Andrea Leskovec über Der Mann in der eisernen Maske

"Als aufständische französische Bürger die Bastille zerstörten, fanden sie in den Dokumenten diesen mysteriösen Eintrag: 'Gefangener Nr. 64389000: Der Mann mit der eisernen Maske'. Die Identität des Gefangenen ist noch immer ein Geheimnis."

Ein uraltes Geheimnis, ein Regimegegner, ein Geliebter der Königin, was ist es, was sich hinter dem geheimnisvollen "Mann mit der eisernen Maske" verbirgt? Eine mögliche Antwort auf diese Frage bietet der Film von Randall Wallace, eine freie Adaption der berühmten literarischen Vorlage von Alexandre Dumas, der mit seinem gleichnamigen Roman den Mythos von der königlichen Verbindung begründete.

Das Mysterium um die Gestalt des Mannes, der sein Dasein unter einer Stahlmaske fristete, geistert seit mehreren Jahrhunderten durch die Köpfe von Zeitgenossen, die dem Geheimnis bis heute nicht auf die Spur gekommen sind. Gerade deswegen bleibt der Gefangenen mit der eisernen Maske sicherlich eine der tragischsten Figuren aller Zeiten, und damit ein perfektes Sujet für einen romantischen Historienfilm.

Allerdings haben wir es hier nicht mit einem klassischen Mantel- und Degenfilm zu tun, denn die drei Musketiere sind inzwischen gealtert und auch der vierte im Bunde, d'Artagnan, dient zwar immer noch treu dem König, zeigt aber schon deutlich Spuren des Alters. Zum ersten Mal begegnen uns die vier legendären Musketiere etwas älter, etwas weniger draufgängerisch, mit sehr ausgeprägten menschlichen Zügen.

Hierin liegt auch eines der interessantesten Merkmale des Filmes: die Freundschaft der vier Männer, die mit ihrem "Einer für alle, alle für einen" Geschichte geschrieben haben. Randall Wallace zeichnet auf subtile Weise das Zusammenspiel zwischen vier ausgeprägten Charakteren, die in faszinierender Weise von hervorragenden Schauspielern dargestellt werden.

Als charakterfester und willensstarker Kopf der Musketiere gilt Aramis, hervorragend dargestellt von Jeremy Irons, an seiner Seite der hitzige und leidenschaftliche Athos, gespielt von John Malkovich, und der liebenswerte Lebemann Porthos, kein geringerer als Gérard Depardieu, dem die Rolle auf den Leib geschrieben ist. In der Rolle des treuen und legendären d´Artagnan fasziniert Gabriel Byrne.

Doch auch Frauenliebling Leonardo DiCaprio hat in diesem Film bewiesen, dass er noch mehr kann, als Frauenherzen brechen. Mit der Rolle des überheblichen und bösartigen König Ludwig überzeugt er auf gleiche Weise wie als zerbrechlich wirkender, sensibler und durchaus tragischer Titelheld.

Neben der hervorragenden schauspielerischen Leistung der Hauptdarsteller sind es vor allem die großen epischen Bilder, die den Film zu einem Genuß machen. Dazu trägt sicherlich die Tatsache bei, dass der Film größtenteils an historischen Schauplätzen gedreht wurde und die Schauspieler entsprechende Kostüme tragen, was ihm eine hohe historische Authentizität verleiht und reichlich Stoff für wunderschöne Sequenzen bietet.

Sicherlich hätte dem Film etwas weniger Larmoyanz nicht geschadet, denn gegen Ende jagt ein Happy-End das nächste, worunter der Gesamteindruck ziemlich zu leiden hat. Trotzdem sollten Liebhaber des historischen Genres den Film keinesfalls verpassen, denn Schauspieler und Ausstattung helfen über einige inhaltliche Schwächen größtenteils hinweg.

Dirk Jasper FilmLexikon
© 1998 Andrea Leskovec, DEM © 1994 - 2010 Dirk Jasper