Gerhard Heeke über Thinner - Der Fluch

Die Romane und Kurzgeschichten des amerikanischen Horrorspezialisten Stephen King erfreuen sich bei den Filmproduzenten großer Beliebtheit. So war es nur eine Frage der Zeit, wann auch die Geschichte "Thinner" (Dünner) den Weg aufs Zelluloid. findet.

"Thinner" handelt von dem extrem übergewichtigen Anwalt Billy Haleck (Robert J. Burke), der gerade für den Mafiagangster Ginelli (Joe Mantegna) einen Prozeß gewonnen hat. Nach der Siegesfeier fährt er im betrunkenen Zustand und zudem auch noch durch seine Frau, die ihn während der Fahrt verführt, abgelenkt nach Hause. Dabei passiert es: Er überfährt eine alte Zigeunerin. Aber in dem kleinen Ort kennt jeder jeden und man hält zusammen - insbesonders gegenüber den verhaßten Zigeunern. Der Sheriff und der Richter kooperieren mit dem Anwalt. Es kommt es noch nicht einmal zu einer näheren Untersuchung. Dies läßt sich der greise Vater des Unfallopfers nicht gefallen. Er verflucht alle drei. Billy gegenüber spricht er den Fluch "Dünner" aus. Und dieser Fluch wirkt besser als jede Diät. Innerhalb von einer Woche verliert er über 60 Kilo. Tendenz steigend. Und das trotzdem er Massen in sich reinstopft. Kein Arzt kann ihm helfen. Haleck versichert sich der Hilfe seines Mafia-Klienten und macht sich auf der Suche nach dem alten Zigeuner, denn nur der kann den Fluch auch wieder aufheben ...

Ein paar kleiner Nebenhandlungen runde die Geschichte noch ab. Aber das Kernproblem bleibt: Kann ich mich auf die morbide Phantasie des Stephen King einlassen? Nehme ich ihm die Geschichte ab?

Sieht man von den Ausnahmeverfilmungen "Stand by me - Das Geheimnis eines Sommers" und "Misery" ab, kann ich eigentlich alle King Verfilmungen nur seinen Fans empfehlen.

Aber auch für die Fans teilen sich die Verfilmungen in zwei Klassen: Die guten, die sich einigermaßen an die Vorlage halten, und wo die Schauspieler zumindest noch einigermaßen agieren können und die anderen mit den drittklassigen Drehbüchern und Schauspielern.

"Thinner" gehört zu der ersten Kategorie. Denn die Schauspieler sind gut. Allen voran Robert J Burke. Er hatte wohl den schwersten Part. Zu Beginn soll er über 150 Kilo Lebendgewicht darstellen und zum Schluß so um die 50 Kilo. Während sich der Körperumfang noch recht leicht aufblähen läßt, ist das Gesicht schon problematischer. Vor allem sein eingefallenes Gesicht zum Schluß läßt sich nur sehr bedingt schminken. Da mußte Mr. Burke schon selber etliche Kilos abspecken.

Den zugrundeliegende Geschichte habe ich selber nicht gelesen. Aber nach der Aussage eines Freundes hält sich die Verfilmung sehr dicht an der Vorlage.

Von Anfang an ist der Film atmosphärisch sehr dicht. Man spürt förmlich die Bedrohung, die über den Ort und die Personen kommen wird. Die Spannung hält sich recht gut über den gesammten Film.

Für die Maske zeichnet der zweimalige Academy Award Gewinner Greg Cannon verantwortlich. Dementsprechend gut sind die Masken auch gelungen. Aber für einen weiteren Oscar dürfte es allerdings nicht reichen.

Die Musik paßt sich der bedrohlichen Stimmung des Films gut an. Auch die Kameraführung geht auf die unterschiedlichen Situationen gut ein. Zu Beginn ist alles irgendwie freundlich, warm. Zum Ende hin kalt und bedrohlich. Dies spiegelt sich in den Bildern und der Kameraführung wieder.

Fazit: Eine gruselige Geschichte, die allerdings qualitativ an "Misery" nicht heranreicht. Eher was für Fans.

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Dirk Jasper FilmLexikon
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