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Ist "Postman" ein 80 Millionen Dollar schwerer Werbefilm für die Post oder Kevin Costners neuestes Meisterwerk? Eher keines von beiden. Wir schreiben das Jahr 2013. Nach einem weltweiten thermonuklearen Krieg haben nur wenige Menschen überlebt. Die meisten haben sich zu kleinen Dorfgemeinschaften auf vorindustriellem Niveau zusammengeschlossen. Aber es gibt auch Ausnahmen. So ist ein einsamer Wanderer (Kevin Costner) mit seinem Muli unterwegs, um sich mit ein paar Shakespeare Stücken seinen Lebensunterhalt bei den Dörflern zu verdienen. Seinen Unterhalt bei den Dorfbewohnern holt sich auch der General Bethlehem (Will Patton). Allerdings mit weniger feinen Mitteln. Der General unterdrückt mit seinen Truppen die Gegend. Jeder Widerstand wird brutal unterdrückt. Seine Truppen werden aus den Dorfgemeinschaften zwangsrekutiert. Dabei wird auch der einsame Wanderer gefangengenommen und ins Hauptquartier des Terrorregimes verschleppt. Allerdings gelingt es ihm, sich nach kurzer Zeit durch Flucht zu entziehen. Auf der Flucht findet er in altes Postauto. Er nimmt die Uniform und die Briefe an sich, um sich in Zukunft als Briefträger durchzuschlagen. Er verkündet den Menschen Hoffnung indem er behauptet, die provisorische Regierung baue wieder ein Kommunikationsnetz auf. Besonders der junge Ford glaubt ihm und greift die Idee auf und gründet ein Netz von Postreitern. Es versteht sich, dass der General davon nicht erbaut ist und versucht dieses System wieder zu zerschlagen. "Postman" kommt im Gewand eines SF-Films daher, ist aber ein Western reinsten Wassers. Sowohl die Story, einsamer Held gegen hundsgemeine Banditen, als auch Kameraführung und Schnittechnik sind typisch für einen (neuzeitlichen) Western. Insofern ist "Postman" eine Mischung aus "Waterworld" und "Der mit dem Wolf tanzt". Dies bezieht sich auch auf die epische Breite des Films. Im Gegensatz zu dem Meisterwerk "Der mit dem Wolf tanzt" gibt es wesentlich mehr Längen. Immer wieder habe ich mich gefragt, was soll das Ganze denn nun eigentlich? Und warum kommt nicht etwas mehr Drive in die Geschichte? Die Handlung ist zudem sehr vorhersehbar. Auch wenn jetzt einige aufschreien werden: Eine Kürzung um eine gute Stunde täte dem Film sichtlich gut. Ansonsten hat mich die hanebüchene Story und das nicht stimmige Umfeld gestört. Nach einem atomaren Winter sieht es sicherlich wesentlich anders aus. Auch die Menschen dürften sich anders kleiden. Außerdem ist Kommunikation ein sehr wesentliches Element menschlicher Gemeinschaften, warum haben die einzelnen Kommunen nicht schon vorher versucht wieder unter einander in Kontakt zu kommen? Dies ist auch für den Handel, insbesondere bei einer Mangelgesellschaft, extrem wichtig. Interessant fand ich auch, dass ganz zu Ende des Films wieder modernste Technik zu sehen war, obwohl nur wenige Jahre vergangen waren. Aber das nur am Rande. Auf jeden Fall sollte man sich auf die Länge und die epische Breite des Films einstellen, dann hat man wenigstens noch etwas davon. Stark sind einige der Landschaftsaufnahmen. Nicht ganz so stark dagegen die Schauspieler. Gut gefallen hat mir Olivia Williams in der Rolle der Abby. Abby ist Frau an der Seite des Briefträgers. Auch Will Patton als brutaler Herrscher war nicht übel. Von Kevin Costner hatte ich mir dagegen etwas mehr erhofft. Allerdings liefert der Schauspieler immer noch eine gute Leistung ab. Nur war halt die Erwartung doch etwas anderes. Was bleibt ist ein schaler Geschmack. Man sieht das Potential der Geschichte, zieht Vergleiche zu anderen Filmen und (zumindest ich) wird über weite Strecken durch die krude Story enttäuscht. Fazit: Hier wird geklärt, was die Menschen aus Waterworld machen, nachdem sie endlich Dryland gefunden haben.
6 von 10 postatomaren Briefzustellern
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