Gerhard Heeke über Gattaca

"GATTACA" zeichnet eine düstere Zukunft der menschlichen Gesellschaft. Anlehnungen an Huxleys "Brave New World" (Schöne, neue Welt) sind nicht zu verleugnen.

Die Gesellschaft in "GATTACA" ist vollkommen auf die menschlichen Gene fixiert. Die Chromosomen bestimmen das Schicksal der Menschen. Wenn jemand, wie z.B. der Protagonist Vincent (Ethan Hawke), das Resultat einer natürlichen Zeugung ist und zudem noch Schwächen wie Kurzsichtigkeit und kleineren Wuchs aufweist, ist er für die Gesellschaft abgestempelt. Er ist ein "Invalid". Die Nähe zum deutschen Wort Invalide ist nicht zu leugnen. Vincents Wunschtraum Astronaut zu werden, scheitert schon an der Genanalyse bei den Einstellungsuntersuchungen. Er taugt nur zum Gärtner oder Hausmeistergehilfen. Seine individuellen Fähigkeiten werden nicht beachtet. Einzig seine (genetischen) Anlagen zählen. Aber Vincent gibt nicht auf.

Er findet Jerome (Jude Law). Jerome wurde schon bei der künstlichen Befruchtung mit allen Genen ausgestattet, die ihn zu einem Supermenschen machen. Aber leider hat ihm das Schicksal einen Streich gespielt. Seit einem schweren Unfall sitzt er querschnittsgelähmt in einem Rollstuhl. Um seinen gehobenen Lebenswandel beibehalten zu können, verkauft er seine "Gene" an Vincent. Ausgestattet mit Blut, Urin, Haar- und Hautproben wird aus dem "Invalid" Vincent der "Valid" Jerome. Ein Leben in der ständigen Angst entdeckt zu werden.

Es beginnt aber auch ein Leben mit der Aussicht Astronaut zu werden und den Weltraum zu erkunden. Denn das Weltraumunternehmen GATTACA hat ihn in seiner Identität als Jerome für den nächsten Flug zum Jupiter aufgenommen. Die ständigen Identitätskontrollen machen das Leben für Vincent / Jerome schwierig. Aber neben dem Unterrichtsstoff meistert er auch dies. Er freundet sich sogar mit seiner Studienkollegin Irene (Uma Thurman) an. Da geschieht ein Mord. Der Missionsleiter wird umgebracht und am Tatort findet man ein Haar von Vincents Identität. Für die Polizei steht fest, dass Vincent der Täter gewesen sein muß. Die Hatz beginnt und der Kreis schließt sich immer enger um Jerome / Vincent ...

Den größten Teil seiner Spannung bezieht der Film aus der Tatsache, dass Jerome dauernd genetisch überprüft wird und der Zuschauer sich fragt, wie Vincent es wohl diesmal schaffen wird. Als Schade habe ich es empfunden, dass man von dieser "gen-fixierten" Gesellschaft nur sehr wenig mitbekommt. Es gibt ein paar Andeutungen / Anspielungen, aber im großen und ganzen erfährt man recht wenig. Dafür wurde recht große Sorgfalt bei der Ausstattung, den Kostümen und dem Setting an den Tag gelegt. So könnte man sich eine nicht allzu entfernte Zukunft vorstellen. Nichts wirkt absolut fremdartig oder abgehoben. Dies erleichtert die Identität mit den Betroffenen.

Die Schauspieler, allen voran Ethan Hawke und Uma Thurman tun das ihrige dazu diese "schöne, neue Welt" glaubhaft rüberzubringen. In den Nebenrollen haben mir Ernest Borgine als Hausmeister und Gore Vidal als Direktor von GATTACA gefallen.

Das Wort "GATTACA" ist eine kleine Spielerei. Die Bausteine der DNS sind Adenin (A), Guanin (G), Thymin (T) und Cytosin (C). Hieraus hat man dann den Namen gebildet.

Der Film bezieht zwar keine Stellung im Konfilkt für und wider der Gentechnik, aber er regt (spielerisch) zum Nachdenken an. Er zeigt eine mögliche Entwicklung und der Zuschauer kann sich fragen, ob er dies wirklich für sich oder seine Kinder möchte. Fazit: Spannender SF-Thriller der sich mal der menschlichen Gesellschaft anstatt Aliens annimmt.

7 von 10 Dollys

© Gerhard Heeke © 1994 - 2010 Dirk Jasper