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Der Verleih hat dem Film "Conspiracy Theory" (Verschwörungstheorie) den etwas unglücklichen Titel "Fletchers Visionen" gegeben. Der New Yorker Taxifahrer Jerry Fletcher (Mel Gibson) hat sich auf Verschwörungstheorien spezialisiert. Nicht nur, dass er seine Fahrgäste damit zulabert, er gibt auch eine eigene Zeitung namens "Conspiracy Theorie" raus. Darin werden so gewagte Theorien ausgearbeitet, wie dass UN-Truppen eine Machtübernahme in den USA vorbereiten. Eine seiner anderen Theorien besagt, dass der Präsident bei seinem Auslandsbesuch in Lebensgefahr schwebt, weil man ihm mit einem künstlichen Erdbeben das Lebenslicht auspusten möchte. Hinzukommt, dass Jerry sich auch ansonsten nicht ganz normal verhält. So kann es ihm passieren, dass er durch blinkende Lichter in eine Art von Trance versetzt wird und sich dann minutenlang an nichts erinnern kann. Außerdem quälen ihn Erinnerungsfetzen. Für den Zuschauer wird klar: Fletcher ist wirklich ernsthaft gestört. Mit seinen Theorien behelligt er immer wieder seine heimliche Liebe, die Staatsanwältin Alice Sutton, dargestellt von Julia Roberts. Sie hält ihn zwar auch für einen Irren, nimmt sich aber immerhin die Zeit ihn anzuhören. Eines Tages kommt er bei ihr ins Büro gestürzt weil er angeblich entführt und gefoltert worden sei. Im Krankenhaus bittet Jerry Alice doch die Patientenkarten an den Betten zu vertauschen, weil er Angst hat, dass ein Anschlag auf ihn verübt wird. Und tatsächlich verstirbt der Mitpatient in der Nacht an den Folgen eines Herzanfalls. Gleichzeitig taucht ein mysteriöser Dr. Jonas (Patrick Stewart) im Krankenhaus auf. Es ist der gleiche Mann, von dem Fletcher angeblich gefoltert worden ist. Sollte er mit einer seiner Theorien wirklich ins Schwarze getroffen haben? Wem kann man noch trauen? Woher kommt die Verbindung von Jerry zu Alice? Was will der Bundesagent Lowry? Vor allem zu Beginn orientiert sich die Kamera an die Welt des Jerry Fletcher. Weitwinkeleffekte mit kurzen Brennweiten, lange Flure mit tunnelartiger Atmosphäre und klaustrophobische Räume bewirken eine fremdartige, teilweise verzerrte Perspektive. Alleine schon Jerrys Wohnung wirkt beängstigend. Sie verdeutlicht zugleich, wie sehr Jerry unter seinen Visionen leidet. Mit Mel Gibson wurde auch der richtige Schauspieler für diese Rolle gefunden. Ihm gelingt es, den Wahnsinn und die Verletzlichkeit des Charakters rüber zu bringen. Schon in Lethal Weapon war er ja als liebenswerter "Irrer" zu sehen. Aber auch Patrick Stewart hat mir gut gefallen in der Rolle des stets korrekten, verbindlichen aber doch schmutzigen Dr. Jonas. Nur leider verbinde ich ihn immer noch mit der Rolle des Raumschiffkapitäns Jean Luc Picard. Ich schätze, dass es vielen so gehen wird. Es ist erstaunlich, wie schwer es trotz allem auch für einen wirklich guten Schauspieler wie Stewart ist, sich von so einem Rollenklischee zu lösen. Ähnliches gilt für Julia Roberts, wobei sie aber allerdings auch immer wieder mit ihrem Pretty Woman Gehabe antanzt. Bedauerlicherweise braucht der Film sehr lange, bis er so richtig in die Pötte kommt. Aber dann ist er doch recht spannend und es gibt jede Menge - teilweise ungewöhnliche - Verfolgungsjagden. Fazit: Nur weil man paranoid ist, heißt das noch lange nicht, dass sie nicht trotzdem hinter einem her sind!
7 von 10 Paranoikern
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