Ernst Corinth über Starship Troopers

Hunde wollt ihr ewig leben, brüllt tatsächlich der wackere Offizier. Und dann geht's wieder mal ins Gefecht. Der Gegner muß schließlich "plattgemacht" oder (wenn sich die Kämpfer in diesem Film vornehm ausdrücken:) "liquidiert" werden. Und wenn die Schlacht geschlagen ist, türmen sich Berge von zerstückelten Leichen auf dem ungastlichen und immer gleichen intergalaktischen Kampfplatz, während man aus dem Off dazu die Stimme eines TV-Reporters hört: "100.000 Tote in einer Stunde. Ein schwarzer Tag in der Geschichte der Menschheit." Und die Zuschauer im Kino darüber herzhaft lachen.

Denn Abschlachten ist halt doch eine heitere und ästhetisch zuweilen sogar aufregende Angelegenheit - zumindest in Paul Verhoevens Film, der am Beispiel einer High-School-Clique vom Endzeitkampf zwischen Mensch und außerirdischem Insekt berichtet. Und obwohl man gut eine Stunde lang auf die dann endlich ausbrechende Schlacht warten muß und in der Zeit diese jungen Damen und Herren, die allesamt aus der charakterfreien TV-Werbung stammen könnten, ein bißchen gelangweilt kennenlernt, hat man mit ihnen - wenn's ans patriotische Sterben geht - genauso wenig Mitleid wie mit ihrem Gegner: einer besonders mörderischen Insektenart, die irgendwo im All lebt und auf unerklärliche und in diesem Spektakel auch nicht erklärte Weise den Menschen der Zukunft das Leben schwer macht.

Und schaut man ganz genau hin, dann fällt auf, dass sich die menschlichen Krieger und die kriegerischen Insekten eigentlich gar nicht so sehr unterscheiden. Beide kämpfen am liebsten in Rudeln, töten, was das Zeug hält, fragen nicht nach dem Warum, und richtig intelligent sind weder Mensch noch Tier. Die Insekten jedoch halten wenigsten ihr Maul und sondern nicht wie ihre Feinde ständig Sätze ab, die aus einer längst untergegangen geglaubten Epoche stammen.

Was uns Paul Verhoeven in "Starship Troopers" (mit viel zu leichten satirischen Untertönen) als Zukunftsvision auftischt, ist also alles andere als rosig, ist eher tiefbraun und erinnert gewaltig an den deutschen Faschismus. Oder anders gesagt: Genauso wie die sauberen Knaben und Mädels sich hier aufführen, wie sie vom Militär schwärmen, von Zucht und Ordnung begeistert sind, hätte sich "der Führer" im Africola-Rausch seine deutsche Jugend vorgestellt. Und auch die vom stramm rechten Autor der Buchvorlage, Robert A. Heinlein, stammende Idee, dass die Menschheit der Zukunft von einer Militärkaste beherrscht wird, hätte gewiß seine Zustimmung gefunden.

Ja, "der Führer" hätte an Paul Verhoevens gigantischer Militärklamotte bestimmt seinen Spaß gehabt. Die Kinozuschauer von heute jedoch finden das alles nur noch umwerfend komisch.

Dirk Jasper FilmLexikon
© 1999 © 1994 - 2010 Dirk Jasper