Ernst Corinth über Der Mann in der eisernen Maske

Nun reiten und fechten, saufen und raufen sie wieder: Aramis (Jeremy Irons), Athos (John Malkovich), Porthos (Gérard Depardieu) und D'Artagnan (Gabriel Byrne). Aber bevor die Herren Musketiere, die allesamt in die Jahre gekommen sind, in ihre schicken Uniformen schlüpfen, vergehen in Randall Wallaces ,,Der Mann in der eisernen Maske'' gut 90 Minuten. Eine Zeit, die der Regisseur und Drehbuchautor (,,Braveheart'') nutzt, um seinem Publikum oder besser seiner Zielgruppe, den jungen und jüngsten Leonardo-DiCaprio-Fans, in aller und zuweilen doch arg zäh daherkommender Ausführlichkeit die Legende der wohl bekanntesten Mantel- und Degenträger der Kinogeschichte nahezubringen.

So erfährt man einiges über den großen Ruhm, den die vier sich einst erstritten, über den Mut, den sie dabei stets an den Tag gelegt haben und über den Frust, den sie nun mit sich herumschleppen, weil ihr König ein richtig ausgewachsener Bösewicht ist. Und nur einer aus dem Quartett, D'Artagnan, hält seinem obersten Dienstherrn weiterhin die Treue, was, wie sich später überraschend herausstellt, rein familiäre Gründe hat.

dass die Altmusketiere in diesem mehr Mantel- als Degenfilm dann zum Schluß sich doch noch zusammenraufen, um gleich gegen eine ganze Kompanie zu raufen, hat natürlich einen Grund. Der König übertreibt seine Bösartigkeit so maßlos, dass selbst den alten Herren der längst viel zu enge Kragen platzt und sie daher beschließen, ihn klammheimlich auszutauschen: Mit seinem Zwillingsbruder, der vor der Welt versteckt als Mann mit der eisernen Maske in einem finsteren Verlies dahinvegetiert.

Ob der Plan gelingt, wird an dieser Stelle allerdings nicht verraten, denn seine Ausführung ist für Kinogänger, die nicht wegen Leonardo gekommen sind oder die den DiCaprio eher zum Gähnen schön finden, das einzig Spannende in diesem gut zweistündigen Film. Der Rest ist ein darstellerischer Zweikampf zwischen Gabriel Byrne alias D'Artagnan und Leonardo DiCaprio, bei dem das Alter eindeutig als Sieger über die Jugend hervorgeht.

Was jedoch keinen aus der besagten Zielgruppe stören wird, schließlich gibt's ihren Leonardo gleich im Doppelpack, als bösen König und als guten Maskenmann, Und - Mädchenherz, was willst du mehr? - der Typ war noch nie so schön wie in diesem Film. Seine blauen Augen funkeln, seine langen Haarlocken sind hübsch anzusehen und seine Gesichtszüge erscheinen in dem Licht, in das der Regisseur seinen Star getaucht hat, so sanft, sanfter geht's nicht. Auf solch eine weichgezeichnete Art wurden bisher eigentlich nur weibliche Stars abgefilmt, aber seit der ,,Titanic'' bei dem der 23jährige unterging um danach als kuschlig-androgyner Jungfrauenschwarm um so heftiger aufzutauchen, hat sich das wohl endgültig geändert.

Dirk Jasper FilmLexikon
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