Ernst Corinth über Alien 4 - Die Wiedergeburt

dass Genforscher nicht nur Kartoffelkäfer resistente Erdäpfel oder gigantische Zuckerrüben mit Karamelgeschmack herstellen, sondern auch Lebewesen klonen können, ist bekannt. dass sie aber aus ein paar Blutstropfen eines völlig verbrannten Menschen ein hübsches und starkes Wesen wie Ellen Ripley alias Sigourney Weaver schaffen können, überrascht dann doch ein wenig. Aber in Hollywood ist schließlich alles möglich - besonders wenn's um die Fortsetzung der populären Alien-Reihe geht, die ohne Weaver nun wahrlich nicht mehr vorstellbar ist.

Dennoch ein bißchen herumexperimentiert haben die Forscher in Jean-Pierre Jeunets Film schon. Dabei sind sieben recht mißlungene Prototypen nötig gewesen, um die finale Wiedergeburt Ripleys auf die Reihe zu bekommen. Nun, 200 Jahre nach ihrem Flammentod in ,,Alien 3'', liegt sie also in einer hypermodernen Operationszelle eines völlig schrottig aussehenden Raumkreuzers. Die Herren Operateure fummeln medizinisch an ihr herum und holen aus ihrem Brustkorb ein Alien, das sich alsbald als Königin dieses außerirdischen Stammes der herumsabbernden und beißwütigen Eidechsenmutanten entpuppt.

O Schreck, denkt der Alienkenner sofort, jetzt muß die tolle Ripley gleich ins Gras beißen. Doch weit gefehlt: Aus irgendeiner Schnapslaune heraus lassen die Genforscher ihren überflüssigen Brutkasten auf zwei Frauenbeinen am Leben - und das Spektakel nimmt seinen grausigen Verlauf. Dabei spritzt das Blut in den folgenden 100 Minuten so heftig, dass Freunde von Splatter-Movies frohlocken, andere sich aber fragen werden, wie es der Verleih geschafft hat, dass dieser Film bereits ab 16 Jahren freigegeben worden ist.

Die Geschichte selbst ist schnell erzählt. Die Genforscher, die mit ihren Alienzüchtungen eigentlich nur (na, was wohl?) dem Wohle der Menschheit (na klar!) dienen wollen, bekommen Besuch von ein paar wilden Piraten, die sie mit eingefrorenen Futter für ihre Schützlinge versorgen. Danach machen sich die ersten Zuchtaliens plötzlich selbständig, fressen fröhlich schmatzend drauflos. Und Ripley, die zwar Alienblut in den Adern, aber immer noch ein echtes Kämpferherz hat, muß sich ganz schön anstrengen, um die Menschheit vor der exterrestrischen Plage zu retten. Unterstützt wird sie von Winona Ryder, die einen Roboter spielt, mit dieser Rolle allerdings nichts anfangen kann und von den rauhen Kollegen Piratendarstellern mächtig an die Wand gedrückt wird.

Keine Unterstützung liefert dagegen das Drehbuch. Aus der Heldin Ripley, die bisher ja stets etwas Geheimnisvolles besaß, wird hier eine recht simpel gestrickte Actionfigur - eine Art Superlady, die unter die Monster fällt und die sie nun der Reihe nach halt Umnieten oder Abfackeln muß. Manche dieser Szenen erinnern dann sogar an B-Movies aus den fünfziger Jahren, als die Ungeheuer noch am Amazonas harmlose Forscher fraßen. Und bei der spektakulärsten Kampfszene, eine Verfolgungsjagd unter Wasser, fragt man sich bloß, wie es die Menschen schaffen, mehr als fünf Minuten ohne Atemholen herumzutauchen.

dass man sich in diesem Film dennoch amüsieren kann, liegt zum einen an den hanebüchen dämlichen Dialogen und zum anderen an Regisseur Jeunets Versuch, das Spektakel mit allerlei hochprozentig Geist- und Anspielungsreichem - direkt aus dem frankophil-feministischen Nachlaß Sigmund Freuds - aufzupeppen. Da gibt's beispielsweise einen echten Vater- und dann sogar einen noch echteren Kindesmord. Männer, lernt man schnell, sind bei der Befruchtungsarbeit völlig überflüssig. Und Mütter sind sowieso die besseren Menschen, vor allem wenn sie Alienblut in den Adern haben: Sabber!

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