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Gibt's eigentlich keinen halbwegs normalen US-Präsidenten mehr? So einen wie unseren Roman Herzog beispielsweise, der fränkisch-sittsam für Recht, Moral und Ordnung steht und gewiß keine schlüpfrigen Affären mit Praktikantinnen hat. Obwohl man sich Herzog als Pilot eines Kampfflugzeuges im Einsatz gegen Außerirdische nun auch wieder nicht vorstellen kann. Und als Einzelkämpfer gegen eine Schar von Terroristen erst recht nicht. Dennoch: es ist schon kurios, welche Rollen US-Präsidenten seit einiger Zeit bereits in Hollywood-Filmen spielen: Da sind sie wie in "Air Force One" oder "Independence Day" entweder strahlende Supermänner oder sie stecken wie zuletzt in "Wag the Dog" und jetzt in Dwight Littles "Mord im weißen Haus" mitten in einem Sumpf aus Sex, Intrigen und Korruption. Und es braucht dann einen ganzen Kerl wie Wesley Snipes, um sie am präsidialen Zopf aus dem Morast wieder herauszuziehen. dass Snipes das kann, beweist er gleich in der ersten Szene, als er - genau wie Eddie Murphy in "Metro" - einen Selbstmörder, der sich ausgerechnet mitten auf einer belebten Straße töten möchte, kurzerhand mit der Faust klarmacht, dass dies nun wirklich nicht die feine englische Art ist. Doch das ist ja nur der Anfang der Geschichte. Denn im Weißen Haus wird eine junge Frau ermordet, die kurz vor ihrem Tod Sex gehabt hat. Unser Snipes alias Harlan Regis, Detective des Washingtoner Mordkommissariats, nimmt also die Ermittlungen auf, hat dabei aber mit den Vertuschungsexperten des Geheimdienstes zu kämpfen, die alles unternehmen, damit kein Verdacht auf den Präsidenten und seinen Sohn fällt. Letzterer strebt übrigens einen ungewöhnlichen Rekord an: Er will in jedem Zimmer des Weißen Hauses einmal eine Frau lieben. Und Zimmer gibt's dort eine ganze Menge. Als Harlans Hauptgegenspieler entpuppt sich schnell Nick Spikings: (Daniel Benzali), der als Secret-Service-Chef ein Muster an verbissener Korrektheit ist. Ganz anders tritt dagegen der Sicherheitsberater Alvin Jordan auf, den Alan Alda gewohnt charmant-listig verkörpert. Und wenn unser Detective nicht die hübsche Agentin Nina Chance (Diane Lane) an seiner starken Seite hätte, dann würde er womöglich heute noch den mißratenen Sohn des Präsidenten verdächtigen.
Gut eine Stunde lang ist dieses Intrigenspiel wirklich spannend, die Dialoge haben Witz, und sogar Snipes agiert angenehm zurückhaltend. Doch plötzlich nehmen die Ungereimtheiten und logischen Fehler so zu, dass selbst die solide inszenierten, gleichwohl arg klischeehaften Action-Szenen nicht verhindern können, dass man sich als Zuschauer nur noch verwundert fragt: Warum geht der Detective nicht einfach mit seinem Wissen an die Öffentlichkeit? Schließlich steht fast an jeder Ecke ein TV-Team herum. Und warum schleicht er im Finale auch noch so auffällig getarnt - Kopf nach unten und pfeifend! - durch die Gänge des Weißen Hauses? Da hätte er sich ja gleich ein Schild umhängen können: Achtung: Verdächtige Person!
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