Dietmar Schmalfuss über Lola rennt

Szenenbild Filmkritik zu Tom Tykwers "Lola rennt" anläßlich der Video-Veröffentlichung am 17.03.1999 Lola läuft noch einmal - Empfehlungen zum erste Jump-and-Run-Adventure in der Geschichte des deutschen Films Seht ihre roten Haare im Wind!

Hört auf Sepp Herbergers Verkündigung, gegeben anläßlich Lolas Start: "Der Ball ist rund. Das Spiel dauert 90 Minuten, alles andere ist Theorie!"

Laßt Lola laufen!

Wofür?

Für ihren Manni. Und ein wenig auch für Euch. Vergeßt Polizei und Mafia. Die 100.000 DM Schiebererlös im Plastikbeutel in der U-Bahn einfach liegen lassen!

Kein Geld für irgendwelche ausländischen Verbrecher aus dem Supermarkt an der Ecke stehlen, wie Manni. Denn nur für Euch wird keine Lola laufen. Ihr habt keine 3*20 Minuten und keine 3 Leben. Wenn Lola startet, ist es 3 vor 12. 3 Jahre vor dem Ende des Jahrtausends. Eure Vorgänger hätten wie bei der letzten großen Umwälzung noch über Auswege philosophiert. Ihr habt dafür bestimmt schon einen Cheat, gefunden irgendwo im Internet mit dem Plastiksteuer in der Hand. Ihr werdet ihn brauchen. Gemeinsam werdet ihr alle Rätsel gelöst, jedes Level schaffen. Ihr habt alle Zeit der Welt. 3 Minuten. Und was werdet Ihr dafür bekommen?

Eine digitale Endsequenz vom sterbenden Supergegner. Dennoch habt Ihr es besser als Lola. Sie muß 3 mal vergebens rennen, um Geld von ihrem Vater aus der deutschen Transferbank zu bekommen. Denn Eure Väter werden Euch helfen, mit etwas wertvollerem als Geld, mit ihrer Erfahrung. Sie kennen ernstere Probleme, als die mit einer Geliebten. Eure Väter werden Euch nicht verleugnen und Eure Mütter vereinsamen lassen im Luxus zwischen Alkohol- und Konsum. Laßt den Hund an der Treppe ruhig nach Euch schnappen, Lola hat er schließlich auch nicht gebissen.

Ihr dürft Euch beim ersten und entscheidenden Mal nicht verspäten, wie Lola, die dann von einem übereifrigen Polizisten getötet wird.

Denn Unrecht Gut gedeihet nicht. Lola auch kann beim zweiten Lauf mit dem geraubten Geld entkommen. Ob ihrer freundlichen Unscheinbarkeit von der Polizei nicht ernst genommen. Dies hift aber ihrem wartenden Manni dennoch nicht, der von soviel Glück überrrascht, vergißt auf den Verkehr zu achten und vom roten Rettungswagen überfahren wurde.

Im Spiel kann Lola eingreifen und wieder ein neues Level beginnen, nachdem sie sich vorher Mannis Liebe versichert hat.

Beim dritten Anlauf, Lolas Vater reduziert sich auf ein kleines Rädchen im ferngesteuerten Mechanismus des Lebens, muß Lola schreiend siegen. Das Mädchen von Nebenan im Casino, mit Jeans und roten Haaren und ihren läppischen 100 DM.

Achtung Irrweg! Wenn Lola mit dem Schrei des verwöhnten Kindes Erfolg hat, wie weiland Oskar Matzerath, so ist dies die falsche Botschaft. Euch behandelt man ernster, an der Börse. Doch Vorsicht, es gelten die gleichen Spielregeln wie im Casino.

Denn selbst in unserem Land, wo es oft gereicht hat, nur einmal richtig für seine Interessen Krach zu schlagen, wird sehr bald ohne stetiges strebendes Bemühen nichts mehr zu holen sein.

Gebt nicht wie Manni Waffen an die Ärmsten, das ist nur im Spiel eine zulässige Lösung!

Auch wenn Ihr wie Manni schnell noch das Geld an die Ganoven zurückgebt, bleibt Ihnen nichts schuldig.

Wartet nicht auf Lola und auf die Erfahrungspunkte aus vorhergehenden Leveln, auch wenn die künstliche Intelligenz der mitspielenden Figuren (Frau mit Kinderwagen, Radfahrer, Bankwachmann, Fahrer des roten Rettungswagens) sich stetig erhöht. Ihr habt im Spiel keine Möglichkeit einzugreifen.

Achtet auf die Großväter, ihr Reden nach tiefster Depression ist wie Handeln.

Gebt Euren Vätern eine Chance.

Und passt auf Euch auf!

Was bleibt: Kein Computerspiel. Kein Videoclip. Kein Film.

Aber: Ran Lola ran.

Dirk Jasper FilmLexikon
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