kürzlich Wolfgangs neugeschnittenen Director's Cut von "Das Boot" zu sehen, und darin zeigt er ja schon, wie er in einem klaustrophobischen Raum die Spannung immer wieder aufs Neue erzeugen kann."

Harrison Ford, Petersen, Kameramann Michael Ballhaus und Produktionsdesigner William Sandell hatten außerdem das seltene Privileg, eine Tour durch die echte " Air Force One" zu bekommen, als Präsident Clinton in Wyoming auf Urlaub weilte. Allerdings war es ihnen aus Sicherheitsgründen nicht gestattet, Fotos zu machen und alle Bereiche des Flugzeugs zu besichtigen.

Sandell sagt über seine Arbeit: "Die 747, die wir nachbauten, hatte drei Decks in Originalgröße. Wir hatten zunächst nach Zeichnungen und Pressefotos gearbeitet, ehe wir zu der Tour eingeladen wurden. Die drei Decks haben wir dabei dem Drehbuch entsprechend gestaltet: Das Oberdeck, das technische Nervenzentrum des Flugzeugs, in kalten, strengen Blau- und Grautönen, und das mittlere Deck, wo die Büro- und Konferenzräume des Präsidenten sind, in warmem Beige und Grau. Das unübersichtliche Unterdeck hielten wir sehr dunkel und geheimnisvoll, fast unheimlich - wobei wir uns ein wenig an Wolfgangs Boot orientierten." In der Halle waren rund um die Uhr Hunderte von Handwerkern und Bühnenbauern beschäftigt, und die gesamte Struktur ruhte auf riesigen hydraulischen Pressen, mit denen in einzelnen Räumen Turbulenzen simuliert werden konnten.

Zusätzliche Außen- und Second-Unit-Aufnahmen wurden schließlich noch in Rußland und in Washington, D.C. fotografiert.

Die "Air Force One" 347.850 Kilo Technik für einen Passagier! Als erste Präsidentenmaschine Amerikas wurde eine Boeing 314, die 1939 als Postfrachtmaschine gebaut worden war, zum Passagierflugzeug Clipper 314 umgerüstet. Es gab nur zwölf dieser Maschinen, und eine davon, "Das fliegende Hotel", brachte Präsident Franklin D. Roosevelt zu seinen politischen Treffen, u.a. zu einem mit Winston Churchill in Casablanca während des Zweiten Weltkrieges. 1944 wechselten die Flugzeuge, und Roosevelt flog mit der ersten offiziellen Präsidentenmaschine, einer Douglas C-54 (DC-4) Skymaster, die den Spitznamen "Die heilige Kuh" trug.

Nach Kriegsende machte die kommerzielle Luftfahrt einen Riesenschritt nach vorne. Die DC-6 (C-118) Liftmaster brachte ungekannten Komfort und verbesserte Sicherheit, und eine ihrer Maschinen wurde "Independence" getauft, nach der Heimatstadt ihres Hauptpassagiers, Präsident Harry S. Truman. Truman flog mit der "Independence" von 1947 bis 1953.

Unter Eisenhower wurde die DC-6 dann von der Lockheed C-121 abgelöst, von der drei Maschinen - "Columbine" I, II und III - bis Mitte 1961 den Präsidenten um den Erdball brachten.

Im September '61 weihte Präsident John F. Kennedy die erste offizielle " Air Force One" ein, eine Lockheed C-118, die ein Jahr später durch das erste kommerzielle Passagierflugzeug, eine Boeing 707, ersetzt wurde. In Militärkreisen nannte man die Maschine auch nach ihrer am Schwanzende aufgemalten Seriennummer "die 26000". In dieser 26000 landete Kennedy am 22. November 1963 auf dem Love Field in Dallas, und seine Leiche kehrte darin später nach Washington zurück.

Lyndon B. Johnson wurde an Bord der 26000 als 36. Präsident der USA in Dallas vereidigt, und etwa zehn Jahre später transportierte das gleiche Flugzeug auch seine Leiche zur Beerdigung nach Texas. Im Februar 1972 brachte die 26000 Präsident Nixon nach China. Die altgediente Maschine wurde schließlich durch die 27000 ersetzt, die am 19. Oktober 1981 die ehemaligen Präsidenten Nixon, Harrison Ford und Carter nach Kairo zum Begräbnis des ägyptischen Präsidenten Anwar As Sadat flog.

Das aktuelle Modell, die VC-25A mit der Seriennummer 28000, wurde im September 1990 unter Präsident Bush in Betrieb genommen.

Die " Air Force One" zählt heute neben dem Sternenbanner, dem Weißen Haus und dem Mount Rushmore zu den weltweit bekanntesten Symbolen der Vereinigten Staaten. Stationiert auf der Andrews Air Force Base in Maryland wird die " Air Force One" täglich gewartet, gleich ob sie auf einen Flug geht, von einem zurückkehrt oder nur im Hangar steht. Alle 154 Tage wird das Flugzeug komplett zerlegt und einer intensiven Inspektion unterzogen. Weil die 747 weltweit eingesetzt wird, steht ein " Air Force One"-Notreparatur-Netz an jedem Flughafen der Welt bereit.

Tatsächlich ist die AFO ein fliegendes Präsidentenbüro, dafür gebaut, den Präsidenten, die First Lady und den Regierungsstab überallhin zu bringen. An Bord befindet sich eine Präsidentensuite, komplett mit Fernseh- und Videosystem und zwei Couchs, die sich zu einem Doppelbett ausziehen lassen. An diesen Privatraum angeschlossen ist ein Umkleideraum mit Dusche.

Die AFO verfügt über zwei Bordküchen, in denen nach den gleichen Maßstäben wie im Weißen Haus 100 Mahlzeiten für Besatzung, Gäste, Stab und die First Family zubereitet werden können. Der größte Konferenzraum auf der AFO, der dem Kabinettsraum des Weißen Hauses ähnelt, beherbergt einen Tisch mit acht Stühlen, Dia- und Filmprojektoren und ausfahrbare Wandlandkarten. Ein Stabszimmer ist für drei Plätze eingerichtet, und kann im Notfall in einen Ärzteraum umgerüstet werden. Ein weiterer Konferenzraum ist für ausländische Ehrengäste gedacht und erlaubt die für wichtige internationale Entscheidungen nötige Privatsphäre. Einige Bereiche der AFO gleichen dennoch einer ganz normalen 747-Passagiermaschine: 34 Sitzplätze stehen für die Sicherheitsbeamten zur Verfügung und ein angrenzender Ruhebereich mit Naßräumen für die Besatzung. Insgesamt gibt es sechs Waschräume an Bord.

Die AFO ist mit der sichersten und modernsten Gegensprech- und Telefonanlage der Welt ausgestattet. Die Kommunikationssysteme können rund um den Globus geschaltet werden, bis zu Space-Shuttle-Astronauten im Weltraum oder der Besatzung eines U-Bootes. Zusätzlich beinhaltet die Bordtechnik ein Kodier- und Dekodiersystem für geheime Nachrichten und zwei getrennte Fax-Leitungen.

Darüber hinaus verfügt die AFO über die besten Sicherheitsvorkehrungen der Welt. Zwei Wochen vor jedem Einsatz wird ein eigenes Team damit beauftragt, die Logistik, inklusive der Koordination von Presse und Militär, zu übernehmen. Das Flugzeug ist gegen EMP (elektromagnetische Strahlung) gesichert, die nach einer Nuklear-Explosion jeden Halbleiter ausfallen lassen kann. Zudem ist es mit den modernsten Abwehrmaßnahmen der US-Luftwaffe ausgerüstet, die es sich im Notfall sogar selbst fliegen lassen. Im Falle eines Luftangriffs schaltet die 747-2 auf Autopilot und fliegt selbstständig Ausweichmanöver. Auch läßt sich die Maschine in der Luft auftanken.

Doch neben allen technischen Details ist das Verblüffendste an der " Air Force One" wohl, dass es nicht eine, sondern zwei Flugzeuge gibt. Die Maschinen 28000 und 29000 stehen jederzeit zum Einsatz bereit?

Technische Daten HERSTELLER:
Boeing Airplane Co.
ANTRIEB:
4 General Electric CF6-80C2B1 Düsentriebwerke
SCHUBKRAFT:
25.515 Kilo pro Triebwerk
LÄNGE:
70,7 Meter
HÖHE:
19,3 Meter
FLÜGELSPANNWEITE:
59,6 Meter
GESCHWINDIGKEIT:
1.128 Kmh (Mach 0.95)
MAX. FLUGHÖHE: 13.666,67 Meter
MAX. GEWICHT:
374.850 Kilo
FLUGREICHWEITE:
15.360 Km
BESATZUNG:
26 (insgesamt max. 102 Passagiere)
INBETRIEBNAHME:
Nr. 28000: am 23.8.1990
Nr. 29000: am 23.12.1991

Dirk Jasper FilmLexikon
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