Ernst Corinth über Die Maske des Zorro

Zorro reitet wieder. Gut 17 Jahre nach dem letzten Kinoauftritt dieses wohl klassischsten aller Mantel- und Degenkämpfer (den zuerst ja kein geringer als Douglas Fairbanks noch stumm verkörpert hat), ist er auf die große Kinoleinwand zurückgekehrt. Und sein Comeback kann sich sehen lassen. Denn den Zorro gibt's in Martin Campbells Film gleich im Doppelpack. Einmal als alter Recke (Anthony Hopkins), der wie einst der Graf von Monte Christo eine halbe Ewigkeit im Kerker schmoren muß, bevor er seinen Rachefeldzug zum Wohle der Menschheit fortsetzen kann. Und als junger Schüler (Antonio Banderas) dieses weisen Meisters, der dessen grandioses Werk schließlich vollenden soll und dabei auch noch in Windeseile das Herz der Tochter (Catherine Zeta-Jones) des alten Zorros erobert.

Diese Meister-und-Schüler-Konstellation nutzt der Regisseur geschickt. So stellt sich Banderas anfangs herrlich tölpelhaft an, ist ein wirklich komischer Haudrauf, der gern den tumben Macho raushängen läßt, dabei überraschenderweise seine recht große schwule Fangemeinde mit kleinen tuntigen Anspielungen bedient, für seine weiblichen Anhänger wunderbar mit Catherine Zeta-Jones schmachtet und mit ihr sogar eine überzeugende Dirty-Dancing-Einlage aufs Hazienda-Parkett legt.

Die Liebhaber dieses Genres werden jedenfalls von "Die Maske des Zorro" schnell begeistert sein: Da gibt's beeindruckende Fechtszenen, große Herz-und-Schmerz-Auftritte, kitschige Sonnenuntergänge in schönster mexikanischer Studiokulisse und natürlich klappernde Kutschen auf holprigen Wegen. Und einen Bösewicht (Stuart Wilson), der die Welt oder genauer Kalifornien unter seine Fittiche bekommen will und vor keiner Schandtat zurückschreckt.

Doch Zorro wird's schon richten. Schließlich hat Regisseur Martin Campbell zuvor "Goldeneye" inszeniert. Und genau das merkt man seinem Helden an. Gleich der Vorspann ist absolut Bond-würdig, und die feine Selbstironie, die immer wieder durchschimmert, zeichnet ja auch den beliebten Serien-Geheimagenten 007 aus.

Genau dieser Sinn für Humor, der selbst im heftigsten Gemetzel nie völlig untergeht, ist das eigentlich Positive an diesem Film und macht ihn auch für Kinogänger, die sonst um Action-Streifen lieber einen großen Bogen schlagen, erträglich. Und im Finale trägt "Die Maske des Zorro" plötzlich sogar leicht feministische Züge.

Während das übliche Duell (auch das gibt's übrigens im Doppelpack) zwischen Gut und Böse abläuft, die Männer also mal wieder nur mit sich selbst, ihrer Rache und anderem Unsinn beschäftigt sind und daher gar nicht merken, daß gleich ein tierisches Massaker unter armen mexikanischen Zwangsarbeitern droht, muß tatsächlich eine Frau in die Bresche springen, um die finale Katastrophe zu verhindern. - Und so verlassen wir nach gut zwei Stunden das Kino mit der Botschaft, dass ohne Frau selbst ein Mann wie Zorro ziemlich alt ausschaut.

Dirk Jasper FilmLexikon
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