Ernst Corinth über Der Campus

dass unsere Universitäten ein riesiger Sündenpfuhl sind, haben wir ja immer schon geahnt. dass es dort aber so erbärmlich politisch-korrekt zu geht, wie es uns Sönke Wortmann in seiner Verfilmung des gleichnamigen Dietrich Schwanitz' Bestsellers weismachen möchte, überrascht uns nun doch ein wenig. Wenn's also wirklich stimmt, was "Der Campus" satirisch widerspiegeln soll, dann kämpfen an den Unis giftige Brillenschlangen - Pardon! - verkniffene Frauenbeauftragte wuchtig für die Feminisierung unserer Macho-Sprache und verdächtigen jede Annäherung zwischen den Geschlechtern als sexuelle Belästigung.

Gleichzeitig treiben Karrieristen, die einst im Jahre 68 ausgezogen sind, die Welt zu verändern, ein garstiges Spiel: Statt sich um die stets sinkende Leistung und die zunehmende kulturelle Verrohung ihrer Studenten (wie die schon aussehen!) zu kümmern, hocken sie in allerlei Gremien herum und schmieden Intrigen und Ränke. Und auch die Ausländerbeauftragten und die zuständigen staatlichen Kulturverwalter oder -politiker haben's faustdick schmierig hinter den Ohren.

So weit, so schlimm. Aber zum Glück gibt's Leute wie Hanno Hackmann (Heiner Lauterbach): ein Hamburger Soziologieprofessor, der sich in den knapp zwei Stunden dieses Films vom armen Dozenten-Würstchen (mit heruntergelassener Hose) zur Lichtgestalt, ja, zu einem Kennedy oder zeitgemäßer: Bill Clinton des Campus entwickelt. Der kurz vor Schluß dann eine Rede hält, die so pathetisch ist, dass es einen schon fast graust und der natürlich zu guter letzt die Brocken hinwirft, um als freier Schriftsteller und (wie Autor Schwanitz) als gefragter Talkshow-Gast die Mißstände bis in alle Ewigkeit öffentlich und fürs eigene Portemonnaie recht einträglich zu geißeln.

Ja, es ist schon schlimm, was Sönke Wortmann hier erzählt, und wie er das tut, ist leider auch nicht viel besser. Die Geschichte dieses Hanno Hackmann, der in das Intrigenspiel seiner Kollegen gerät, als Vergewaltiger verdächtig wird, seine Familie und seinen Beruf verliert, hat der Regisseur leider nie so recht in den Griff bekommen. Statt die zahlreichen Klischees bitterbös zu überzeichnen, laufen seine Figuren wie blutleere Schablonen über die Leinwand. Einzige witzige Ausnahme ist Axel Milberg, der als Vorsitzender des universitären Disziplinarausschusses, Bernie Weskamp, brillant agiert. Und alles funktioniert auf diesem "Campus" nach einem doch recht billigen und zudem viel zu harmlosen Schwarzweißschema.

Erträglich ist diese Satire eigentlich nur, weil Sönke Wortmann zum Glück sein Handwerk nicht über Nacht völlig verlernt hat. So hat er auch hier einige wirklich gelungene Gags eingebaut, ein paar nette Randfiguren wie den Penner Norbert (Armin Rohde) entwickelt, die wenigsten zuweilen das dröge Spiel auflockern. Und seine Schauspieler wie Barbara Rudnik, Maren Kroymann oder Martin Benrath zählen wie immer zu den besten, die unser Land zu bieten hat. Dennoch, die Enttäuschung ist groß. Schließlich hat Wortmann bisher nach jedem schlechten Film wieder einen guten gedreht. Doch nun folgt auf das miserable "Superweib" mit Hanno Hackmann ein überflüssiger Supermann des "Campus": Schade

Dirk Jasper FilmLexikon
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