Peter Halm über Die Maske des Zorro

Szenenbild INHALT: Die mexikanische Küste Mitte des 19. Jahrhunderts: 20 Jahre lang mußte Diego de la Vega (Anthony Hopkins) auf den Moment der Rache warten. Als Zorro hatte er für Gerechtigkeit gesorgt, bis sein Widersacher Don Rafael (Stuart Wilson) seine Frau tötete, seine kleine Tochter stahl und ihn selber ins Gefängnis warf. Nun ist ihm nach so langer Zeit die Flucht geglückt, just zu dem Zeitpunkt, als Don Rafael wieder in Mexiko auftaucht, um das Land erneut auszubeuten. Und er hat Vegas bildhübsche Tochter Elena (Catherine Zeta-Jones) mitgebracht, die Rafael für ihren Vater hält. Der ergraute "Fuchs" (so die spanische Bedeutung des Wortes Zorro) sucht sich für seinen Racheplan einen geeigneten Nachfolger, findet ihn in dem jungen Heißsporn Alejandro Murrieta (Antonio Banderas) und führt in die Kunst des Fechtens und des gesitteten Benehmens ein. Bis der Tag der Abrechnung angebrochen ist ...

KRITIK: Er ist gerechter als Robin Hood, charmanter als James Bond, maskenhaft-geheimnisvoller als Batman und eleganter als Superman. Er fechtet besser als der Rote Korsar und schwingt die Peitsche besser als Indiana Jones. Und er ist endlich zurück! Zorro reitet wieder, und das besser als je zuvor ...

18 Jahre nach seinem letzten Leinwandauftritt, der nach 26 Zorro-Verfilmungen mit einem zur Seite gestellten schwulen Zwillingsbruder einen Tiefpunkt in der Zorro-Filmhistorie darstellte, war die Zeit scheinbar reif für einen runderneuerten Helden, der sich an die Mantel-und-Degen-Abenteuer der Vierziger Jahre orientiert, sie aber mit einem Schuß Selbstironie unserer Zeit verbindet. Das Ergebnis ist ein grandioses Abenteuer, dass im besten Sinne unterhält und in seiner altmodisch anmutenden Art neben den schnell geschnittenen und mit verwackelter Kamera inszenierten Monsterfilmen à la "Godzilla" und "Armageddon" fast schon wieder modern wirkt.

Regisseur Martin Campbell ("Goldeneye") hat auf jeglichen computer-animierten Firlefanz verzichtet und voll auf die Kraft unzähliger Stuntleute in berauschenden Fechtszenen gesetzt sowie auf die Ausstrahlung seiner Hauptdarsteller.

Anthony Hopkins ("Das Schweigen der Lämmer") als alternder Zorro und Antonio Banderas ("Evita") als etwas trotteliger Draufgänger ergänzen sich ebenso wundervoll wie Banderas mit der betörend schönen Catherine Zeta-Jones ("... und ewig schleichen die Erben").

Der Wechsel von rasanter Action, glühender Romantik und verbalem wie slapstickhaftem Humor gelingt hervorragend und wird in genau getimten Dosierungen verabreicht, so dass jedermann (vor allem bei Zeta-Jones) und jedefrau (vor allem bei Banderas) auf seine/ihre Kosten kommt. Es ist eine wahre Freude, mal wieder einen Helden vorgesetzt zu bekommen, der neben dem obligatorischen Wagemut auch durch Charme und Eleganz hervorsticht und dabei ohne Zynismus und sonstigen seelischen Brüchen auskommt. Das einfache Schwarz-Weiß-Schema ist zwar bei Zorro offensichtlich (der Gute ist schön und edel, der Böse hat meist Narben im Gesicht), doch ist es zumindest spektakulär verpackt und letztlich auch ehrlicher als die pseudo-politisch-korrekten Charakterzeichnungen heutiger Helden.

Und so stellen neben dem verbalen Hauen und Stechen vor allem die brilliant choreographierten Fechtszenen die Höhepunkte im Film dar, die im Rhythmus der erneut fabelhaft passenden Musik von James Horner ("Titanic") mal tödlich-ernst im Kampf mit dem Todfeind, mal humorvoll bei der Ausbildung durch den alten Zorro, mal romantisch-verspielt in der Auseinandersetzung mit der Herzensdame ausfallen.

Fazit: Ein im besten Sinne altmodisches Mantel-und-Degen-Abenteuer, das mit prächtigen Fechtszenen und bezaubernden Darstellern begeistert. Für alle Romantiker und solche, die es werden wollen. In diesem Stil darf Zorro ruhig noch viele Male über die Leinwand reiten ...

MEINE WERTUNG: 10 von 10 möglichen Punkten

Dirk Jasper FilmLexikon
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