Ausführlicher Inhalt zu Postman

Szenenbild Amerika im Jahr 2013. Der dritte Weltkrieg hat die Menschheit zwar nicht völlig vernichtet, aber praktisch keinen Stein auf dem anderen gelassen: Regierung und Behörden, die Infrastruktur der Kommunikationswege, die Gesellschaft im herkömmlichen Sinn existieren nicht mehr. Von den Häusern, Straßen und Telefonleitungen sind nur Schutt und Asche übriggeblieben, keine der Errungenschaften moderner Technik steht mehr zur Verfügung.

Anscheinend ist die Katastrophe durch einen neuen amerikanischen Bürgerkrieg ausgelöst worden: Ein ultrarechter Politiker hat das Militär auf seine Seite gebracht, in der "Schlacht von Georgetown" die Regierung entmachtet und das Weiße Haus niedergebrannt. Der Beginn seiner mittelalterlich-feudalen Tyrannei hat die gesamte Welt ins Chaos gestürzt. Drei Jahre lang herrschte der atomare Winter. Nach nunmehr sechzehn Jahren regnet es zum erstenmal wieder.

Im Nordwesten der ehemaligen USA haben viele Menschen den Krieg überlebt, sie vegetieren in kleinen Dorfgemeinschaften dahin, haben aber keine Möglichkeit, Kontakt untereinander aufzunehmen - dafür sorgt der unerbittliche General Bethlehem (Will Patton), ein ehemaliger Kopiergeräte-Verkäufer, der im Krieg zum Befehlshaber aufgestiegen ist: Mit seiner Armee, den Holnisten, verhindert er erfolgreich, dass die Überlebenden sich zu größeren Gruppen formieren - jede Machtkonzentration erstickt er im Keim. Willkürlich plündert er die Dörfer aus, um sich selbst zu versorgen.

Durch die Salzwüste von Utah zieht ein einsamer Wanderer (Kevin Costner). Er hat seinem Maulesel Tricks beigebracht und reitet von Siedlung zu Siedlung, um die Menschen mit ein paar auswendig gelernten Shakespeare-Zitaten zu unterhalten und sich so eine Mahlzeit zu verdienen.

Nachdem der Wanderer mit seinem Muli eine Kurzfassung von "Macbeth" dargeboten hat, fällt Bethlehem in das Dorf ein und rekrutiert ihn zusammen mit anderen kräftigen Männern gewaltsam für seine Truppe. Bethlehem achtet darauf, nur "reines Blut" aufzunehmen: Schwarze und die seit dem Krieg stark verbreiteten mongoloiden Männer werden nicht akzeptiert.

Der Wanderer und zwei Leidensgenossen werden in die gigantische Tagebau-Grube verschleppt, in der Bethlehem sein Hauptquartier hat. Dort durchlaufen sie das harte Training, mit dem die Rekruten zu willigen Werkzeugen des Despoten dressiert werden sollen. Die politische Erziehung beschränkt sich auf die drastische Einpeitschung von "Lehrsätzen" der Holnisten: "Der Terror besiegt die Vernunft" etwa, oder "Es gibt nur eine Strafe: den Tod". Jeder der Rekruten bekommt das Symbol der Holnisten, eine 8, in den rechten Oberarm gebrannt.

Obwohl der Wanderer versucht, nicht aufzufallen, erkennt Bethlehem schnell seine intellektuelle Überlegenheit und stellt ihm eine Offizierslaufbahn in Aussicht. Angesichts der unmenschlichen Brutalitäten im Lager denkt der jedoch nur an Flucht.

Ein Löwe macht die Gegend unsicher und hat Opfer unter den Soldaten gefordert. Der Wanderer wird, nur mit einem Messer bewaffnet, ausgeschickt, um die Opfer zu suchen. Er hat Erfolg, nutzt aber die Gelegenheit zur Flucht. Bei der Verfolgung sterben zwei seiner Gefährten, die Bethlehem gezwungen hat, den Flüchtigen zu stellen und zu töten. Auch Idaho, Bethlehems grausamer Henkersknecht (James Russo), kommt bei der Verfolgung ums Leben.

Auf der Flucht findet der Wanderer ein offensichtlich schon in den Kriegswirren gestrandetes Postauto mit den sterblichen Überresten eines Beamten. Um sich zu wärmen, zieht er dessen Uniform an, und er nimmt auch die Tasche mit den Briefen an sich.

Als er die bewachten Palisaden der Siedlung Pineview erreicht, versucht er sich Einlaß zu verschaffen, indem er sich als "offizieller Vertreter der Vereinigten Staaten" ausgibt. Tatsächlich hat sein Bluff Erfolg: Die zunächst zögernden und ungläubigen Bewohner nehmen sein Stichwort auf und stellen weitere Fragen. Dadurch wird der Postman gezwungen, zu improvisieren. Das tut er - mit der Aussicht auf einen Napf voll Suppe flunkert er wild drauf los, um seine Position zu stärken: Er sei als Beamter der Post unterwegs, denn die Vereinigten Staaten hätten sich neu formiert. Ein neuer Präsident namens Richard Starkey sei eingesetzt worden, der in der jetzigen Landeshauptstadt Minneapolis residiere. In 16 bis 18 Monaten dürfte es sichtbar aufwärts gehen, aber zunächst sei er hier, um liegengebliebene Briefe auszutragen.

Und tatsächlich: in seiner Tasche finden sich uralte Briefe, die für Pineview bestimmt waren. Langsam keimt in den Bewohnern Hoffnung auf: Der Postman verkörpert die Freiheit und die geordneten Verhältnisse, wie sie vor dem Krieg herrschten. Besonders der ungestüme John Stevens (Larenz Tate) begeistert sich für die Botschaft, die der Postman bringt. Er gibt zu, dass er sein Pseudonym "Ford Lincoln Mercury" nur gewählt hat, weil er für sein Leben gern einmal Autofahren möchte. Das ist jetzt vorbei, und er zwingt den Postman praktisch dazu, ihn ebenfalls als Postzusteller zu "vereidigen".

Und noch jemand überrennt den Postman förmlich mit unverblümter Direktheit: Die schöne Abby (Olivia Williams) ist mit Michael verheiratet, der keine Kinder zeugen kann. Jetzt bittet Abby den Postman um eine Liebesnacht, nachdem sie sich durch ein penibles Verhör vergewissert hat, dass seine Erbanlagen wahrscheinlich nicht geschädigt sind. Er wird nach erfolgter Samenspende weiterziehen - das ist weniger problematisch, als sich unter den Bewohnern von Pineview einen Leihvater zu suchen.

Die beiden verbringen die Nacht zusammen. Am nächsten Morgen schenken die Bewohner dem Postman sogar ein Pferd, und er reitet weiter.

Unvorsichtigerweise hat Ford vor dem Postamt die US-Flagge gehißt. Bethlehem erscheint mit seiner Truppe und will diese Provokation im Keim ersticken. Abbys Mann Michael gerät in sein Visier, und Bethlehem zwingt ihn, die Fahne zu verbrennen. Dann soll Michael ihm auch noch freiwillig seine Frau überlassen. Als Michael sich weigert, bringt Bethlehem ihn eigenhändig um und nimmt Abby als Liebessklavin in seinem Troß mit.

Der Postman ist inzwischen in Benning, Oregon, eingetroffen und wird auch dort als offizieller Postbote akzeptiert; auch hier kann er verspätete Briefe zustellen. Die begeisterten Bewohner organisieren in ihrem Überschwang sofort den Widerstand, können jedoch gegen die Kanonen des anrückenden Bethlehem nichts ausrichten: Nachdem der Postman als Unterhändler gescheitert ist, kommt es zu einem blutigen Gefecht. Der Postman wird schwer verwundet, Abby rettet ihm todesmutig das Leben.

Die beiden finden Unterschlupf in einer einsamen Hütte in den Bergen, wo sie den Winter verbringen. Der Postman weiß jetzt, dass er in der jungen Witwe die Frau fürs Leben gefunden hat. Sie ist mit seinem Kind schwanger. Abby bleibt jedoch sehr reserviert, denn sie hat das Brandzeichen der Holnisten auf seinem Arm entdeckt.

Im Frühjahr verbrennt Abby bewußt die Hütte, um den Postman zu zwingen, die Idylle aufzugeben und mit ihr in die Siedlungen zurückzukehren. Der Postman, der sich für die sinnlose Revolte in Benning verantwortlich fühlt, will von seiner Rolle als Hoffnungsträger nichts mehr wissen. Umso erstaunter ist er, als er im Wald auf "Bote 18" trifft: ein junges Mädchen in Uniform, das berichtet, Ford habe inzwischen ein regelrechtes Postbotensystem zwischen den Siedlungen aufgebaut: Die Hoffnung beflügelt die junge Generation, und die Siedlungen schließen sich zu einer immer stärkeren Gemeinschaft zusammen.

Der Postman versucht zunächst den Enthusiasmus der Botentruppe zu bremsen, indem er einen Brief vom "Präsidenten Starkey" fingiert und jede weitere Rebellion gegen die Holnisten verbietet. Doch inzwischen hat er sich von dem Fieber des neuen Aufbruchs anstecken lassen und übernimmt selbst die gefährlichen Postrouten im Süden, auf denen mit Überfällen der Holnisten gerechnet werden muß. Tatsächlich ermorden die Holnisten mehrere Boten und hängen die Leichen als abschreckendes Beispiel öffentlich auf. In Elvis, Oregon, locken der Postman und seine Getreuen eine Miliztruppe der Holnisten in die Falle - keiner der Soldaten überlebt. Dadurch steigt die Kampfmoral der Boten. Auch Abby läßt sich von dem unwiderstehlichen Charisma des Postman mitreißen und wird zu seiner treuen Gefährtin. Aber auch Bethlehem erkennt die Gefahr des sich ausbreitenden Aufstands und reagiert mit brutalen Repressalien.

Während der Postman als Prophet durch die Lande zieht und sich vorläufig in der Staudammsiedlung Bridge City verschanzt, gerät Ford in die Hand der Holnisten. Zusammen mit einem anderen Gefangenen wird er zur Exekution geführt. Der andere stellt sich Ford als Bote aus der "unabhängigen Republik California" vor. Bethlehem merkt, dass die beiden sich nicht kennen - dass also die Bewegung weit über das Einflußfeld des Postmans hinaus an Boden gewonnen hat. Jetzt will er keine weiteren Märtyrer schaffen - er behält Ford als Geisel und sucht die Auseinandersetzung mit dem Postman in der offenen Schlacht.

Als sich die beiden Heere gegenüberstehen, will Bethlehem den Postman durch die Geisel zur Unterwerfung zwingen. Der Postman kann weder aufgeben, noch darf er ein Massaker zulassen. Er fordert Bethlehem zum Zweikampf: Das Reglement der Holnisten besagt nämlich, dass jeder Soldat den Anführer herausfordern darf. Und jetzt outet sich der Postman mit seinem Brandmal als Holnist. Bethlehem muß vor seinen Männern das Gesicht wahren und willigt ein. Ein Duell auf Leben und Tod beginnt ...

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