Sebastian Schmidt über Starship Troopers

Szenenbild Paul Verhoeven ist ein Regisseur der Extreme und Skandale. Bereits mit einem seiner ersten Filme, "Türkische Früchte" aus seiner Heimat Holland, fiel er auf. Angesiedelt irgendwo zwischen Pornographie und Lebensweisheit wurde der Film verschrien und gefeiert gleichzeitig. Für Verhoeven und den jungen Rutger Hauer war der Film die große Chance nach Hollywood zu gehen. Seitdem ist Verhoeven immer wieder aus der Menge hervorgetreten, mit "Robocop" (1987) und "Total Recall" (1990) erschuf er Gewaltexzesse, "Basic Instinct"(1992) wurde wegen seiner verwegenen Sexszenen berühmt, mit "Showgirls" (1995) fiel Verhoeven bei Publikum und Kritik in Ungnade, den der Film gilt nicht ganz zu Unrecht als einer der schlechtesten Filme aller Zeiten. Nun ist Verhoeven wieder da, mit einem neuen Skandal und einem neuen großen Film in dem er sich auf seine Wurzeln besonnen hat und beweist, dass er dazu gelernt hat. In seinem Werk "Starship Troopers" entnimmt Verhoeven die knüppelharte Action von "Robocop" und mixt diese mit Zeit- und Zivilisationskritik, wie er es bei "Showgirls" auch versuchte. Während er dort jedoch voll daneben langte gelingt Verhoeven hier eine absolut konsequente und pessimistische Abrechnung mit Patriotismus, Heldentum, verlorenen Träumen und der Grausamkeit des Krieges. Der Skandal dabei ist, dass Verhoeven vorgeworfen wird einen faschistoiden Film gedreht zu haben, weil die Romanvorlage des umstrittenen Autors Robert A.Heinlein (der auch die Vorlage zu "Puppet Masters" (1994) schrieb) faschistoide Tendenzen aufweist. Jedoch karikiert Verhoeven diese Elemente in seinem Film wodurch ihm im Endeffekt die eigentliche Kritik gelingt.

In seinem Film mixt Verhoeven die Genres der Soap-Opera, von Sci-Fi und Kriegsfilm. Beginnen tut die Geschichte an einer High School in Buenos Aires kurz bevor die Schüler ihren Abschluß machen. Die Menschen in der Zukunft werden vom Staat kontrolliert und von einem seltsamen Mächtesystem überwacht. Doch dies hat keiner der Protagonisten bisher erkannt und wird es auch nie erkennen. Vorgestellt wird als erstes Johnny Rico (Casper Van Dien), Sohn reicher Eltern und unheimlich vernarrt in die hübsche Carmen Ibanez (Denise Richards). Und dann ist da noch Dizzy Flores (Dina Meyer), die Johnny schon immer liebt, aber nicht einen Funken Zuneigung von ihm zurückbekommt. Carmen will nach dem Abschluß Pilotin bei der Army werden, während Dizzy viel lieber in den Nahkampf gehen will. Aus Liebe zu Carmen schließt sich Johnny ihnen an, landet bei den kleinen Soldaten und muß während der überaus harten Ausbildungszeit seine eigene Naivität erkennen. Um Carmen zu beeindrucken riskiert er alles, doch dann stirbt durch sein Verschulden einer der Soldaten seiner Kompanie. Geknickt und innerlich zerrüttet will er der Armee den Rücken kehren, zudem sich Carmen entschlossen hat Berufspilotin zu werden und sich mit ihrem Co-Piloten Zander(Patrick Muldoon) eingelassen hat. Doch Johnnys Pläne werden durch einen Meteoriten verhindert, der von den Bugs, einer von einem Millionen von Lichtmeilen entfernten Planeten stammenden Käferrasse, als Rache für die Besiedlung ihres Planeten durch die Menschen, geschickt wurde. Dieser Meteorit zerstört ganz Buenos Aires, die Familien von Johnny, Carmen und Dizzy sterben. Nun hält die drei nichts mehr, sie wollen Rache nehmen an den Käfern und ihnen zeigen wer der Boß ist. Doch ihr Patriotismus soll sich bald ändern, denn die Käfer zeigen sich in diesem Krieg als absolute Übermacht und die Freunde und Kameraden der drei sterben auf blutigste Art auf dem Schlachtfeld der Ehre.

"Starship Troopers" ist der wohl brutalste, dreckigste und konsequenteste Kriegsfilm aller Zeiten. Verhoeven zeigt den Krieg wie er ist: als rücksichtslos, grausam und blutig. Was er hier an Vernichtungsszenen herunterspult läßt jeden Splatterfilm zu einem Kinderfest werden, die Schlachtenszenen erinnern wirklich an ein Geschlachte. Verpackt ist seine Geschichte in die Hülle einer Nachrichtensendung, die provokativ an die Machart der Wochenschauen der Nazis orientiert ist. In den Propagandasendungen wird der Krieg als Schauplatz für Heldentum und Ehrhaftigkeit gezeigt, in dem man endlich beweisen kann, was doch alles in einem steckt. Johnny, Carmen und Dizzy gehen in diesem System völlig auf, werden zu Marionetten die sich gerne mißbrauchen lassen. In einer Szene sagt Johnny deutlich zu einer Vorgesetzten was er denkt: ?Während ihr da oben Befehle erteilt werden wir hier unten abgeschlachtet.? Dies ist das einzige Mal, dass er es wagt, Kritik am System zu üben, danach wird er wieder der nach Käferblut dürstende Naivling der jederzeit sein Leben geben würde. Der einzige der diesen Krieg zu verstehen scheint ist Johnnys Vorgesetzter und ehemaliger Rascak(Verhoeven-Veteran Michael Ironside). Auch wenn seine Parolen "Nimm was du kriegen kannst.", "Wer nicht kämpft wird erschossen." oder "Du weißt was du zu tun hast, wenn die Dinger mich erwischen." sind, so bleibt er doch der einzige denkende Mensch in diesem Alptraum. Am Ende ist der größte Teil der Protagonisten von den Käfern zerstückelt, Millionen von Menschen hat dieser Krieg bisher das Leben gekostet. Die Menschen haben einen ersten großen Sieg errungen, indem sie einen Brain-Bug, einen denkenden Käfer, der die anderen befehligt gefangen und auseinandergenommen haben. In der Wochenschau wird dies schon als Problemlösung gefeiert, die Anwerbungsszenarien für neue Soldaten laufen weiter und Johnny und Carmen erzählen, wie toll es bei der Armee ist. Doch wenn man an die Horden der Käfer denkt, die man im Laufe des Films gesehen hat und an die Tatsache, dass die alten Soldaten alle tot sind und schon kleine Kinder mit in den Krieg geschickt werden (vor der letzten Schlacht sieht Johnny seine neue Truppe, bestehend aus Zehn bis Fünfzehnjährigen und sagt: "Nun sind wir wohl die Alten."), wird doch die Sinnlosigkeit dieses Unterfangens klar, denn die Menschheit hatte vom ersten Tag an eigentlich keine Überlebenschance. Manche Zuschauer erkennen dies und verlassen das Kino mit einem mulmigen Gefühl im Magen und der Gewißheit, dass wir beim Eintreten eines solchen Falles völlig am Ende wären. Andere hingegen erkennen es nicht und gehen mit ihrem eigenen kleinen Gefühl von Patriotismus und Heldentum hinaus, immer noch sicher, dass die Menschheit die überlegene Rasse ist. So funktioniert Verhoevens Film auf der Ebene des Unterhaltungsfilms, in Wirklichkeit ist er aber eine der brillantesten und durchdachtesten Satiren aller Zeiten. Nur gelingt es ihm halt nicht, jedem das begreifbar zu machen, denn nach dem "Showgirls" -Debakel hatte Verhoeven wohl nicht den Mut so konsequent zu sein seine Aussage klar genug zu formulieren. Aber kann man ihm dafür einen Vorwurf machen, der Mann dreht schließlich seine Filme in Hollywood?

Fazit: Brilliante Kriegs-Satire für starke Mägen, die jedoch sehr zum nachdenken anregt.

Dirk Jasper FilmLexikon
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