Gerhard Heeke über Armageddon

Der erste Actionhit im Kino-Sommer 1998 dürfte zweifelsohne der SF-Film "Armaggedon" sein. Ähnlich wie in "Deep Impact" bedroht auch hier ein riesiger Asteroid alles Leben. Diesmal hat der Gobal-Killer die Ausmaße von Texas. Aber hier wie dort stellen sich mutige Amerikaner dieser existentiellen Bedrohung der gesamten Menschheit.

Der Asteroid, genauer gesagt seine Vorboten, tauchen vollkommen unerwartet aus dem All auf. In einer furiosen Anfangssequenz müssen zunächst ein Space Shuttle und weite Teile von New York daran glauben. Mit Entsetzen stellen die Wissenschaftler der NASA fest, dass der eigentliche Brocken noch kommt ... und zwar in genau 18 Tagen. Es bleibt also wenig Zeit für die Austüftelung des Planes. Man entscheidet sich schließlich mit zwei Space Shuttles auf den Asteroiden zu landen, dort ein ca. 300 Meter tiefes Loch in den kosmischen Trümmer zu bohren und dann tief unten einen atomaren Sprengsatz zu plazieren. Die Atombombe soll, so der Plan, den Asteroiden in zwei Teile splitten, die dann knapp an der Erde vorbeischießen sollen. Soweit der Plan. Die NASA hat zwar ausgezeichnete Piloten und Astronauten, aber an Experten zum buddeln von Löchern hapert es momentan. Der NASA Chef Dan Truman (Billy Bob Thornton) macht sich also auf der Suche nach einem Externen. Er wird schnell fündig. Denn Harry Stamper (Bruce Willis) ist der führende Ölbohrer der Welt. Kein Ölfeld welches er nicht geknackt hätte. Harry ist von der Idee anfangs wenig begeistert. Aber schließlich stimmt er doch zu. Er fordert aber, dass seine eigenen Leute mit auf die Mission kommen. Und dies ist wahrhaft ein wilder Haufen. Neben seinem besten Freund Chick (Will Patton) gehören noch das verrückte Superhirn Rockhound (Steve Buscemi), der enthusiastische Jungbohrer Oscar Choi (Owen Wilson) und das Muskelpaket (Keith David) dazu. Eher widerwillig nimmt er auch A. J. (Ben Affleck) mit. Zu A. J. hat Harry ein etwas gestörtes Verhältnis, seit dem er seine Tochter (Liv Tyler) in A. J.s Bett erwischt hat. Noch bleiben dem Team 12 Tage um sich auf die Mission vorzubereiten. Der Start geht noch reibungslos über die Bühne, nur danach häufen sich die Probleme ... und nicht jeder im Team verkraftet den Weltraumkoller ....

Wie "Independence Day" steht "Armaggedon" auf große patriotische Gefühle und Szenen. Wie so viele andere Actionfilme, bleibt auch "Armaggedon" nicht vor Ungereimtheiten verschont. Allein die Zeitspanne von 18 Tagen dürfte mehr als nur knapp bemessen sein. Allerdings kann man der Produktion zu gute halten, dass die Idee mit der Ablenkung des Asteroiden tatsächlich als einzig wirkungsvolle von Experten angesehen wird. Einem Asteroiden einfach ein paar Atomraketen entgegen zu schicken ist wirkungslos. Die Energie der Bomben würde einfach verpuffen. Im Gegensatz zu einigen anderen Filmen (ich erinnere da nur ungern an "Cascadeur" (spielt ja auch eindeutig in einer anderen Liga)) kann man die Ungereimtheiten aber leichter verzeihen, denn der Film ist spannend von der ersten bis zur letzten Minute. Schon die Anfangssequenz reist einen mit und dann läßt der Film den Zuschauer nicht mehr los. Selbst die Vorbereitungsphase, actionmäßig gesehen ein Durchhänger, ist interessant. Denn dies ist einer wenigen Momente wo sich der Film auf die Menschen, die Schauspieler konzentriert.

Gerade in einem so gewaltigen Actionfilm wie "Armaggedon" ist es für die Schauspieler besonders schwierig sich profilieren zu können. Zumal die Dialoge einfach gestrickt sind. Mir persönlich haben Steve Buscemi, als "irres" Genie und Billy Bob Thornton als NASA Boß am besten gefallen. Beide wegen ihres ruhigen, fast unterkühlten, knappen Spiels. Auch wenn Buscemi, rollengemäß, manchesmal aufdrehen muß, so gelingt es ihm doch, dies mit ganz wenigen Mitteln zu erreichen. Manchesmal reicht ein Blick mit seinen Augen und er erzählt mehr als fünf andere zusammen.

Bruce Willis spielt den Harry Stamper mit seiner gewohnt lässigen, zwischen Witz und Ernst pendelnden Art. Die weiblichen Rollen sind in diesem Film auf kleinere Nebenrollen beschränkt. So spielt, immerhin nett anzusehen, Liv Tyler Harry Stampers Tochter Grace. Die Rolle ist zu klein, als dass sie ihre Talent wirklich voll zur Geltung bringen könnte.

Die Special Effects sind, im Gegensatz zum Konkurrenzprodukt "Deep Impact", durch die Bank erstklassig. Sehr eindrucksvoll ist der Anflug der Shuttles an den Asteroiden und auch der Einschlag der ersten Vorboten in New York bleibt in Erinnerung. Aber man griff nicht nur auf computergenerierte Effekte zurück. Es wurde auch viel mit Minaturen gearbeitet. Während sich die Firma Dream Quest vorallem um den Asteroiden kümmerte (z.B. die Gase die von dem Asteroiden ausströmen), waren insgesammt 13 verschiedene Firmen mit den restlichen Effekten beschäftigt. Kein SFX im eigentlichen Sinne ist der Start der Shuttles. Hier hat das Team in Koordination mit der NASA tatsächlich den Nachtstart eines Shuttles gefilmt. Dafür wurden einige der NASA Kameras gegen spezielle Filmkameras ausgetauscht. Diese Aufnahmen wurden dann für den Film digital nachbearbeitet.

Fazit: Actionknaller erster Güte, der einem kleinere Längen und größere Ungereimtheiten vergessen läßt.

8 von 10 Meteroitenregen

Dirk Jasper FilmLexikon
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