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Gründe für den FilmOliver Stone, Regisseur: Diese Art von Film habe ich noch nie gemacht. Das Drehbuch von John Ridley war sehr gut. Es war bezaubernd, eine pure Genregeschichte, die aber auch auf ihren eigenen Beinen stehen konnte. Sie folgt den Gesetzen eines Film noir, aber tatsächlich funktioniert sie eher wie ein Western. Ein Glücksritter kommt in eine kleine, korrupte Stadt und wird zum Spielball in einer Mordgeschichte zwischen Mann und Ehefrau, Jake und Grace McKenna. Und natürlich ist er am Ende ... nun, das Ende verrate ich nicht (und ich hoffe, dass es auch sonst niemand tut).U-Turn gab mir die Möglichkeit, ein 90er-Jahre-Update eines klassischen Genres zu machen, das man gemeinhin mit den 40er Jahren in Verbindung bringt. Ich denke, dass die Figuren eines Film noir in ihrer Essenz nicht unbedingt schäbig, sondern dass sie womöglich auch so verhalten würde, wenn man von den Umständen dazu gezwungen werden würde. Man sieht sich die Figuren an und sagt: "Oh, er ist verzweifelter als ich. Gott sei Dank befinde ich mich nicht in seiner Lage." Die Wahrheit ist, wir alle treffen schlechte Entscheidungen. Im Film noir treiben die Figuren immer in eine Ecke, ein Loch, eine Sackgasse, eine Umleitung, einen U-Turn. Ich Bewundere die Regisseure, die den Film noir in den 40er und 50er Jahren zur Kunstform erhoben: Billy Wilder, Robert Siomak, Nick Ray, Andre De Toth, Robert Wise, Orson Welles, Jacques Tourneut und wie sie alle heißen. Ihre Arbeit verband ökonomischen Stil, scharfsinnige Dialoge und eine innovative visuelle Sprache. Für mich ist es sehr deprimierend anzusehen, wie teuer Filme heutzutage geworden sind und wie unglaublich endlos man an ihnen arbeiten muß. Dafür gibt es keinen vernünftigen Grund. U-Turn war, zumindest zum Teil, ein Experiment für mich, mit dem ich mir beweisen wollte, dass man einen Film immer noch in einer weniger aufgeblasenen Art und Weise machen kann. Clayton Townsend, Produzent: Die Anweisungen an Oliver waren deutlich: Überzieh das Budget auf keinen Fall! Die schwerste Herausforderung für mich war es also, all die üblichen Verdächtigungen, mit denen wir schon an so vielen Filmen gearbeitet haben, davon zu überzeugen, dass es keine Möglichkeit geben würde, das Budget in einer irgendeiner Form zu strecken. Tatsache ist, dass fast all unser Equipment auf dem absoluten Stand der Dinge war, wir die Dollars aber dahin stecken wollten, wo sie am dringendsten benötigt wurden. Alle gingen mit großem Teamgeist an die Sache. Wir drehten den Film in ganzen 42 Tagen ab und waren in der Lage, das Projekt mit einem Budget von 20 Millionen Dollar fertigzustellen. Dan Halsted, Produzent: Weil man Oliver viel Aufmerksamkeit als öffentliche und politische Figur schenkt, vergißt man schon einmal, dass er auch einer der ganz großen Filmemacher unserer Zeit ist. U-Turn gibt ihm die Gelegenheit, sich wieder den Grundlagen des Filmemachens zuzuwenden, und das mit einer Geschichte, die über eine unglaubliche Balance aus Komödie und Bösartigkeit verfügt.
Über die BesetzungOliver Stone: Ich hatte das große Glück, eine bis in die kleinste Nebenrolle starke Besetzung versammeln zu können. Sean Penn ist einer der unberechenbarsten Schauspieler, die es gibt, weil er das Pferd sozusagen immer von hinten aufzäumt. Das finde ich seht interessant. Nick Nolte ist ein Veteran, der alles, was er zu bieten hat, in einen Film steckt und jedes Instrument immer bis zum Anschlag spielt. Wenn er Oper singen würde, dann wäre er ein Superstar-Bariton. Jennifer Lopez verfügt über eine sehr frische Präsenz. Ich hatte sie in "Money Train" (1995) gesehen und fand, dass sie schon damals unheimlich viel darauf hatte, bevor sie mit "Selena" (1997) ihren Durchbruch schaffte. Weil man noch nicht genau weiß, wer sie ist, kann man sie auch noch nicht richtig einschätzen.Als ich Claire Danes traf, kannte ich "William Shakespeare's Romeo & Juliet" (Shakespeares Romeo & Julia, 1996) noch nicht. Sie kam ins Büro hereinspaziert und las ihren Part instinktiv und makellos. Das gleich gilt für Joaquin Phoenix. Seine Rolle in U-Turn hat nichts im geringsten mit seiner Darstellung in "To Die For" (1995) zu tun. Ich bin seit "Midnight Cowboy" (Asphalt Cowboy, 1996) von Jon Voights schauspielerischen Fähigkeiten angetan. Auf der Leinwand ist er immer erfindungsreich und niemals langweilig. Das gleich Glück hatten wir mit Billy Bob Thornton, dem man als Charakter-Darsteller schon viel Respekt entgegenbrachte, bevor er mit "Sling Blade" (Sling Blade - Auf des Messers Schneide, 1996) als Schauspieler, Regisseur und Autor reüssierte. Ich fand den Film sehr gut, als er mir eine frühe Fassung davon auf Video vorführte, und seine Darstellung war authentisch. Außerdem ging er mit den richtigen Ideen an seine Rolle eines Redneck-Mechanikers in U-Turn heran. Ich liebe es, wenn Schauspieler dem Material überraschende Seiten Abgewinnen und ihm eine ganz neue Richtung geben, die man sich nie hätte träumen lassen. Ein Schauspieler wird dann so etwas wie ein Tanzpartner, nimmt das, was man mein, und verwebt es, bis etwas Neues erblüht. Ich finde, das ist Magie.
Einige der besten Schauspieler der Welt gaben unter Regie von Oliver Stone ihre besten Leistungen, z. B. James Woods in "Salvador" (1986), Charlie Sheen, Tom Berenger und Willem Dafoe in "Platoon (1986), Michael Douglas mit einer Oscar-prämierten Darstellung in "Wall Street" (1987), Tom Cruise mit seiner Oscar-nominierten Rolle in "Born on the Fourth of July" (Geboren am 4. July, 1989), Val Kilmer in "The Doors" (1991), Kevin Costner, Tommy Lee Jones, Donald Sutherland, Devin Bacon und Joe Pesci in "JFK" (JFK - Tatort Dallas, 1991), Jones und Joan Chen in "Heaven and Earth" (Zwischen Himmel und Erde,1993), Woody Harrelson, Juliette Lewis, Robert Downey Jr. und noch einmal Jones in "Natural Born Killers (1994), Anthony Hopkins, Joan Allen und fast alle anderen Darsteller in "Nixon" (1995).
Trotz des eng gesteckten Zeitplans und der niedrigen Gagen, die man für U-Turn bieten konnte, wurde ein Spitzenensemble versammelt. An einem Heißen Tag in Arizona waren beispielsweise drei der gegenwärtig angesagtesten Schauspielerinnen am Set: Jennifer Lopez, Claire Danes und, in einem kurzen Cameoauftritt, Liv Tyler, die eigentlich nurIhren Freund Joaquin Phoenix besuchen wollte. Über die Film-ThemenOliver Stone: Ich wollte Spaß haben, mich entspannen und mich nicht enorm unter Druck setzen. Die Ironie an dem ganzen war freilich, dass das, was als bescheiden teurer Film begann (und auch blieb), uns genauso viel Streß und Energie abverlangte wie die großen Produktionen. Aufgrund meiner weitaus politischeren Filme verspürte ich einen Wahnsinnsdruck, weil ich hier einen Film machen wollte, der nach seinen Meriten als Film bewertet werden sollte und nicht nach etwaigen sozialen oder politischen Botschaften, die man ihm womöglich gerne aufs Auge drücken würde.U-Turn ist einer dieser Skorpione-in-einem-Eimer-Film, in denen sich die Figuren selbst zerfleischen, während sie versuchen aus dem Eimer zu klettern. So gesehen ist die Geschichte ähnlich wie "Scarface" (1983) und "Natural Born Killers" (1994), weil sie sich mit extremen Verhalten auseinandersetzt - und das hat mich schon immer fasziniert. Jeder von uns hat eine animalische Seite, auch wenn das die meisten abstreiten. Es ist immer spannend, wenn sich Figuren ihrem innersten Selbst stellen und auf ihre negativen Bedürfnisse reagieren. Das soll nicht heißen, dass das unser einziges Verhalten ist. Wir haben Intellekt, wir haben Kultur, wir haben ein höheres Wertesystem. Aber es besteht ein stetiger Konflikt zwischen unserem helleren und unserem dunkleren Selbst. Jon Voight, der 'blinde Mann': Ich liebe die Szene, in der ich sage, ich hätte gesehen, wie sich ein Skorpion selbst zu Tode sticht. Das ist genau, was diese Figuren tun. Sie setzen ihre eigene Zerstörung in Gang. Richard Rutowski, Koproduzent: Der Film dreht sich um die verschiedenen Abstufungen von Schmerz, Wahnsinn und Angst und die Unfähigkeit zu lieben. Sean Penn, 'Bobby Cooper': Ich würde sagen, in U-Turn geht es darum, wie weit Menschen Gehen können, wenn sie aller ihrer Träume und der Hoffnung auf Veränderung beraubt werden. Es ist noch nicht einmal wichtig, dass man tatsächlich etwas erreicht, weil ich nicht glaube, dass das vielen von uns gelingt. Wichtig ist aber dass man den Glauben nicht verliert, man könne etwas erreichen. Dieser Glaube wird den Figuren genommen, und genau das macht den Film so lustig und dramatisch. Nick Nolte, 'Jake McKenna': Mir gefiel an der Geschichte von U-Turn, wie sie sich mit ganz elementaren Leidenschaften auseinandersetzt. Das ist es, womit wir in unserem täglichen Leben umgehen müssen und hat nichts mit der Rolle zu tun, die wir der Welt vorspielen. Unter der Oberfläche sind wir wirklich nur ein Bündel der Angst, Angst vor dem Unbekannten, vor unserer eigenen, ganz biologischen Sexualität. Wer weiß, vielleicht bedeuten Beziehungen auf einer rein biologischen Ebene tatsächlich nichts. Nur das Überleben der Spezies ist wichtig. Sund hinter unserer angestrengten Fassade tobt in Wahrheit das Chaos. Wir sind nicht so fortgeschritten, wie wir glauben. Unser Gehirn ist wunderbar, wenn es um technologische Belange geht, aber psychologisch gesehen, ist es nutzlos, weil wir uns unsere Wünsche und Passionen nicht eingestehen. Es ist grotesk, dass wir uns von der animalischen Welt abnabeln. Wir sind Tiere, und das tragen wir auch tief in uns drin. Die Transformation des Bewußtseins ist nicht seht ausgeprägt. So lange wir noch übereinander steigen müssen, um zu überleben, gibt es keine Transformation. Aber die Dunkelheit kann das Licht nicht beseitigen. Sie wird nur ein Teil davon. Wenn überhaupt, dann kann sich das Licht selbst beseitigen, indem es die Dunkelheit Akzeptiert. Davor braucht man keine Angst zu haben. Jennifer Lopez, 'Grace McKenna': Oliver hat einmal gesagt, dass man manchmal die Menschen zerstört, die man am meisten liebt. Genau das passiert in U-Turn, in dem erzählt wird, was passiert, wenn Liebe, Leidenschaft, Haß und Zorn in ihrem reinsten Zustand aufeinanderprallen und wie man dann zu Extremen getrieben und möglicherweise zum Mörder wird. Oliver hat das Talent, Situationen, die in den Händen anderer Regisseure grotesk oder morbide geraten würde, fast humorvoll erscheinen zu lassen. Das ist sein Stil als Filmemacher, und das macht ihn so talentiert und brillant. Powers Boothe, 'Sheriff Potter': Der Film befaßt sich mit den Besten und schlechtesten Seiten der Menschheit. Er berührt diese Elemente im Inneren von uns allen, über die man nicht unbedingt Gedanken verlieren will. Billy Bob Thornton, 'Darrell': Ich will nicht zuviel verraten: Oliver nahm eine saubere, braune Papiertüte und hat sie ordentlich zerknüllt. Er hat dunklen Humor und verzweifelte Dramatik genau ausbalanciert.
Superior, der DrehortSpätestens seit Moses 40 Jahre durch Ödland wandern mußte, um das gelobte Land Kanaan zu finden, dient die Wüste als dankbares Symbol, nicht nur in der Bibel. Diese Landschaft, scheinbar ausgestorben, aber bei näherem Hinsehen voller ursprünglichem Leben, hat Oliver Stone schon immer fasziniert und taucht in seinen Filmen, u. a. in "Born on the Fourth of July" (Geboren am 4. July, 1989), The Doors"(1991) und "Natural Born Killers" (1994), häufig auf. ganz den Traditionen entsprechend, müssen seine Figuren in der Wüste einzigartige Aufgaben bestehen, um sie dann, in welcher Form auch immer, auf ewig verändert wieder zu verlassen.Wenn Bobby Cooper in U-Turn nach Superior kommt, stolpert er Hals über Kopf in ein verfallenes Brigadoon, ein geistesgestörtes Oz, ein Land, das von der Zeit vergessen wurde und dennoch pulsiert mit bizarrem Humor, schrägen Typen, surrealen Umständen und einem ordentlichen Quantum an Gefahr. Stone und sein Team stießen bei ihrer Suche nach einem geeigneten Drehort für den Film auf diese halbverlassene Minenstadt mit 3.485 Einwohnern, die sich auf dem Expressweg in die Vergessenheit befindet, aber prächtig in einer der Atemberaubendsten Gegenden von Arizona angesiedelt ist. Das Städtchen hat eine außerordentliche Geschichte, die teilweise in den Interaktionen von Bobby, Jake und Grace reflektiert wird. Oliver Stone: Wir hatte das Glück, in der Vergangenheit an so aufregenden Orten wie Thailand, Vietnam, den Philippinen, Mexiko, New York City, Dallas und Chicago filmen zu können. Aber in letzter Zeit kehre ich immer wieder gerne in den amerikanischen Südwesten, New Mexiko und Arizona, zurück. Ich liebe dieses Land, die Wüste, die Sonne. Die Wüste strahlt eine Freiheit aus, die mir gut gefällt. Wir fanden diese hübsche kleine Stadt Superior 60 Meilen außerhalb von Phoenix. Sie könnte aber genausogut eine Millionen Meilen weg sein. Die Ereignisse in der Geschichte reflektieren die Historie der Stadt in Gewisser Weise, denn vor vielen Jahren war sie ein Minenzentrum. Und die Indianer waren auch hier, denn Superior liegt mitten im Gebiet der Apachen. Man spürt förmlich, dass es in diesen Hügeln gewalttätige Auseinandersetzungen gab. Clayton Townswnd: Die Stadt erhielt ihren Namen von der Superikor Mining Company, die Kupfer ans Tageslicht beförderte. Mittlerweile gibt es kaum mehr Minenarbeit dort. Tatsächlich hat sich in Superior schon seit Jahren nichts mehr getan - bis wir in das Städtchen einfielen. Sean Penn: Superior ist ein extremer Ort, eine Stadt, wie man sie aus "The Last Picture Show" (Die letzte Vorstellung, 1971) kennt. Wenn man sich das stillgelegte Kino an der Hauptstraße mit seinem verfaulten Dach und Taubendreck auf den Sitzen und dem Boden ansah, konnte man sich gut vorstellen, wie sich die Leute in den 40er und 50er Jahren am Samstag abend herausputzten, um sich einen Film anzusehen. dass diese Form von Lebenslust als Teil der Vergangenheit wie ein Schleier über dieser Stadt liegt, hat bei uns allen einen tiefen Eindruck hinterlassen. Nick Nolte: Ich habe einmal in der Nähe von Superior gelebt, also war es für mich wie ein Abstecher nach Hause. Ich liebe den Ort. Die Wüste ist wunderbar. Ja, es ist taff, und es kann gnadenlos sein, aber ich würde sagen dort ist es sicherer als in der Großstadt. Powers Booth: Ich wuchs in einer Stadt mit 10.000 Einwohnern in West Texas auf, aber sie war ganz anders als Superior. Wenn man sich vorstellt, dass Menschen tagein tagaus mit dieser Hitze, dem Wind und dem Staub leben, dann versteht man, dass sie zu extremen Handlungen getrieben werden könnten. Ich könnte unter diesen Umständen jedenfalls nicht leben. Um in der Wüste zu überleben, muß man über ganz spezielle Qualitäten verfügen, egal ob Tier, Pflanze, Mineralie oder Mensch. Claire Danes, 'Jenny': Es war einfach wunderschön in der Wüste. Ich hatte so etwas nie zuvor gesehen. Der Himmel ist dunkelblau, die Sonnenuntergänge sind bemerkenswert, und die Hügel hatten die Farbe von Pfirsichen. Ich fand die Landschaft nicht im geringsten bedrückend, sondern sehr befreiend. In der Mitte der Wüste ist man von so viel Raum umgeben, dass man das geradezu als spirituelle Erfahrung empfinden muß, weil man sich wie der letzte Mensch auf der Welt fühlt. Man kommt sich vor wie in einem dieser Panoramas im Museum of Natural History. Billy Bob Thornton: Ich bin im Süden groß geworden, wo die Kleinstädte ein richtiges Eigenleben führen. Das trifft auch auf kleine Wüstenstädte zu. Nichts auf der Welt jagt mir mehr Angst ein als kleine Wüstenstädte. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Menschen dort freiwillig leben wollen. Chris Zapata, Stadtdirektor von Superior: U-Turn ist nicht der erste Film, der hier gedreht wurde. 1962 filmte man Teile von "How the West Was Won"(Das war der wilde Western) hier. Damals fiel aber nie der Stadtname, also ist das ein großes Ereignis für uns. Im Originaldrehbuch hieß die Stadt noch Sierra. Aber wir haben uns so darüber gefreut, dass bei uns ein Film gemacht werden sollte. Also schrieb unser Bürgermeister Manny Ruice einen Brief an Oliver Stone und bat ihn, er möge doch bitte den Richtigen Stadtnamen benutzen. Unsere Gemeinschaft hat eine Atmosphäre, die man nicht künstlich herstellen kann. Sie entstand aus der Kombination der Minenkultur mit der Kultur der Apachen. Superior wurde 1882 gegründet und war Teil der Route zur alten Silver King Mine, die im späten 19. Jahrhundert einer der größten Silberlieferanten war. Alls das Silber erschöpft war, wandte man sich der Gewinnung von Kupfer zu. Superior spielt also eine Rolle in der Geschichte des Wilden Westen, der Minenkultur und der Apachen. Selbst heute noch liegt 40 Meilen von hier das San-Carlos-Apache-Reservat. Jeff Flach, Location Manager: Die Stadt gab uns völlig freie Hand. Sie erlaubte uns, die Hauptstraße nach Belieben abzusperren und den Asphalt mit Dreck zu verdecken, wann immer wir dort drehen mußten. Wir hatten all unsere Büros in der Straße, das Art Department, unsere Bau- und Kostümabteilung, die Maler. Da ein Gebäude, in dem es einst ein chinesisches Restaurant gab, Wing´s, das wir wieder er öffneten und uns als Kantine für die gesamte Crew diente. Und unser Produktionsbüro richteten wir in einem leeren Gebäude ein, das bis zu den 60er Jahren als Bordell diente. Gloria Palacios, Bürgerin von Superior: Ich lebe hier seit 51 Jahren. Wir haben eine nette, freundliche Gemeinschaft. Uns gefällt es, dass hier ein Film gedreht wird, denn dadurch sind wir unseren Nachbarn und freunden noch näher gekommen Es war ein großes Gemeinschaftserlebnis. Ich bin sicher, dass wir uns künftig über ausreichend Tourismus freuen können, nachdem der Film in den Kinos gezeigt wurde. Sharon Deffenbach, Bürgerin von Superior: Die Menschen in Superior sind sehr freundlich. Das bestätigen uns Leute von außerhalb immer wieder. Sean Penn: Wenn man wirklich einmal allem entkommen will, dann ist Superior sicherlich der richtige Ort dafür. Ablauf der ProduktionGeschwindigkeit war beim Dreh in Superior von essentieller Bedeutung für Oliver Stone und sein Team, aber das wäre auch der Fall gewesen, wenn Budget und Drehzeit nicht von vornherein begrenzt gewesen wären. Oliver Stone ist bekannt dafür, der sich beim Filmen wenig Zeit läßt. Ein Gefühl der Dringlichkeit war von jeher ein wichtiges Merkmal aller Filme des Regisseurs, seines langjährigen Kameramannes Robert Richardson und seines Produzenten Clayton Townsend, die Anführer eines Teams, dessen Produktionen selten 60 Drehtage überschreiten. Selbst Nixon (1995), dessen Drehbuch fast 200 Seiten umfaßte, wurde in gerade einmal 64 Tagen abgedreht, der dreistündige JFK (JFK - Tatort Dallas, 1991) brachte es auf 72 Tage.Die flinke Arbeitstechnik von Stone und Richardson hat nicht nur mit Guerilla-Filmemachen zu tun. Sie ist in der Überzeugung begründet, Frischheit und Spotanität könne man nur erzielen, wenn man sich absolut hundertprozentig in einen Dreh kniet. Auch die Kreativität wird so gefördert. Obwohl Stone sehr intensiv mit seinen Schauspielern probt, kann am Set buchstäblich alles passieren. Oliver Stone: Viele Regisseure lassen durchblicken, dass sie meistens genau wissen, was sie tun. Bei mir ist das anders. Tatsächlich versuche ich bei 30 Prozent des Drehs alles, um herauszufinden, was ich gerade mache. Aber das ist es, was Spaß macht. Das ist der Ablauf. Mir erscheint es statisch und langweilig, wenn ich schon vor dem Dreh eines Filmes wüßte, wie er aussehen und welche Atmosphäre er haben wird. Womöglich ist das der sicherste und klügste Weg, einen Film zu machen, und vielleicht werde ich das beim nächsten Mal auch ausprobieren. Aber mir gefällt es, im Dunklen herumzutasten. Natürlich bereite ich mich sorgfältig vor. Ich habe eine Liste, die mir sagt, welche Szenen ich wann drehen werde. Aber wenn ich dann am Set stehe und mich - aufgrund der Proben, meines Instinkts oder wegen des Drehorts oder des Lichts - entscheide, den Plan über den Haufen zu werfen, dann ist das auch in Ordnung. Probieren wir es halt einmal mit etwas Neuem. Das ist manchmal auch beängstigend. Ich habe mir sagen lassen, dass viele Regisseure nur ungern proben lassen. Vielleicht wissen sie ja etwas, das ich nicht weiß. Vielleicht liegt eine gewisse Magie darin, etwas zum ersten Mal zu entdecken. Ich fühle mich wohler, wenn ich mich mit den Schauspielern schon einmal durch die Szene getastet habe Dann weiß man, was man vor sich hat, wenn es an den Dreh geht. Aber es muß nicht bei den Probenergebnissen bleiben, weil man vor Ort wieder ganz neu inspiriert wird. Bei den Proben steckt man das Feld ab. Wenn die Kameras dann laufen, hat man die Freiheit, andere Dinge auszuprobieren. Nick Nolte: Das war vermutlich das erste Mal, dass ich beim Dreh keine Vorstellung hatte, wie ein Film, in dem ich mitspiele, aussehen wird. Aber bei diesem Duo Stone und Richardson kann man beim besten Willen nicht sagen, wie sie es machen werden, sowohl beim Dreh als auch beim Schnitt. Am Set weiß man oft nicht einmal, ob die Kamera läuft oder nicht. Als Schauspieler ist man manchmal vielleicht nicht im Blickfeld der Kamera, aber man ist immer mitten drin in einer Szene. Oliver mag es, den Rhythmus zu etablieren und dann den Film die Kontrolle über alles übernehmen zu lassen. Sean Penn: Oliver ist ganz offen, wenn er einen Film angeht. Und er ist so erfindungsreich beim Schnitt, dass während des Drehs oft nicht einmal er eine Ahnung davon hat, was passieren wird, wenn er an den Schneidetisch geht. Als Autor weiß er, dass ein Film dreimal geschrieben wird: es gibt das Drehbuch, den Dreh und die Energie wird neu definiert. Oliver ist sehr abstrakt, wenn er filmt. Wenn er und Robert Richardson etwas sehen, was ihnen gefällt, dann halten sie es fest . Ihre Geschwindigkeit ergibt sich aus ihrer Art, einen Film zu machen. Bei U-Turn war das ein sehr organischer Vorgang. Jennifer Lopez: U-Turn war ein Projekt, das beim Dreh wuchs und sich immer wieder änderte. Oliver und Bob sind smart, weil sie immer wieder Aufnahmen zwischen zwei Takes machen, wenn man gerade etwas komisches oder verrücktes macht. Etws, was man eigentlich nie tun würde, wenn die Kamera läuft. Das ist einer der Gründe, warum sie so ein blendendes Team sind. Powers Boothe: Ich habe meine Lektionen gelernt, als ich bei Nixon (1995) Alexander Haig spielte. So etwas wie Off-Camera gibt es nicht. Man weiß nie, wann Robert Rrichardson einen ins Visier nimmt. Wenn man eine Szene spielt, ist es nicht wichtig, ob man im Blickfeld der Kamera ist oder nicht. Man muß mit den anderen Schauspielern und dem Moment in Kontakt bleiben. Wenn man nicht weiß, wann man gefilmt wird, muß man immer mitspielen. Wenn man das akzeptiert, dann wird das Spiel viel freier. Als Nick Nolte und ich den Film zum ersten Mal sahen, witzelten wir, dass wir wohl gewußt hätten, was für einen Film wir drehen, aber nicht, was für einen Film Oliver macht. Er erzählt Geschichten, indem er alles, was wir gemacht haben, mit einem weiteren Schritt vergrößert, der das Ganze speziell und lebendig macht. Jon Voight: Ich konnte Oliver Stone beim Drehen genau zusehen, er geht ungemein innovativ mit dem Medium Film um. Das gelingt ihm in der Zusammenarbeit mit anderen Leuten in seinem Team, allen voran Bob Richardson, der ein brillanter Kameramann ist: Die Energie der beiden war absolut ansteckend. Oliver experimentiert, geht neue Wege. Bob ist immer aufmerksam, studiert die Schauspieler, sieht sie an, wie er es mit einer Kamera tun würde. Er sieht nut die Figuren, das Licht, die Geschichte. Claire Danes: Oliver ist immer geradeheraus und gibt klare Anweisungen. Alle am Set sind hochkonzentriert. Es verlangt seinen Schauspielern das Allerletzte ab. Ich war sehr angetan von dem hohen Maß an Konzentration. Billy Bob Thornton: Als ich das Drehbuch zum ersten Mal las, dachte ich mir, wow, das ist nicht die Art von Film, die man von Oliver Stone erwarten würde. Es war die Geschichte für einen sehr geradlinigen Film noir. Da war mir noch nicht klar, wie anders er dann tatsächlich werden würde. Das finde ich toll. Anders gesagt: Der fertige Film gefällt mir besser als das erste Drehbuch, und das will einiges heißen, denn ich war begeistert von dem Skript. Als Schauspieler war es eine große Freude für mich, mit Oliver arbeiten zu können. Mir gefiel, dass er einen immer antrieb und dich dazu brachte, das zu tun, von dem er wußte, dass es in dir steckt. Er ist einer der wenigen Regisseure, die wirklich einen Unterschied machen. Bo Hopkins, "Ed": Ich habe bei drei Filmen von Sam Peckinpah mitgespielt, und Oliver ist der erste Regisseur seither, der genau weiß, was er tut . Wie Sam ist er dem Team stets einen Schritt voraus. Jede Figur ist ihm gleich wichtig, egal wie entscheidend sie für die Handlung ist . Er gibt den Schauspielern Freiheit, wenn sie sie brauchen, und hält gute Vorschläge parat. Ihm sind die Leistungen seiner Darsteller wichtig. Für einen Schauspieler gibt es nichts besseres auf der Welt.
DesignU-Turn markiert die elfte Zusammenarbeit von Oliver Stone mit Kameramann Robert Richardson, die achte mit Produzent Clayton Towsend und die vierte mit dem Ausstatter Victor Kempster. Weitere Teammitglieder, u. a. die Cutter Hak Corwin, Brian Berdan und Thomas Nordberg, sind ebenfalls Wiederholungstäter. dazu gesellen sich Stone-Neuling wie die Kostümdesignerin Aruna Pasztor und Komponist Ennio Morricone.Wie in nahezu allen ihren Filmen beschränkten sich Stone und Richardson nicht nur auf ein filmisches Format und experimentierten mit Farbpaletten und verschiedenem Filmmaterial. Eines der bemerkenswertesten Resultate ihrer Versuche in U-Turn war die Verwendung von sogenanntem "reversen Filmstock", der bei allen Außenaufnahmen und einigen Innenaufnahmen zum Einsatz kam. Dabei handelt es sich um einen Film, der aufgrund seiner niedrigen Kosten vor Jahren vor allem vom Militär bei der Herstellung von Dokumentationen benutzt wurde. Stone und Rlichardson entdeckten, dass reversen Gilmstock Garben und Kontrasten eine surrealistische Qualität verleiht. So erzielten sie problemlos, was sie sonst nur in langen Nächten des Experimentierens im Fotolabor erreicht hätte. Unterstützt bei ihren Bemühungen mit der Kamera wurden Stone und Richardson vor allem von Victor Kempsters Produktionsdesign. In nur acht Wochen gelang es ihm, das Aussehen der gesamten Stadt zu verändern. Die Stadtbewohner waren angetan davon, in Ihren Straßen mit einem Mal wieder florierende Geschäfte, ein atmosphärisches Kleinstadt-Café, komplett mit Wüstenfresko, das Magna Hotel, Jake McKennas Büro, Karens Supermarkt und Magna Motors zu entdecken. Victor Kempster, Produktionsdesigner: Nachdem wir uns auf Superior festgelegt hatten, entschieden wir uns für einen Look, als wäre die Zeit stehengeblieben, obwohl der Film in der heutigen Zeit Spielt. Unsere ursprüngliche Idee war es, dass Bobby Cooper mit seinem Roten Auto und seinen auffälligen Klamotten das einzig farbintensive Element in der Stadt sein sollte. Superior sollte wirken wie ein gespenstisches Artefakt aus einer Vergangenen Zeit, das sich langsam in der es umgebenden Berglandschaft aufzulösen scheint. Als wir dann den reverse Filmstock entdeckten, änderten wir unsere Herangehensweise, weil die Farben mit einem Mal ein viel intensiveres, interessanteres und verlockenderes Element darstellten. Also machten wir die Stadt wieder bunt. Wir konnten einfach nicht widerstehen. Manchmal ist das schon faszinierend. Das Rot von Bobby Coopers Auto ist wie Blut. Die Berge im Hintergrund sehen aus, als hätte man sie gemalt. Die Palmen sind so grün, dass sie nicht mehr real aussehen. Wir renovierten alle Gebäude auf der Hauptstraße von Superior und strichen die Häuser mit viel mehr Farbe an, als man das im Rahmen der zu Verfügung stehenden Palette normalerweise tun würde. Wir stellten viele Recherchen an, um herauszufinden, wie die Stadt einst ausgesehen hat, und gaben vielen der seit langem geschlossenen Geschäften ihren ursprünglichen Namen wieder. Das Haus der McKennas ist in Wahrheit ein merkwürdiges und wundervolles Anwesen mit dem Namen "Castle on the Rock", das zehn Minuten von der Stadt entfernt liegt. Es war von einem Kupferbaron in den 20er Jahren errichtet worden. Später wurde es von einer Familie erworben, in deren Besitz es sich noch heute befindet und die Ausflüge organisiert. Meredith Boswell, Innenausstatterin: Für die Innenausstattung von Jakes Haus und Büro stellte ich ausführliche Recherchen über Del Webb an. Er ist der legendäre Gründer von Sun City und Mitgründer des Flamingo Hotels in der Anfangsgeschichte von Las Vegas. Die Del Webb Corporation und die Arizona Historical Society waren mir bei meinen Recherchen außerordentlich behilflich. Die unglaublichen Felsformationen, die das Haus umgeben, paßten hervorragend zu Jakes Charakter. Es scheint fast, als hätte die rauhe Landschaft, die ihn umgibt, sein ganzes Wesen geprägt. Chris Zapata: Es gibt hier viele alte Leute, die die Geschichte jedes einzelnen Hauses kennen und sich liebend gerne daran erinnern, wie lebendig alles früher einmal war, mit all den Geschäften und dem reden treiben auf den Straßen. Das weckt nostalgiche Gefühle, und irgendwie ist es auch ein wenig traurig. Aber jetzt gebt es neue Hoffnung, und davon war vor sechs Monaten noch nichts zu spüren. Mit der Komplettrenovierung und den Finanzen, die die Produktion in die Stadt brachte, geht es wieder bergauf. Cydney Cornell, Haarstylistin: Ich versuche, die Bewohner von Superior nicht zu gepflegt aussehen zu lassen. Wir befanden uns in einer Stadt des Südwestens, in der es immer staubig und windig ist, also zog ich das bei meiner Frisuren in Betracht. Alle Figuren in diesem Film sind so stark, dass ich ihnen mit ihren Frisuren nur zusätzliche Statue verleihen mußte. Und weil sie gleichzeitig auch sehr extrem sind, versuchte ich sie zusätzlich auch noch ein wenig zu karikieren. John Blake, Make-up-Künstler: Wir waren an einem natürlichen Look interessiert, also sieht in U-Turn bestimmt niemand aus, als käme er gerade frisch aus der Maske. Oliver Stone: Ennio Morricone hilft uns enorm. Wenn man bedenkt, für wie viel italienische Western er die Musik geschrieben hat, würde ich sagen, dass er den Film auf eine gewisse Weise besser versteht als ich das tue. Für U-Turn komponierte Ennio einen exotischen Neo-Western-Score, der an seinen früheren opernhaften Stil erinnert und starke Emotionen auslöst. Vor allem das sehr romantische und eindringliche "Grace´s Theme" finde ich hypnotisch. Ich glaube, ich werde es nie vergessen. FazitOliver Stone: In U-Turn befassen wir uns mit all den guten Dingen, die man aus dem Film noir un Thrillern der Vergangenheit kennt: Geld und Sex, Träume, Verrat, Liebe, Lust und Moral. Wie weit geht man, um sich seine Wünsche zu erfüllen? Manche Leute werden sagen, dass ich die Wahrheit hinter dem menschlichen Verhalten aufdecke. Manche Leute werden sagen, es sei pervers zu glauben, dass sich Menschen so benehmen. Entscheiden Sie selbst ...
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