Gerhard Heeke über Lola rennt

"Lola rennt", sie rennt, um das Leben ihres Freundes Manni zu retten. Manni ist als Autoschieber tätig. Eigentlich sollte er die 100.000 DM aus dem letzen Deal seinem Boß abliefern. Aber durch einen dummen Fehler verliert er das Geld und hat nun - nicht zu unrecht - Angst um sein Leben. Lola versucht ihn zu beruhigen und innerhalb von 20 Minuten die benötigten hunderttausend zu besorgen. Sie läuft los. Während Sie versucht das Geld von ihrem Vater, einem Bankdirektor, zu bekommen, dreht Manni durch und er überfällt einen Supermarkt. Als Lola ankommt ist der Überfall schon im vollen Gange und sie macht mit. Plötzlich wimmelt es überall von Polizei, es fallen Schüsse ...

Mit dem scheinbaren Ende des Films nach ca. einer halben Stunde, geht es erst richtig los. Denn ähnlich wie in "Und täglich grüßt das Murmeltier" oder "12:01" spielt der Film nun verschiedene Variationen der Geschichte durch. Mal bekommt z. B. Lola das Geld, mal nicht. Aber der Zuschauer sieht nicht nur die verschiedenen Varianten der Geschichte, er/sie wird auch immer neue Details der Geschichte gewahr. Außerdem hat sich der Regisseur Tom Tykwer einen netten Gag einfallen lassen. Das zukünftige Leben der Menschen, die Lola während ihres Laufes - wortwörtlich - trifft, wird in einer kurzen Fotoreportage erzählt. Aber auch sonst weist der Film einige Besonderheiten auf. So werden z. B. Video, 35 mm und Zeichentrick miteinander verwoben um die Story zu erzählen. Die Musik, schnell und rhythmisch, tut das ihrige dazu.

In der Hauptrolle ist Franka Potente, bekannt aus "Nach fünf im Urwald", zu sehen. Franka Potente ist es gelungen, einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Während die Rolle ansich einen dazu tendieren läßt, nur die "Lauferei" im Gedächtnis zu halten, schafft sie das Lebensgefühl und die Lebendigkeit der jungen Frau darzustellen und in das Gedächtnis der Zuschauer zu brennen.

Max Bleibtreu (Knockin' on Heavens Door) spielt sehr emotional den jungen Manni. Die Angst und die Ungeduld, die in Manni hochkommt, wird förmlich greifbar. Die Besetzung der beiden Hauptrollen erweist sich so als Glücksgriff. Aber auch die anderen Rollen sind mit bekannten Gesichtern besetzt. Obwohl man Joachim Król als Penner oder Heino Ferch mit seiner Glatze kaum wiedererkennt.

"Lola rennt" ist ein etwas anderer deutscher Film. Er hat Witz, Spannung und vermittelt Lebensgefühl. Aber dennoch hat mir etwas gefehlt. Ich bin mir noch nicht sicher was genau, aber ich hatte die ganze Zeit über das Gefühl eine wirklich gut gemachte *TV* Produktion zu sehen und nicht einen KINOfilm. Für einen wochendlichen Kinoeintritt war es etwas wenig. Für einen vergünstigten Kinotag hingegen, ist "Lola rennt" eindeutig eine Empfehlung.

Fazit: Deutscher Film mit wirklich interessanten Aspekten.

6 von 10 Staffelläuferinnen

Dirk Jasper FilmLexikon
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