Produktionsnotizen zu Armageddon

"Ich liebe Geschichten, die größer sind als das Leben", sagt Produzent Jerry Bruckheimer. "Speziell, wenn die Geschichte so vielschichtig ist wie bei Armageddon. Hier geht es nicht nur um einen Asteroiden, der Kurs auf die Erde hält und sie zerstören wird, wenn man nichts unternimmt. Tatsächlich ist es die Geschichte einer Gruppe von Menschen, die vor Entscheidungen gestellt werden, die über Leben und Tod entscheiden. Und gleichermaßen geht es um diese Typen, eine Art dreckiges Dutzend im Weltall.

Wenn man dann noch Schauspieler vom Format eines Bruce Willis, eines Billy Bob Thornton, eines Ben Affleck oder einer Liv Tyler dazuholt und sie auf eine wilde Reise schickt, dann ergibt das einen interessanten Film. Ich liebe solche Projekte."

"Ich wollte einen Film mit Action machen, aber mir war nicht klar, welchen Kurs das Genre nehmen würde", erklärt Regisseur und Produzent Michael Bay. "Nach The Rock - Fels der Entscheidung wurden mir jede Menge Projekte angeboten, aber keines wollte mir so richtig gefallen.

Eines Tages meldete sich Jonathan Hensleigh bei mir und meinte, er hätte eine gute Idee für einen Film mit einem Asteroiden, etwas, was man in dieser Form noch niemals gesehen hätte. Die Regierung würde Space Shuttles losschicken, die auf dem Asteroiden landen müßten. Das fand ich ganz schön cool."

Während Jerry Bruckheimer nie besonders an der Erforschung des Weltalls interessiert war, ist er ein großer Fan packender Geschichten, speziell wenn sie in Form eines aufregenden Actionabenteuers präsentiert werden. "Ich habe mich nie mit dem Gedanken befaßt, ins All zu reisen. Dafür gibt es auf der Erde noch viel zu viel zu entdecken", lacht Bruckheimer, "aber ich muß gestehen, dass ich von Jonathans Geschichte fasziniert war. Ich mag es, neue Grenzen auszuloten und dabei Insiderinformationen zu benutzen, die unsere Filme noch satter und realistischer machen."

"Wir haben sofort begonnen, Ideen zu sammeln. Drei Wochen lang traf ich mich jeden Tag mit Jonathan", erin-nert sich Michael Bay. "Schließlich hatten wir eine lässige Geschichte, die sehr heroisch war. Es kamen keine Knarren darin vor, dafür gab es um so mehr Emotionen. Und Geschichten über Underdogs haben mich schon immer angezogen."

Gemeinsam mit Donald DeLine, dem Präsidenten von Touchstone Pictures, und Mike Stenson, dem ausführenden Vizepräsidenten der Company, hatten Bay und Hensleigh ein Treffen mit Joe Roth, dem Vorsitzenden der Walt Disney Studios, um ihm ihre Geschichte vorzuschlagen. Roth war begeistert und schlug sogar den Titel des Projekts vor: Armageddon. Bei diesem Treffen existierte noch kein Drehbuch, aber Bay und Hensleigh machten sich sofort an die Arbeit und stellten zwei Tage nach Weihnachten 1996 ihre erste Fassung fertig.

"An Silvester rief mich Joe an und gab mir grünes Licht für den Film", meint Bay. "Ich fragte Jerry Bruckheimer, ob er in das Projekt einsteigen wolle. Mit ihm an unserer Seite nahm der Stoff schnell deutliche Formen an. Von Januar bis August, als wir mit den Dreharbeiten begannen, arbeiteten wir an einer neuen Drehbuchfassung nach der anderen, bis wir endlich zufrieden waren."

Um einem der aufregendsten Actionskripts in der Geschichte Hollywoods den letzten Schliff zu verpassen, versammelte Bruckheimer, der ungekrönte Meister des Genres, eine Gruppe von erstklassigen Autoren um sich, zu denen J.J. Abrams, Tony Gilroy, Scott Rosenberg, Shane Salerno, Ann Biderman, Oscar-Gewinner Robert Towne und Paul Attanasio gehörten. Acht Wochen lang arbeitete diese Truppe täglich 16 Stunden an Armageddon, um die Geschichte zu perfektionieren. Ihr Einsatz und Bruckheimers und Bays Vision trugen maßgeblich dazu bei, dass man pünktlich zum Drehstart ein umwerfendes Skript vorweisen konnte.

In enger Zusammenarbeit mit Bay überarbeitete Salerno, einer der angesagtesten Newcomer der Szene, die An-fangssequenzen. Nach einigen Fehlversuchen hatte er die Idee, Teile des Asteroiden auf ein Space Shuttle auf Erdumlaufbahn prallen zu lassen. In nur wenigen Sekunden werden Raumschiff und Crew pulverisiert, und die NASA wird so schlagartig auf drastische Weise darauf aufmerksam, dass Gefahr im Verzug ist. Mit einem Schlag wird das Publikum in diese fantastische Geschichte hineingezogen.

"So entstanden im klassischen Studiosystem die besten Filme", erläutert Bruckheimer. "Wir nutzten die ganz speziellen Talente der besten Autoren, um sie das tun zu lassen, was sie am besten können, ob es nun darum ging, den Figuren Kontur zu verleihen, denkwürdige Dialoge zu schreiben oder die Geschichte auf ungewöhnliche Weise voranzutreiben. So bastelten wir an dem Buch, bis es absolut ohne Makel war."

Nachdem Bruckheimer, Bay und die Produzentin Gale Anne Hurd ihre ursprünglichen Nachforschungen abgeschlossen hatten, erkannten die Filmemacher, dass es unbedingt notwendig war, mit Experten der NASA die technischen Aspekte des Films genauestens durchzuarbeiten. "Die größte Herausforderung war es, das Einverständnis der NASA zu erhalten", weiß Bay. "Ohne ihr Okay hätten wir den Film niemals fertigstellen können. Wir wollten so realistisch wie möglich sein und waren daher gezwungen, auf ihre Hardware zurückgreifen. Die kann man nicht einfach nachbauen, zumindest nicht in dem Maße, wie wir uns das in den Kopf gesetzt hatten. Wir wollten einen epischen Film drehen."

Bruckheimer stimmt zu: "NASA und die Luftwaffe waren sehr entgegenkommend. Sie waren tolle Partner, und wir hatten großes Glück, dass sie uns Tür und Tor öffneten. Das war schon klasse, dass wir über ihre Anlagen trampeln, dem Start eines Shuttles zusehen, auf der Startrampe laufen und ihre Astronauten und Wissenschaftler treffen durften. Es ist überwältigend, auch nur einen kurzen Moment an ihrem Leben teilhaben zu dürfen." "Ich muß ganz ausdrücklich unserem ausführenden Produzenten Jim Van Wyck danken, der den Ball mit der NASA ins Laufen brachte", freut sich Bay. "Er war wie ein Pitbull-Terrier. Er ging mit unseren Zeichnungen schnurstraks zur NASA und begeisterte sie für das Projekt. Nach seinem ersten Gespräch hatten wir schon gewonnen."

Der Regisseur fährt fort: "Im Film entdeckt ein Amateur den Erdenkiller zur gleichen Zeit, wie die NASA erkennt, dass eines ihrer Shuttles vom Radar verschwunden ist. Zur Zeit werden die meisten Erdenkiller von Amateuren entdeckt, aber es sind die NASA und das Militär, die als einzige dieses Problem lösen können."

In Armageddon lastet das Schicksal der Erde ausschließlich auf den Schultern des NASA-Exekutivdirektors Dan Truman, der von Oscar-Gewinner Billy Bob Thornton dargestellt wird. "Truman ist der Mittelpunkt des Films", sagt Bruckheimer. "Er ist der Mann, auf den man sich während des gesamten Filmes verlassen kann. Zunächst glauben alle, dass seine Idee zur Rettung der Menschheit Unsinn ist, also ist er gezwungen, sich durch-zusetzen und auf sich und seine Überzeugung zu verlassen."

"Bei Gesprächen mit Leuten von der Luftwaffe und NASA fand ich heraus, dass die NASA keine militärische Organisation, sondern eine zivile Einrichtung ist", sagt Thornton. "Obwohl sie sich Militärgesetzen nicht beugen müssen, soll die NASA dennoch mit dem Militär Hand in Hand arbeiten. In diesem Fall spiele ich den Boß - naja, der Präsident hat offensichtlicher Weise das Sagen, aber Truman ist es, der seine Karriere aufs Spiel setzt."

Eigentlich ist es nicht Thorntons Stil, in großen Ereignisfilmen mitzuwirken, aber schließlich waren die Ge-schichte und seine Figur so überzeugend, dass er die Rolle dennoch übernahm. Er meint: "Ich konnte das Skript nicht mehr aus der Hand legen, aber am meisten war ich von meinem Part angetan. Es ist eine ganz andere Figur, als die, die ich zumeist darstelle. Meistens spiele ich Freaks oder Bösewichte oder gute Menschen, die aber aussehen wie Freaks. Die Gelegenheit, mich einmal in einem Anzug vor die Kamera zu stellen und den Helden zu spielen, war verlockend. In jedem Fall war es einmal etwas ganz anderes." Trumans Plan ist es, eine Crew zum Asteroiden zu schicken, ein Loch in seine Oberfläche zu bohren und dort eine Nuklearbombe zu deponieren. Er stellt schnell fest, dass nicht jeder 300 Meter tiefe Löcher bohren kann. Also wendet er sich an den weltberühmten Ölbohrer Harry S. Stamper. "Wie die Leute bei der NASA ist Harry der beste in seinem Fach", erklärt Michael Bay. "Nach Öl bohren, ist ein verdammt gefährlicher Job, also hielten wir Ausschau nach einem Typen, der tough sein sollte, sich aber mit NASA-Angelegenheiten nicht im geringsten auskennen durfte. Nach langer Suche fanden wir schließlich drei Jungs, nach deren Vorbild wir Harry skizzierten."

Harry Stamper wird von Bruce Willis gespielt. Er wird zum unerwarteten Helden der Geschichte, der von NASA ausgewählt wird, um die Erde zu retten. "Bruce Willis hatte ein intuitives Gefühl dafür, wer dieser Harry ist und wie er ihn zu spielen hatte", sagt Bruckheimer. "Er ist ein ganz normaler Typ, er ist wie du und ich, und du willst so sein wie er, willst dich in ihm sehen. Diese Qualität prädestiniert Bruce Willis zum Filmstar. Wenn man mit ihm arbeitet, dann muß man sich keine Sorgen mehr machen: Er ist gut vorbereitet, er weiß, was er machen will, und er weiß, wie man das Publikum auf seine Seite bringt. Bruce Willis hat es einfach drauf, Harrys Qualitäten darzustellen, sein Pflichtbewußtsein und seinen bescheidenen Mut."

Bruckheimer und Bay investierten viel Zeit, um ihr dreckiges Dutzend zusammenzustellen. Sie flogen nach Idaho, um Bruce Willis dazu zu überreden, die beiden bei ihrem Kreuzzug zu unterstützen, den weltbedrohenden Asteroiden zu zerstören. "Wir flogen nach Sun Valley", berichtet Bruckheimer. "Ich hatte mit Bruce Willis schon öfters über Projekte gesprochen, aber leider ließen sich unsere Terminpläne nie vereinbaren. Diesmal hatte ich Glück. Wir hatten noch kein fertiges Drehbuch, aber Bruce Willis schenkte Michael und mir das nötige Vertrauen und machte mit."

"Bruce Willis stand auf unserer Liste ganz oben", stimmt Michael Bay zu. "Ich hätte aber nie gedacht, dass er zusagen würde. Er ist ein starker Schauspieler, der absolut Richtige für die Rolle. Mir gefiel es, dass er Erfahrung mit großen Actionfilmen hat, aber dass er auch bei kleineren, interessanten Parts Risiken eingegangen war."

Als Hensleigh die Figur des Harry Stamper erdachte, hatte er stets den legendären Red Adair, den todesmutigen Brandbekämpfer, im Hinterkopf, der den Autoren schon immer fasziniert hatte: "Ich versuche ständig, Ideen und unterschiedlichste Versatzstücke - aus der amerikanischen Kultur, Weltereignissen, der Geschichte - miteinander zu kombinieren und suche entsprechend eifrig nach interessanten Themen und Figuren. Ich wollte schon immer eine Geschichte über eine Situation schreiben, in der Zivilisten gezwungen werden, ins Weltall zu fliegen. NASA-Astronauten sind Ingenieure, Physiker oder Mathematiker, kurz gesagt: Wissenschaftler, aber was würde passieren, wenn die NASA auf einmal einen Automechaniker ins Weltall schicken müßte, der etwas reparieren kann, wozu ein Astronaut nicht in der Lage ist? Ich habe viele Mechaniker kennengelernt, die auf ihrem Gebiet außerordentlich begabt sind und ausgesprochen komplizierte Handlungsabläufe beherrschen, die manchen Aka-demiker ins Staunen versetzen."

"Harry soll die Welt retten", konstatiert Bruce Willis. "Sie sagen ihm, dass er der Einzige ist, der diesen Asteroiden stoppen kann. Die Anwort fällt ihm nicht schwer, ich meine, soll er etwa "Nein" sagen? Aber er läßt sich auf die Mission nur ein, wenn er seine Crew mitnehmen kann. Außerhalb ihrer Arbeit sind sie nicht so hinreißend, sie haben keinerlei soziale Umgangsformen, aber sie sind erstklassige Ölbohrer, und Harry weiß, dass er ohne sie auf verlorenem Posten steht."

Bay bezeichnet die Besetzung von Armageddon als "eklektisch" und ist immer noch begeistert, dass so viele versierte Schauspieler aus dem Independent-Bereich ihre Beteiligung an dem Projekt zusagten: "Es ist so eine angesagte Idee, Leute wie Buscemi, Bruce Willis, Billy Bob Thornton und Liv Tyler in einen großen Actionfilm zu stecken. Wir waren unglaublich glücklich, dass sie mitmachten. Noch mehr Glück hatten wir, dass wir Jungs wie Ben Affleck, Owen Wilson und William Fichtner auswählten, bevor ihnen der Durchbruch gelang. Wir haben eine gute Wahl getroffen."

Will Patton, der Harrys besten Freund Chick darstellt, gefiel es besonders, bei einem Actionfilm mitzuwirken, der sich über die Vorhersehbarkeit des Genres hinwegsetzt: "Das Schöne an dem Film ist, dass es ausnahmsweise nicht um Männer geht, die sich hassen und deswegen die gewalttätige Auseinandersetzung miteinander suchen. In diesem Film gibt es keine richtige Gewalt. Es geht um ganz normale Menschen aus Fleisch und Blut, die sich gegen den Asteroiden, den technischen Wahnsinn und all das einhergehende Chaos stellen müssen. Das macht die Geschichte sehr interessant."

Einer von Harrys ungewöhnlichsten Männern im Team ist Rockhound, der von Steve Buscemi gespielt wird. Er ist ein brillanter Geologe mit zahlreichen Abschlüssen und Belobigungen diverser Universitäten und will sich mit dem Gedanken, ins All geschossen zu werden, nicht so recht anfreunden. "Er macht mit, weil Harry ihn darum bittet", sagt Steve Buscemi. "Tief im Innern glaubt er aber nicht, dass es sich lohnt, die Erde zu retten. Er glaubt, dass die gesamte Mission von vornherein zum Scheitern verurteilt ist, also macht er allen das Leben schwer, was eigentlich ganz witzig ist."

Wie Peter Stormare, der den russischen Kosmonauten Andropov spielt, und Owen Wilson als der Zenartige Bohrexperte Oscar Choy gehört auch Steve Buscemi zu den Schauspielern, die spielend in jeder Szene den Blick auf sich lenken. Deshalb wurden sie von Michael Bay auch ermutigt, bei den Dreharbeiten so viel wie möglich zu improvisieren. "Steve Buscemi hat einen wunderbaren Sinn für schwarzen Humor", lacht Bruckheimer. "Keiner spielt diese Rollen besser als er. Man sieht ihn an, und man glaubt ihm. Ich habe bei Con Air das erste Mal mit ihm gearbeitet und wollte ihn unbedingt auch für Armageddon haben. Das hat gut funktioniert, denn auch Michael war von der Idee begeistert. Peter Stormare sah ich zum ersten Mal in Fargo, und ich war begeistert von seinem Mienenspiel, war aber nicht sicher, ob er auch reden kann. Wir luden ihn ein, er sprach vor und war hervorragend. Peter ist so charmant, dass wir ihn einfach nur baten, er selbst zu sein. Ich muß Peter und Steve Buscemi Komplimente machen: Sie ließen sich klasse Dialoge einfallen und verbesserten das ohnehin tolle Drehbuch damit noch einmal zusätzlich."

"Im Zweifel entscheide ich mich immer für das Schräge, das Ungewöhnliche", gesteht Michael Bay. "Wann immer etwas Witziges auch echt und real wirkt, lasse ich mich sofort darauf ein. Owen hatte im Drehbuch beispielsweise nicht allzu viel Dialog, aber er improvisiert gern. Er erweckte seine gesamte Figur erst am Set zu Leben, wurde auf einmal dieser Typ, der als einziger unbedingt zu diesem Asteroiden fliegen wollte und dem Himmelfahrtskommando etwas Positives abgewinnen konnte. Das komödiantische Element war wichtig, weil es so eine tragische Geschichte ist. Hin und wieder muß man einfach lachen, das ist nur menschlich. Man kann nicht immer nur ernst sein, das wäre viel zu langweilig."

Nachdem er in kleineren Filmen wie Good Will Hunting und Chasing Amy sein Talent unter Beweis gestellt hatte, war Ben Affleck bereit, sich auch einmal an einem Action-Unternehmen der Marke Bay-Bruckheimer zu versuchen: "Das Drehbuch fand ich sehr aufregend. Es ist eine coole Geschichte. Das Konzept gefiel mir, die menschliche Seite und natürlich auch der Weltraum-Aspekt. Wen würde das nicht anmachen? Ich meine, Jerry Bruckheimer ist eine Legende. Er hat den Blockbuster eigenhändig erfunden. Er hat das gesamte Business verändert, er ist ein Gigant unserer Industrie. Über Michael Bay hatte ich nur gehört, dass er viel rumbrüllt. Er ist ein bißchen verrückt, schreit wie am Spieß, aber in dem Moment, als er sagte: "Schnitt! Das war schrecklich, gleich noch einmal", da wußte ich, dass ich einen Regisseur gefunden hatte, dem ich unbedingt vertrauen konnte. Für mich ist das wichtig. Michael hält sich nicht zurück. Wenn er sagt, dass eine Aufnahme gut war, dann kann man ihm auch glauben."

Während der Dreharbeiten wurde Good Will Hunting zum Überraschungshit der amerikanischen Weihnachtssaison und Ben Affleck über Nacht zum Star. Als Drehbuchautor gewann er mit seinem Freund Matt Damon einen Golden Globe und einen Oscar. Obwohl er vom Armageddon-Team wegen seines neuen Images als Mädchenliebling gehänselt wurde, waren alle doch auch sehr stolz auf seine Leistung.

"In dem Moment, als Ben Afflecksich vorstellte, wußte ich, dass wir unseren A.J. gefunden hatten", erinnert sich Jerry Bruckheimer. " Good Will Hunting war noch nicht veröffentlicht. Wir hatten Chasing Amy gesehen und fanden ihn interessant. Er sprach in meinem Büro vor, und jeder wollte wissen, wer dieser Junge war, was mich wieder einmal darin bestätigte, dass ich mich auf meinen Instinkt für neue Talente verlassen kann."

"A.J. ist ein junger, draufgängerischer Typ", meint Bay. "Er ist so, wie Harry als Jugendlicher einmal war. Er geht Risiken ein, vor denen andere zurückschrecken würden, und kann sich auf seine Intuition verlassen. Des-halb hat Harry auch so viele Probleme mit A.J.: Er sieht sich selbst in dem Jungen, und das macht ihm Angst, besonders, wenn es um seine Tochter geht."

Bruce Willis sieht das ähnlich: "Harry denkt, dass A.J. ihm sehr ähnlich ist. Und weil wir anderen immer das beizubringen versuchen, was wir selbst lernen müßten, nimmt Harry A.J. härter ran als jeden anderen auf der Plattform."

A.J. verliebt sich in Harrys Tochter Grace, die von Liv Tyler gespielt wird. Von ihrer Mutter sitzengelassen, wurde sie von ihrem Vater großgezogen und reiste von einem Ölbohrturm zum nächsten um die Welt.

"Harry Stamper ist ein harter Hund", befindet Bruce Willis. "Er kommt aus einer Familie, die stolz auf ihre selbständigen Männer ist, und natürlich geht das nicht spurlos an Grace vorbei."

"Harry will nicht, dass Grace mit einem Mann zusammen ist, der für Harry wie ein Sohn ist", sagt Liv Tyler. "Er will, dass sie es einmal besser hat als er. Dieses Leben auf den Plattformen ist ohne Ziel, ohne Zukunft, aber sie kennt nichts anderes und liebt dieses Leben."

Wie Ben Affleck mußte Liv Tyler schon früh lernen, mit ihrer plötzlichen Popularität umzugehen, und befindet sich in der beneidenswerten Situation, eine der gefragtesten Schauspielerinnen ihrer Generation zu sein. "Liv Tylerhat für ihr Alter schon ungeheuer viel auf dem Kasten", lobt Bruckheimer. "Sie gibt dem Film Unschuldigkeit und Sinnlichkeit. Wie fast alle unsere Schauspieler machte sie ihre Figur während des Drehs noch stärker, als sie im Drehbuch war. Deshalb war sie meine erste und einzige Wahl. Sie hat ein paar mal "Nein" gesagt, aber ich habe nicht locker gelassen."

Und Liv Tyler sagt: "Ich hätte nie gedacht, dass ich in einem derartigen Film jemals mitspielen würde. Dann fand ich heraus, dass Billy Bob Thornton, Steve Buscemi und mein Freund Ben Affleckauch mitmachen würden. Und ich dachte mir: "Wenn ich schon dem Ende der Welt ins Gesicht sehen muß, dann wenigstens mit ihnen". Wenn sie keinen Ausweg finden, dann schafft es keiner."

Dirk Jasper FilmLexikon
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