Ausführlicher Inhalt zu Der Pferdeflüsterer

"Seit jenem Augenblick, als dem ersten Pferd ein Halfter angelegt wurde, gab es unter den Menschen einige wenige, die in die Seele der Tiere schauen konnten. Oft hielt man sie für Zauberer, vielleicht waren sie das auch. Und da sie Geheimnisvolles leise in gespitzte Ohren flüsterten, nannte man sie die Pferdeflüsterer." (Nicholas Evans, Der Pferdeflüsterer)

Annie MacLean, Chefredakteurin einer renommierten Zeitschrift, lebt mit ihrem Mann Robert, einem erfolgreichen Anwalt, und der 14jährigen Tochter Grace in einer großzügigen Wohnung am Central Park. Die Wochenenden verbringen sie in ihrem Bauernhaus auf dem Land. Dort passiert das Unglück, das ihr wohlgeordnetes, behütetes Leben auf den Kopf stellt: Beim Ausreiten an einem Wintermorgen verunglückt Grace mit ihrem geliebten Pferd Pilgrim. Ihr Freundin kommt ums Leben, Grace bleibt mit amputiertem Bein und schweren seelischen Verletzungen zurück.

Pilgrim, der mit einem Lastwagen kollidierte, ist so schwer verwundet, dass die Tierärztin ihn einschläfern will. Er ist wie besinnungslos vor Wut, tobt in seinem Verschlag und läßt keinen Menschen in Reichweite kommen. Aus dem friedlichen Tier ist eine gefährliche Bestie geworden. Doch Annie weigert sich, ihn töten zu lassen. Sie spürt, dass seine Verletzungen und die ihrer Tochter miteinander zu tun haben, daß, wenn Heilung möglich ist, sie nur miteinander geschehen kann.

So sehr die Familie MacLean versucht, zu einem normalen Leben zurückzufinden, so aussichtslos scheint dieses Unterfangen. Grace hat ihren Lebensmut verloren, weist alle Bemühungen, ihr zu helfen, zurück. Sie verweigert sich, geht nicht mehr zur Schule und überläßt sich Schmerz, Trauer, Wut und Selbstmitleid. Keine Aussicht auf Genesung. Annie, von einer unaufhaltsamen Energie getrieben, ist nicht bereit, den Stillstand zu akzeptieren. Ruhelos sucht sie nach einem Ausweg, liest alles über kranke Pferde und ihre Heilung. Durch einen Zeitungsbericht über Heiler, sogenannte Pferdeflüsterer, erfährt sie von Tom Booker, dem Mann, der Menschen mit Pferdeproblemen helfen kann. Sie macht ihn ausfindig, doch schon am Telefon sagt er ihr, dass er sich um Pferde mit Menschenproblemen kümmere und nichts für sie tun könne.

Doch Annie läßt sich nicht abweisen. Getrieben von dem Bedürfnis, für ihre Tochter einen Weg aus dem Trauma und der verzweifelten Isolation zu finden, macht sie sich mit einer apathisch-abweisenden Grace und einem fast nicht mehr zu bändigenden Pilgrim auf den weiten Weg nach Montana, quer durch den amerikanischen Kontinent.

Endlich erreichen sie ihr Ziel: die Farm der Bookers. Tom, der Einzelgänger, lebt mit seinem Bruder und dessen Familie, die in reinster Tradition des Westens eine Cattle-Ranch bewirtschaften. Nach anfänglichem Zögern erklärt Tom sich bereit, mit Pilgrim zu arbeiten - unter der Bedingung, dass Grace ihn dabei unterstützt.

Über viele Wochen vollzieht sich die langsame Annäherung von Tom und Pilgrim. Während dieser Zeit leben Annie und Grace in einem kleinen Haus auf dem Grundstück der Bookers, werden in die Familie aufgenommen. Annie versucht, ihren Job nicht zu vernachlässigen und hält per Computer und Handy den Anschluß nach New York. Doch ihre Karriere als Top-Journalistin gerät ins Wanken, schließlich verliert sie ihren Posten. Sie nimmt das gelassen auf. Denn in der Abgeschiedenheit der weiten Landschaft hat sie begonnen, ihr Leben zu überdenken und neue Prioritäten zu setzen.

Während Grace immer mehr Vertrauen zu Tom faßt und ihm sogar die schrecklichen Ereignisse des Unfalltages erzählt, Pilgrim Fortschritte macht, sich endlich das gestörte Mutter-Tochter Verhältnis entspannt und die beiden sich wirklich verstehen lernen, brechen zwischen Annie und Tom ganz andere Emotionen auf. Beide fühlen sich stark zueinander hingezogen.

Als Annies Ehemann Robert überraschend zu Besuch kommt und Grace triumphierend und überglücklich wieder ihren Pilgrim reitet, müssen alle eine Entscheidung treffen.

Dirk Jasper FilmLexikon
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