Gerhard Heeke über Der Schakal

"Der Schakal" ist ein skrupelloser Killer. Ähnlich skrupellos gingen die Drehbuchautoren mit der Vorlage um. Wer hofft, Fred Zinnemanns "The day of the jackal" in einer modernisierten Fassung zu sehen zu bekommen, dürfte heftig enttäuscht werden. Frederick Forsyths Romanvorlage diente allenfalls als Inspiration. Geblieben ist nur die Idee von einem skrupellosen Profikiller, der eine bekannte Persönlichkeit umbringen soll. Die Polizei ist ihm natürlich auf den Fersen.

Wie es z. Z. modern ist, wurde der Start der Geschichte nach Rußland verlegt. Das FBI und die russischen Sicherheitsbehörden arbeiten gemeinsam gegen die Mafia. Bei einer Razzia in einem Nachtclub kommt es zu einer Schießerei. Einer der Ganoven wird erschossen.

Dies ist der Anlaß für den russischen Paten, einen Killer mit der Exekution einer bekannten US-Persönlichkeit zu beauftragen. Er beauftragt den Top Hitman "Schakal" (Bruce Willis). Für 70 Mio US Dollar nimmt dieser den Auftrag an.

Aber die Pläne sickern zur amerikanischen Bundespolizei durch. Der FBI Mann Carter Preston (Sidney Poitier) und seine russische Kollegin Valentina Koslova (Diane Venora) nehmen die Jagd auf. Sie haben das Problem, dass nur wenige, die den Schakal gesehen haben noch leben. Es existieren keinerlei Fotos von dem Mann. Aber in der Gestalt des Ex-Terroristen Declan Mulqueen (Richard Gere) finden sie schließlich doch einen Helfer in ihrem Kampf. Dieser ziert sich zunächst, aber als seine große Liebe, die Ex-Freiheitskämpferin Isabella in die Schußlinie zu geraten droht macht er mit. Derweil rüstet der Terrorist hoch. Eine schnelle Maschinenkanone auf einem computergesteuerten Spezialunterbau ist schon sein. Nun muß er nur noch in die USA kommen ...

Die Story wurde der Zeit angepaßt. Der Killer arbeitet mit computergestützten Waffen und kommuniziert über Internet. Dagegen muten die Methoden der Sicherheitsbehörden schon recht altertümlich an. Dafür arbeiten die Russen und die Amerikaner - politisch korrekt - brav zusammen. Allerdings sind die Bösen dann doch eher bei den Russen zu suchen.

Es gibt einige Technikspielereien für Waffenfreunde, aber das High-Tech Spektakel kann den Zuschauer insgesamt nicht blenden. Dafür ist der Film einfach zu konventionell geraten. Die Geschichte ist vorhersehbar, die Charaktere eher flach geraten. Mit den kettenrauchenden, brutalen Russen und den heldenhaften, kooperierenden Freiheitskämpfern wird kein Klischee ausgelassen. Die Story mehr Löcher als ein namhafter Schweizer Käse. Die Personen verhalten sich teilweise so dumm, dass man sich fragt, wie sie es im Leben so weit gebracht haben. Um mal nur ein Beispiel zu nennen: Der Spezialist, der den Unterbau für die Maschinenkanone gebaut hat, quetscht den Schakal so aus, dass sein Ende kein Wunder ist. Eher schon die Art seines Endes. Auffälliger dürfte es wohl kaum zu machen sein. Sieht man mal von dem Toten ab, den der Schakal in einem Parkhaus hinterläßt. Ich hoffe, ich habe nun nicht zuviel verraten.

Bruce Willis legt den eiskalten Profikiller recht unpassend mit einem leichten Dauerlächeln im Gesicht an. Er kultiviert - diesmal auf der Seite der Bösen - seine Charaktere aus "Stirb langsam" oder "Last Boy Scout". Nach eigenen Aussagen soll ihm der Wechsel von Gut nach Böse gut gefallen haben. Aber er hätte den Schakal vielleicht doch etwas cooler, ruhiger und profihafter anlegen sollen. Na ja, vielleicht sehen wir ja in seinen nächsten Projekten einen besseren Bruce Willis. Voraussichtlich noch in 1998 wird er in "Mercury Rising" (auf der Seite der Guten), "Armageddon" und "Breakfast for Champions" zu sehen sein.

Richard Gere scheint die Rolle des irischen Freiheitskämpfers Declan Mulqueen wohl mit einer Rolle als Weiberheld verwechselt zu haben. Jedenfalls versucht er die ganze Zeit über mit diesem schmachtenden Blick rum, auf den seiner Meinung nach die Frauen wohl stehen und läßt keine Anmache aus.

Sidney Poitier ist nach "Sneakers" (1992) erstmals wieder in einer neuen Produktion auf der Leinwand zu sehen. Die Rolle des stellvertretenden FBI Direktors könnte man ihm glatt noch abnehmen. Aber auch diese leidet unter dem Drehbuch. Ich finde es faszinierend wie sich *leitende* Beamte des FBI mit untergeordneten Ermittlungsarbeiten abgeben und immer an der vordersten Front stehen. Aber das steht auf einem anderen Blatt. Die schauspielerischen Leistungen von Mr. Poitier sind in Ordnung, wenn nun auch nicht gerade herausragend.

Diane Venora (einigen vielleicht noch aus "Heat" oder "Bird" in Erinnerung) als Major Koslova, bemüht sich redlich die russische Powerfrau rüberzubringen. Das dies nicht immer gelingt, liegt auch hier mal wieder an der bescheidenen Story.

Aber auch dem Regisseur Michael Caton-Jones ("Rob Roy", "Doc Hollywood") vermag die Geschichte nur so gerade eben zusammenzuhalten. Seine Erzählweise ist sehr konventionell und bringt auch keine neuen Ideen oder Sichtweisen. So sieht jeder beliebige runtergedrehte Thriller der 90er Jahre aus. Von Fesselung der Zuschauer oder imposanten Bildern keine Spur.

Wenn man in der Lage ist, zumindest zeitweise die unlogische Story zu verzeihen, bekommt man einen netten Spannungsfilm für einen verregneten Sonntagnachmittag. Es gibt schlimmeres, aber auch wesentlich besseres im Kino.

Fazit: Ein Spannungsfilm (nein kein Thriller) wie viele andere.

5 von 10 Aasfressern

Dirk Jasper FilmLexikon
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