Ernst Corinth über Deep Impact

Wieder einmal steht die Menschheit vor dem finalen Untergang: Ein riesiger Komet rast auf die Erde zu, droht mit einem einzigen Wumm alles Leben auszulöschen, selbst der US-Präsident schaut recht ratlos aus. Und dennoch besteht kein Grund zur Besorgnis. Denn schließlich wird in Mimi Leders Film der Präsident von Morgan Freeman gespielt, und der, das weiß jeder regelmäßige Kinogänger, wird's schon irgendwie richten. Und dann ist da ja noch ein anderer Spezialist für Filmkatastrophen: Robert Duvall, der an Bord eines Raumschiffs dem Kometen gleichsam den Weg versperren möchte und, wie sich am Schluß zeigt, bei Roland Emmerichs "Independence Day" genau zugeguckt hat.

Wer Untergangsszenarien mag, der kommt in "Deep Impact" mal wieder auf seine Kosten und trifft dabei das gewohnte, leider arg geschwätzige Katastrophenpersonal: die junge engagierte Reporterin (Téa Leoni), zwei süße Teenager, wackere Helden in fliegenden Blechdosen, einen netten alten Opa (Maximilian Schell), eine genauso liebe Oma (Vanessa Redgrave), nur Hund fehlt aus Gründen, die wir leider nicht kennen.

Auch die Spezialeffekte sind nicht von schlechten Eltern, wie die Freiheitsstatue wegknickt, hat was, und wie die Wolkenkratzer umfallen, macht schon was her. Und sogar die Dialoge sind so unfreiwillig komisch, wie wir es uns halt von einem solchen Film wünschen. Kurzum: Es kracht gewaltig, und falls demnächst ein Komet auf die Erde zu stürzen droht, werden wir sofort nach Houston ziehen. Denn selbst wenn die halbe USA von einer 300 Meter hohen Flutwelle überschwemmt wird, im schönen Houston, das haben wir in "Deep Impact" gelernt, sitzt man immer noch fein im Trockenen.

Dirk Jasper FilmLexikon
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