Gerhard Heeke über Boogie Nights

"Boogie Nights" wagt sich an ein recht brisantes Thema ran. Erzählt wird die Geschichte von einem Filmemacher und ein paar Schauspielern, die sich in den siebziger und achtziger Jahren dem Pornofilm verschrieben haben. Ohne viel nacktes Fleisch hat hier der Regisseur Paul Thomas Anderson ein interessantes Portrait einer Randgruppe des großen Hollywood Business geschaffen.

Der Filmproduzent Jack Horner (Burt Reynolds) produziert "exotische" Filme, so dass Codewort für Pornos in den siebziger Jahren. In einem Nachtclub spricht er den jungen Eddie Adams (Mark Wahlberg) an. Er ist ihm aufgefallen. Da Eddie so oder so Zoff mit Zuhause hat und er in seinem großen Penis sein Kapital sieht, beißt er an. Schon der erste Film mit Dirk Diggler, so sein Künstlername, wird ein Erfolg. Es schließen sich mehrere Preise von einschlägigen Filmfestivals an. Der Erfolg schießt Dirk allerdings etwas in den Kopf. Zur gleichen Zeit haben aber auch andere Probleme. Jack Horner wird vorgeworfen, dass er nicht mehr mit der Zeit gehe, da er nicht auf Videoproduktionen setze. Seine Lebensgefährtin und gleichzeitig Lieblingsdarstellerin Amber Waves (Julianne Moore) versucht vor Gericht ein Besuchsrecht für ihren Sohn zu erstreiten, hat aber aufgrund ihres Lebenswandels eher schlechte Karten. Dagegen scheint das Rollergirl (Heather Graham), sie wird so genannt, weil sie nie ihre Rollschuhe auszieht, sorgenfrei in den Tag zu leben. Aber auch sie hat ihre Probleme ...

Was nach der kurzen Inhaltsangabe eher wie ein Problemfilm klingt, ist ein sehr interessanter, gut fotografierter Film über eine Randgruppe. Es wird zwar auch gezeigt, wie einige der Pornofilme gedreht werden, aber dabei wird (gottseidank) kaum nacktes Fleisch gezeigt. Mancher Film im Vorabendprogramm ist da härter. Voyeure kommen also nicht auf ihre Kosten. Dafür kann man sich an sorgfältig ausgesuchten und entwickelten Charakteren erfreuen.

Der Film unterteilt sich in zwei Hälften. Die erste Hälfte, in den siebziger Jahren, zeigt die Lebensfreude und den Erfolg aller Beteiligten. Aber mit Wechsel in das neue Jahrzehnt, bauen alle ab. Der Pornokinofilm wird durch Videoproduktionen verdrängt. Die privaten Probleme nehmen überhand. Dies zieht auch den Zuschauer mit runter. Aber dennoch halten die Beteiligten untereinander wie in einer Art Familie zusammen.

Zu weniger guten Aspekten, zählt leider (mal wieder) die Länge. Der Film ist etwas lang geraten. Während der Beginn noch interessant ist, wünscht man sich später doch eine etwas gestrafftere Erzählweise.

Von den Schauspielern hat mir Burt Reynolds am besten gefallen. Er hat in "Boogie Nights" aber auch eine gute "Alters"-Rolle erwischt. Aber auch Mark Wahlberg als Dirk Diggler und Julianne Moore als Amber Waves sind sehenswert.

Die Filmmusik wimmelt nur so von Stücken, die entsprechend der Zeit in der die jeweiligen Szenen spielen, ein Hit waren. Freunde der Musik der 70er oder 80er Jahre dürften hier auf ihre Kosten kommen.

Fazit: Interessantes "Familien"Porträt. Gute Idee

6 von 10 Filmreports

© Gerhard Heeke © 1994 - 2009 Dirk Jasper