Produktionsnotizen zu Lethal Weapon 4

Szenenbild 1987 lernten die Zuschauer zwei unvergeßliche Kinohelden kennen - der Film hieß "Lethal Weapon" (Zwei stahlharte Profis): Es ging zum einen um Martin Riggs, einen hypernervösen Cop, den der Tod seiner Frau derart aus dem Gleichgewicht geworfen hatte, dass ihm sein eigenes Leben keinen Pfifferling mehr wert war. Sein neuer Partner war Familienvater Roger Murtaugh, der einzig und allein auf seine Rente wartete, niemandem auf die Füße treten und vor allem selbst mit heiler Haut davonkommen wollte.

dass Riggs sein Leben derart rücksichtslos aufs Spiel setzte, erwies sich als Erfolgsgarant: Er jagte Verbrecher buchstäblich wie ein Verrückter. Natürlich dachte er dabei nie an seinen älteren und vernünftigeren Partner Murtaugh, der sich über Riggs' Todesverachtung mit Recht aufregte; die Folge war ein Feuerwerk von Schimpfkanonaden, mit denen die beiden sich gegenseitig beharkten, und zusammen mit den atemberaubenden Stunts und hektischer Action sorgte das für spannende und rundum gelungene Kinounterhaltung. Durch seine Freundschaft mit der Familie Murtaugh fand Riggs nach und nach ins Leben zurück, und der grantige Murtaugh konnte nicht umhin, sich von Riggs' bedingungslosem Einsatz anstecken zu lassen. Natürlich ließ sich auch das Publikum anstecken.

"Lethal Weapon 2" (Brennpunkt L. A.) kam zwei Jahre später in die Kinos und zeigte einen Riggs, der emotional zwar etwas stabilisiert, aber im Grunde ein irrer Draufgänger geblieben war, während Murtaugh im Zweifelsfall immer noch auf Nummer Sicher ging. Auftritt Leo Getz, ein Kronzeuge des Staatsanwalts, dem Riggs und Murtaugh Polizeischutz gewährten. Komiker Joe Pesci gestaltete die Rolle als eine manische Tour de force und ergänzte damit die kongenial kinogerechte Beziehung zwischen Gibson und Danny Glover auf traumhafte Weise. "Brennpunkt L. A." erwies sich als noch erfolgreicher als der originale Superhit.

Weitere drei Jahre später startete "Lethal Weapon 3" (Brennpunkt L. A. - Die Profis sind zurück). Endlich traf Riggs eine Frau, die es mit ihm aufnehmen konnte: Polizistin Lorna Cole (Rene Russo) aus der Internal-Affairs-Abteilung. Die Liebesgeschichte zwischen den beiden entwickelte sich ähnlich ungewöhnlich wie die beiden Lover, die daran beteiligt waren - kein Wunder also, dass sich diese Kombination zusammen mit knallharter Action und einer reichlichen Prise Humor als größter Kassenerfolg der Serie entpuppte.

Jetzt meldet sich das bewährte Team - von Martin Riggs bis Lorna Cole - wieder zum Dienst - wobei ein paar wichtige neue Köpfe für Unterstützung sorgen.

"Das Publikum kennt diese Typen seit Jahren. Die Zuschauer halten diesen Cops gespannt die Daumen, haben eine regelrechte Beziehung zu ihnen entwickelt", sagt Produzent/Regisseur Richard Donner. "Aus der Beziehung ergeben sich bestimmte Situationen; und aus diesen Situationen ergibt sich die Action des Films." "Riggs und Murtaugh sind aus dem Kino nicht mehr wegzudenken", pflichtet Joel Silver ihm bei. "Der Grund liegt in der Freundschaft, die Mel und Danny gleich zu Anfang, während der Arbeit am ersten Teil, geschlossen haben. Donner und ich wissen sehr genau, was für ein unglaubliches Glück wir vor 12 Jahren hatten, als die beiden den Vertrag unterschrieben."

Danny Glover erinnert sich an die erste Leseprobe 1986: "Ich spielte in Chicago Theater, aber sie ließen mich an meinem freien Tag nach Los Angeles kommen, damit ich bei der Leseprobe in Dick Donners Haus dabeisein konnte. Sie wollten testen, wie Mel und ich miteinander auskamen. Innerhalb von Minuten klickte es zwischen uns - das werde ich nie vergessen."

"Ich habe noch nie erklären können, wie unsere Beziehung funktioniert", sagt Gibson. "Tatsache ist aber: ich ?kapiere ihn', und er ?kapiert mich'. Er ist hilfsbereit, großzügig und ein hervorragender Schauspieler."

Für Mel Gibson heißt das neue "Lethal Weapon"-Sequel ganz klar voller Einsatz in dem Bemühen, den Qualitätsstandard der ersten drei Filme zu halten, wenn nicht gar zu übertreffen. "Es ist sehr schwierig, eine Sache zweimal gut hinzubekommen. Dreimal ist noch komplizierter und viermal fast unmöglich. Wir haben allerdings den Vorteil, dass wir wirklich gerne zusammenarbeiten; wir kennen unsere Figuren in- und auswendig, sie sind uns sympathisch; auch das Verhältnis zu den Filmemachern könnte nicht besser sein. Für das, was wir da oben auf die Leinwand bringen, stehen wir mit unserer ganzen Persönlichkeit voll ein."

Gibson und Glover sind davon überzeugt, dass der Schlüssel zum Erfolg der Serie bei Richard Donner zu suchen ist: Unübertroffen ist sein Talent, in den "Lethal Weapon"-Filmen Action, Spannung, große Gefühle, die Love-Story und den Humor im richtigen Verhältnis zu dosieren, also genau das, was ansprechende Hauptfiguren und den kinogerechten Unterhaltungsfaktor ausmachen. "Zum Glück weiß Dick (Donner), wie diese Filme funktionieren. Als ich anfing, selbst zu inszenieren, habe ich versucht, seinen Enthusiasmus, seinen Instinkt und seine Technik zu kopieren", gibt Gibson zu. "Ich habe reichlich von ihm geklaut."

"Dick ist derjenige, der alles zusammenhält", stimmt Glover zu. "Die Filme funktionieren, weil er sich mit Leidenschaft und Energie für sie einsetzt."

Falls man ein gutes Verhältnis mit einer funktionierenden Ehe vergleichen kann, dann feiern Riggs und Murtaugh demnächst ihren 12. Hochzeitstag, doch sie sind mit ihrer Beziehungskiste auf der Leinwand durchaus nicht allein. Dazu Joel Silver: "Zwischen Mel und Rene Russo als Lorna Cole knisterte es sofort. Die erotische Spannung zwischen den beiden bietet nicht nur einen herrlichen Entertainment-Faktor, sondern sie wirkt vor allem absolut glaubwürdig. Alle Fans der ?Lethal Weapon'-Serie warten darauf, die beiden wieder zusammen zu erleben." Lorna ist in "Lethal Weapon 4" (Lethal Weapon 4 - Zwei Profis räumen auf) natürlich wieder dabei; sie und Riggs sind immer noch verliebt - und Lorna ist schwanger.

Wie Martin Riggs mit dieser Neuigkeit und den Konsequenzen umgeht, würde Roger Murtaugh normalerweise zu einem breiten Schmunzeln verleiten; doch auch seine Tochter Rianne ist schwanger, und sie will den Namen des Vaters nicht preisgeben. Diese Situation versuchen die beiden Männer zu verdauen, während sie gleichzeitig einem Syndikat auf der Spur sind, das Asiaten illegal ins Land schmuggelt. Und dann ist da auch noch Ex-Ganove Leo Getz (Joe Pesci), der inzwischen Privatdetektiv geworden ist, um endlich mit seinen großen Vorbildern Riggs und Murtaugh zusammenzuarbeiten!

"Leo Getz war schon in Teil 2 tierisch komisch", sagt Donner. "Aber vor allem hat Joe mich beeindruckt, als er in Teil 3 wieder dabei war und seiner Figur völlig neue Seiten abgewonnen hat. Inzwischen gehört er schon zur Familie, so dass Teil 4 ohne ihn undenkbar wäre. Natürlich mischt er wieder voll mit."

Der Schauspieler/Alleinunterhalter/Autor Chris Rock mußte sich in einer fest zusammengewachsenen Film-"Familie" zurechtfinden, als er jetzt zur Besetzung von "Lethal Weapon 4" stieß. Aber nach seiner Aussage war das sogar von Vorteil: "Allesamt zeigten sich die Kollegen überaus hilfsbereit; sie ruhen derart in sich selbst, bringen derart viel Talent mit, dass sie mich mit offenen Armen empfangen haben." Rock war bereits in Filmen wie "New Jack City" (New Jack City) und "CB 4" (CB 4) zu sehen. Begeistert reagierte er, als die Filmemacher ihn ermunterten, bei der Arbeit zu improvisieren. "Dick beobachtet gern, wie sich eine vorgegebene Situation entwickelt, und die Darsteller steigen voll darauf ein", sagt Rock. "Natürlich war ich Feuer und Flamme, denn so arbeite ich seit jeher am liebsten."

"Chris bringt von Hause aus einen ganz raffinierten Humor mit, und den investiert er voll in seine Rolle", sagt Gibson.

Und Donner: "Chris Rock ist außergewöhnlich begabt - er sagt oder tut nie etwas auf genau die gleiche Weise. Seine spontane Kreativität ist wunderbar, weil er uns dadurch so viele Varianten zur Auswahl bietet."

"Die improvisierte Interaktion der Darsteller hat sich in allen Filmen der Serie bewährt, denn die Schauspieler fühlen sich in ihren Rollen seit Jahren zu Hause, und die Beziehungen untereinander lassen sich wirklich mit denen einer Familie vergleichen", stimmt Silver zu.

Jedenfalls kommen Humor und Liebe in den "Lethal Weapon"-Filmen nie zu kurz. Und trotzdem wartet das Publikum ebenso auf Action, Spannung und pyrotechnische Glanzpunkte, die Markenzeichen der Serie. Die Filmemacher haben deswegen einen besonders ansehnlichen neuen Bösewicht an Bord geholt: den chinesischen Actionstar Jet Li, der in der Rolle des Wah Sing Ku sein amerikanisches Debüt und seinen Einstand in einer Schurkenrolle gibt. Produzent Joel Silver erklärt: "Jet Li gehört zu den größten Kassenstars im asiatischen Kino. Seine Fangemeinde zählt nach Millionen. Wir bewundern nicht nur seine sensationelle Martial-Arts-Technik, sondern auch sein schauspielerisches Talent - er wird also seine Fangemeinde auch in den USA vergrößern, sobald das Publikum ihn auf den hiesigen Leinwänden erlebt."

Wie alle bisherigen Filme der Serie beginnt auch "Lethal Weapon 4" mit einem spektakulären Knalleffekt. Diesmal haben es Riggs und Murtaugh mit einem bis an die Zähne bewaffneten Psychopathen zu tun, der mit seinem Flammenwerfer gefährlich nahe an einer Tankstelle plus Tankwagen herumfuchtelt. Auch die Stars Gibson und Glover waren persönlich an der atemberaubenden Sequenz beteiligt, die von 16 Kameras gleichzeitig gefilmt wurde.

Später im Film kommt es zu einer haarsträubenden Verfolgungsjagd auf der Autobahn, bei der Riggs von einem dahinrasenden Wagen auf den anderen umsteigt. Das Produktionsteam mußte ganz nach Las Vegas umziehen, denn auf keinem Freeway in Süd-California ließen sich derartige Aufnahmen realisieren. Die Behörden in Nevada sperrten einen 5 km langen Abschnitt des gerade fertiggestellten Highway 214 für ganze zwei Wochen. Und jawohl, es ist Mel Gibson höchstpersönlich, der auf einem Kaffeetischchen über den Freeway brettert. Im Finale treffen Ost und West hautnah aufeinander: Es kommt zu einem nervenzerfetzenden Duell Mann gegen Mann zwischen Gibson, Glover und Jet Li. Joel Silver beschreibt es so: "Ultimative Martial-Arts-Technik gegen die hartgesottensten und unerschrockensten Streetfighter der Welt." Um diese Szenen mit der denkbar größten Rasanz und höchstem Realismus umzusetzen, arbeiteten eine Reihe von Experten Hand in Hand: Conrad Palmisano, der Regisseur des 2. Drehteams, Stunt Coordinator Mic Rogers, Jet Li selbst, der in mehr als 25 asiatischen Actionfilmen mitgespielt und einen auch selbst inszeniert hat, und Corey Yuen, mit dem Li seit vielen Jahren bei den Kampfszenen eng zusammenarbeitet. Die Aufnahmen für diese Sequenz entstanden in einem Lagerhaus in Vernon und auf zwei Bühnen in den Studios der Warner Bros. Im ersten Studio wurde eine Pier in ein flaches Wasserbecken gebaut. Der letzte Teil des Kampfes entstand in einem anderen Studio mit tiefem Tank, in den Gibson und Li während des Kampffinales stürzen. Die Schauspieler arbeiteten unter Wasser, und Taucher außerhalb des Kamerawinkels waren jederzeit vor Ort, um ihnen bei Bedarf Sauerstoff zuzuführen.

Gibsons Kommentar: "Riggs und Murtaugh beschweren sich zwar immer, sie seien zu alt für den ganzen Scheiß, aber ich muß zugeben: Auch diesmal hat es wieder tierisch Spaß gebracht."

Dirk Jasper FilmLexikon
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