Ernst Corinth über Ein perfekter Mord

Steven Taylor (Michael Douglas) hat gewußt, warum er seiner Frau Emily (Gwyneth Paltrow) kein Handy gekauft hat. Sonst wäre sein mörderischer Plan völlig in die Hose gegangen. Gleichwohl ist es schon ein wenig überraschend, dass in dem Schöner-Wohnen-Appartement der beiden New Yorker Multireichen kein einziges "Home-Handy" herumliegt, sondern nur ein oller Telefonapparat an der Küchenwand hängt. Genau der klingelt dann um Punkt 22 Uhr, Emily verläßt genervt ihre Luxuswanne, hebt den Hörer ab, und plötzlich taucht ein von ihrem Mann gedungener Killer auf, der sie ins Jenseits befördern soll. Doch Emily ist schneller, und den Rest besorgt tatsächlich ein Bratenthermometer.

Wer jetzt an Alfred Hitchcock, seinen Film "Bei Anruf Mord" und an Grace Kelly, die damals zur Schere griff, denkt, der hat Recht. "Ein perfekter Mord" ist nämlich der Auftakt einer geplanten kleinen Reihe von Hitchcock-Remakes, die demnächst mit Gus van Sants "Psycho" fortgesetzt wird. Der Film selbst ist zwar zeitweise recht spannend, aber mehr als ordentlich gemachte Hollywood Konfektionsware hat Regisseur Andrew Davis leider nicht abgeliefert.

Seine Figuren wirken einfach zu glatt, zu langweilig: Emily ist eine schwerreiche Luxusblondine, die sich ausgerechnet in einen zwielichtigen Typen (Viggo Mortensen) verliebt, der ausschaut wie ein alternativer Bremer Tischlergeselle und zudem scheußliche Bilder malt. Ihr Mann Steven dagegen hat sich just an der Börse bös verspekuliert und wird nun auch noch mit Emilys Ehebruch konfrontiert. dass er aber deswegen einen diffizilen Mordplan entwickelt, kauft man sogar Michael Douglas nicht so recht ab. Obwohl die Sonnenbrille ihm gut steht. Und man selbst gern in dem Appartement wohnen möchte.

© 1999 Ernst Corinth © 1994 - 2010 Dirk Jasper