Gerhard Heeke über Cascadeur

"Cascadeur" ist seit langem der erste Versuch einen deutschen Actionfilm im Kino zu etablieren. Das dies nicht im ersten Schritt gelingt, liegt weniger an den einzelnen Zutaten, als an der Tatsache, dass der Film als ganzes nicht richtig funktioniert. Ähnlich wie bei einem US-Actionfilm ist die Geschichte schnell erzählt. Eine junge Frau, ist auf der Suche nach dem sagenumwobenen Bernsteinzimmer. Leider sind auch ein paar wirklich üble Burschen auf der Jagd danach. Und dann gibt es da noch den sympathischen jungen Helden, der allen Gefahren trotzt. Beim Aussehen der Heldin scheint der Produzent sich offensichtlich an Tomb Raider orientiert zu haben. Der Ausspruch den ein Zuschauer im Rahmen eines Sneak Previews gemacht haben soll, trifft (leider) den Nagel voll auf den Kopf. "Lara Croft meets Förster vom Silberwald".

Eine andere Stimme soll ihn als "Deutscher Indiana Jones" qualifiziert haben. Sicherlich krankt auch Indy an einigen Stellen. Aber Indiana Jones funktioniert: man fühlt sich gut unterhalten. "Cascadeur" gelingt dies nicht. Dafür ist die Story einfach zu schwach. Die Drehbuchautoren haben sich zu sehr darauf verlassen, dass die Stunts den Film raushauen. Aber die Story sollte schon einen inneren Zusammenhalt haben und zumindest versuchen, zu (er)klären, wie die eine oder andere Situation zustande kommt.

Während die Stuntszenen wirklich gut gelungen und teilweise spektakulär sind, krankt der Rest des Films. Vielleicht hätte man das Geld von einigen der Stunts in die Dialoge und die Storyline stecken sollen? So wirkt der Film leider nur wie eine überlange Werbung für die Stuntindustrie in Deutschland. Die Dialoge sind in der Regel platt und die Witze (Witzchen) zünden nicht richtig. Die Handlungsorte wechseln von jetzt auf gleich und man wundert sich immer wieder wie schnell die Charaktere von einem Ort zum anderen kommen. Nie wird - auch nur ansatzweise - erklärt, wieso die Bösewichter immer so schnell am passenden Ort sind und woher sie diese Info nun schon wieder haben. Hinzu kommen die Ungereimtheiten die so typisch für viele Actionfilme sind. Wieso kann man mitten in einer deutschen Großstadt eigentlich eine Auto / Motorrad / Helikopterjagd, bei der scharf geschossen wird, abhalten ohne das auch nur ein einziges Mal Polizei zu sehen ist ... Aber das wie gesagt nur am Rande.

Hoch anrechnen sollte man dem Film, dass er versucht in Deutschland auch mal etwas anderes als komische Beziehungskisten zu etablieren. In Stil und Machart lehnt er sich aber so stark an die amerikanischen Vorbilder an, dass er automatisch damit verglichen wird. Und diesen Vergleich hält er (s. o.) nicht Stand. Vielleicht gibt es ja trotz allem demnächst noch einen zweiten Versuch.

Fazit: Nette Fernsehunterhaltung. Fürs Kinogeld eigentlich zu schade.

4 von 10 Colts für alle Fälle

Dirk Jasper FilmLexikon
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