Gerhard Heeke über Hercules

Für den 35. abendfüllenden Zeichentrickfilm haben die Disney Werkstätten den Mythologiefundus des Altertums geplündert. Der Superheld der Griechen, Herakles, kommt unter seiner römischen Bezeichnung Hercules in die Kinos. Mit einem Reigen bunter Bilder wird der Fall des Göttersohnes und sein neuer Aufstieg nachgezeichnet. Die griechischen Musen erzählen im Stile eines Gospelsongs die Geschichte. Herc - so sein Spitzname im Film - wächst natürlich auf dem Olymp auf. Dieser wird in der Disney Version allerdings in recht kitschigen gold und rosa Tönen gemalt. Hades, der mißgünstige Herr der Unterwelt, schmiedet ein Komplott gegen Zeus und dessen Sohn Herkules. Seine zwei Gehilfen Pech und Schwefel entführen Hercules als Baby und machen ihn sterblich. Der Plan ihn dann sogleich zu ermorden gelingt nicht mehr. Aber seine übermenschliche Kraft bleibt dem Jungen erhalten. Und die wird er auch noch bitter nötig haben in seinem Kampf gegen das Böse der Welt.

Zeichentricktechnisch gesehen ist der neue Disney wieder perfekt. Die Figuren sind liebevoll gezeichnet. Die Computereffekte nicht zu zahlreich und bis auf ein - zwei Stellen auch nicht besonders auffällig. Beim Kampf Hercules gegen die Hydra sieht man der Hydra freilich die Herkunft aus dem Computer nur allzu genau an. Allerdings konnte so der Kampf gegen das Ungeheuer auch ungemein spannend inszeniert werden.

Die Charaktere kommen einem teilweise recht bekannt vor. Und wie auch schon in den letzten Filmen, üben die Bösewichter - hier allen voran Hades - eine besondere Faszination aus. Vielleicht liegt es daran, dass diese Charaktere nicht so aalglatt edel und gut sind. Es kann aber auch sein, dass mir die deutsche Synchronstimme des Hades besonders gut gefallen hat. Der Synchronsprecher Arne Elsholtz hat seine markante Stimme dem Herrn der Unterwelt geliehen. Wenn sie meinen die Stimme doch schonmal irgendwo gehört zu haben, so irren Sie sich nicht. Elsholtz ist auch die deutsche Stimme von Jeff Goldblum, Tom Hanks, Eric Idle, Kevin Kline und Bill Murray.

Aber auch die anderen Sprecher wurden sorgfältig für den deutschen Markt ausgesucht. Til Schweiger ist in der Hauptrolle als (erwachsener) Hercules zu hören. Jasmin Tabatabai, bekannt aus dem Film Bandits, spricht die Figur Meg. Meg ist die Kurzform für Megara, Hercules einzige Liebe und zugleich seine ärgste Feindin.

In jedem Disneyfilm gibt es sowohl auf der Seite der Guten als auch der Bösen Randfiguren, die für die Comedy vor allem immer dann zuständig sind, wenn die jeweilige Hauptfigur gerade mal nicht zum Scherzen aufgelegt ist. Diesmal sind es Pech & Schwefel (gesprochen von Stefan Jürgens und Mirco Nontschew), zwei Schussel aus der Unterwelt und das fliegende Pferd Pegasus, das zwar groß ist wie ein Pferd, aber das Hirn eines Spatzen hat.

Die guten und schlechten Seiten des Films halten sich einigermaßen die Waage. Mit einer Portion Humor, der teilweise den ganzen Merchandising- und Marketingrummel auf die Schippe nimmt, versucht man die Verschleißerscheinungen zu überdecken. Vielleicht ist jährlich ein neuer Disney doch zuviel? Mir kam jedenfalls einiges sehr bekannt vor und so ganz mitreißend war die Story auch nicht.

Aber dennoch gibt der Film eine schöne Unterhaltung für alle ab. Für die Kinder Hercules und seine Abenteuer, für die frisch Verliebten, das Techtelmechtel zwischen Herc und Meg und für Papa und Mama die Sprüche und darin versteckten Anspielungen.

7 von 10 Götterspeisen

Dirk Jasper FilmLexikon
© © 1999 Next Step Mediendienste GmbH