Ernst Corinth über Besser geht's nicht

Natürlich geht's besser. Und warum James L. Brooks' Film nur so mit Oscar-Nominierungen überschüttet worden ist, bleibt auch nach 138 Minuten ein Rätsel. Denn ,,Besser geht's nicht'' ist als Komödie ein einziger Kompromiß: Zwar hat der Film durchaus das Potential gemein, frech und bös' zu sein, die Dialoge sind streckenweise exzellent und manche Szenen umwerfend komisch, doch wenn's wirklich drauf ankommt, dann wird das, was so herrlich gemein oder politisch-unkorrekt begonnen hat, plötzlich mit Harmoniesoße übergossen, und am Schluß wird - o Schreck - sogar ein gefühlsechtes romantisches Happy-End präsentiert.

Dabei fängt alles so gut an: Mit Jack Nicholson, der den in New York lebenden Schnulzen-Bestsellerautor Melvin Udall spielt. Dieser Kerl ist nicht nur echt verrückt, nein, er haßt alles auf dieser Welt, beleidigt konsequent jeden, den er trifft, ob der nun schwul oder schwarz, Jude oder Frau ist. Und so packt er gleich zu Anfang den süßen Hund seines schwulen Nachbarn Simon Bishop (Greg Kinnear) am Schlafittchen und wirft den nervenden Kläffer in den Müllschlucker.

Kurz danach sieht man Melvin in seinem Restaurant sitzen, wie immer mit dem aus hygienischen Gründen mitgebrachten Plastikbesteck. Dort verkehrt er täglich, obwohl ihn keiner mehr bedienen möchte: warum versteht sich von selbst. Nur die junge Kellnerin Carol Connelly (Helen Hunt) macht eine Ausnahme. Als er sie mal wieder und vor allem ihren asthmakranken und unter Allergien leidenden Sohn beleidigt, fliegt unser grantiger Misanthrop zwar fast raus. Aber immerhin sind nun, nach etwa einer halben Stunde, die entscheidenden Elemente, die das Leben Melvins ändern werden, vom Regisseur ins Spiel gebracht worden: ein Hund, ein Kind und eine junge Frau. Und mit Abstrichen: ein netter schwuler Nachbar.

dass dieser Läuterungsprozeß, dessen Einzelheiten wir hier natürlich nicht verraten, dann noch einmal gut 90 Minuten dauert, ist eine der großen Schwächen des Films. Ursache sind die ambitionierten Bemühungen des Regisseurs die verschiedenen Figuren ausführlich charakterlich zu entwickeln, ihr Leben und Leiden zu zeigen. Genau dadurch aber wird der eigentlich Held in den Hintergrund gedrängt, der Witz verliert sich in rührseligen, gut gemeinten Szenen, und wenn man als Zuschauer mal wieder schier endlose Zeit in der Wohnküche des Kellnerinnen-Aschenputtels verbringt, sehnt man sich richtig nach dem nächsten Auftritt von Jack Nicholson.

Denn das Spiel des mittlerweile 60jährigen Haudegen ist das einzig sehenswerte an diesem Film. Er agiert so gemein, verschlagen und wie gewohnt grimassenreich, dass man davon nicht genug bekommen kann, und vermutlich würde keiner über ,,Besser geht's nicht'' reden, wenn nicht Nicholson den Verrückten machen würde. Doch ein Hund, ein Kind und eine junge Frau verändern ja auf dieser Welt selbst den schlimmsten Zeitgenossen, also auch ein Oberekel wie Melvin Udall. Das will uns diese Komödie zumindest weismachen. Wer's glaubt, wird selig oder besser: in Hollywood Produzent.

© 1999 Ernst Corinth © 1994 - 2009 Dirk Jasper