Gerhard Heeke über Starship Troopers

Szenenfoto "Starship Troopers" von Paul Verhoeven hat bei mir recht widersprüchliche Gefühle hinterlassen. Aber zunächst die Story.

Der Film basiert auf einem - ursprünglich für Jugendliche geschriebenen - Roman von Robert A. Heinlein. Die Menschheit wird durch Aliens in ihrer Existenz bedroht. Die Aliens landen zwar nicht auf der Erde, aber sie bombadieren mit riesigen Meteoren unseren Planeten. Mit ihrer Insektenform sind die Aliens auch nicht sehr sympathisch im Aussehen. Dies zusammengenommen reicht, um einen absoluten Krieg gegen die Aliens auf der anderen Seite der Galaxis zu führen. Auf der Erde herrscht eine Art Militärstaat. Die Bürgerrechte kann man nur erlangen, wenn man auch einen öffentlichen Dienst ableistet. Im Regelfall bedeutet dies die Verpflichtung zum Kriegsdienst. Über geschickte Propaganda werden die jungen Leute für das Militär begeistert. Eine von ihnen ist Carmen Ibanez (Denise Richards). Ihr haben es besonders die schneidigen Uniformen angetan. Ihr Freund Johnny Rico (Casper van Dien) folgt ihr in den Militärdienst. Zumal sein Konkurrent um Carmen, Zander Barcalow (Patrick Muldoon), ebenfalls der Raumflotte beigetreten ist. Der Drill in "Full Metal Weapon" ist ein Zuckerschlecken, gegenüber dem was die jungen Leute bei der mobilen Infanterie erdulden müssen. Die Sanitäter bekommen schon während der Ausbildung jede Menge zu tun. Aber das ist noch nichts gegen die grausamen Kämpfe auf den Schlachtfeldern des entfernten Planeten Klendathu. Die Insektenwesen sind flink und zahlenmäßig weit überlegen ...

Die Story wird als eine Art Propagandafilm verpackt vom Regisseur Paul Verhoeven verpackt. Man sieht die Fernsehspots der Zukunft als Film. Darin wird dann die weitere Handlung verpackt. Diesen Kunstgriff konnte man auch schon bei seinem früheren Werk "Robocop" beobachten. Was mich aber abgestoßen hat, ist die Tatsache, wie in diesem Film mit Menschen und Werten wie Humanität, Toleranz und Menschenrechten umgegangen wird. Verhoeven wandelt immer haarscharf auf der Grenze von Kriegsfilm mit Gewaltverherrlichung und einer Satire.

Ich habe lange überlegt, ob ich wirklich von einem "Antikriegsfilm" bzw. einer Satire auf die Verhältnisse ausgehen soll. Einige meinten auch es sei einfach eine augenzwinkernde Hommage an die Kriegs- und SF-Filme der 50er Jahre.

Ich bin mir auch jetzt noch nicht ganz sicher, aber ich tendiere eher zu einem Kriegsfilm der übleren Sorte. "Starship Troopers" wird bestimmt Beifall bei rechten Scharfmachern und Militaristen finden. Die Verlagerung auf ein Schlachtfeld der Zukunft tut ihr übriges, um eine Identifizierung mit einem Anti-Kriegsfilm zu erschweren. Der Gegner ist einfach das absolut Böse. Die Insekten können nicht leiden. Kein Mensch im Film oder im Kinosaal braucht sich Gedanken über die Richtigkeit dieses Krieges zu machen. Die Notwendigkeit wird schnell akzeptiert und nicht in Frage gestellt. Es ist schon erstaunlich, wie z.Z. die Europäer den bedenkenlosen Hurrapatriotismus in den USA hochhalten. Hinzu kommen die üblichen patriotischen Helden mit ihren ewig gleichen Sprüchen bei den Einsätzen. Obwohl ich eigentlich gegen derartige Filme bin, fand ich es sehr faszinierend, wie ich von der Handlung, der "Action" mitgerissen wurde! Trotz der recht eintönigen Handlung ist der Film spannend und sogar unterhaltend. Dies scheint mir sogar die eigentliche Gefahr zu sein.

Zumal man auf der technischen Seite, dem Film einiges abgewinnen kann. Die Specialeffects ist allererste Oberklasse. Allein über 550 digitale Effekte wurden verwendet, um die Schlacht der Menschen gegen die Käfer zu inszenieren. Die Aliens sind wirken tatsächlich "lebensecht".

Aber so gut die Effekte auch sind, die Story hat mindestens so viele logische Löcher wie ein Schweizer Käse. Die Insekten leben auf einem Felsenplaneten - wovon leben die bloß? Von Luft und Liebe? Obwohl ich kein Militärexperte bin, finde ich es schon erstaunlich, dass die Soldaten mit Maschinengewehren gegen die Aliens kämpfen, obwohl leistungsfähige Granaten zur Verfügung stehen. Die Soldaten wollen sie aber nur selten einsetzen. Effektive Luftunterstützung, Artillerie und Panzer scheinen in der Zukunft unbekannt zu sein. Ebenso scheint das Wissen um den Einsatz von chemischen (Insektenspray) oder thermonuklearen Waffen verloren gegangen zu sein. Wenn man denn schon vom absolut Bösen ausgeht, wäre der Einsatz dieser Waffen ja "gerechtfertigt" (Bedenken s.o.). Das der Geheimdienst dagegen eine SS-Uniform trägt, gehört dann aber wohl eher in die Kategorie geschmacklos. Oder bin ich da vielleicht doch zu empfindlich? Ebenfalls in die Rubrik geschmacklos gehören die zahlreichen Splattereffekte. Wer meint bei "Alien IV" zu wenige gesehen zu haben, kommt eventuell hier auf seine Kosten.

Die Schauspieler sind meist Newcomer. Teilweise konnte man sie in TV-Serien wie Melrose Place oder Beverly Hills 90210 sehen. Aber die Schauspieler sind austauschbar. Die Action und die Effekte stehen bei "Starship Troopers" im Vordergrund.

Fazit: Je nach Sichtweise eine provokante Satire oder einfach ein brutaler Kriegsfilm.

5 von 10 säbelrasselnden Regisseuren

Dirk Jasper FilmLexikon
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