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INHALT: Die Hunnen fallen über China her! Alle wehrfähigen Männer werden zur Verteidigung des Reichs der Mitte zusammengetrommelt. Auch Mulans gebrechlicher Vater will sich dem Kampf anschließen. Stattdessen schnappt sich seine eigenwillige Tochter heimlich Rüstung und Schwert des alten Herren und mischt sich als Mann verkleidet unter das Militär. Inmitten von tölpelhaften Möchtegern-Kriegern unter der Führung des männlich-starken Kommandanten Li Shang lernt sie das militärische Handwerk von der Pike auf. Unterstützt wird sie dabei von einem ebenso kleinen wie frechen Drachen namens Mushu und der winzigen Glücksgrille Kriki. Gemeinsam kann man zunächst die martialischen Hunnen in einem verschneiten Gebirge mittels einer Schneelawine stoppen. Doch der grobschlächtige, gelbäugige und graufarbige Hunnen-Finsterling Shan Yu kann sich mit seinen Mannen aus den Schneemassen befreien und steht plötzlich mitten in Peking vor dem Kaiser von China. Für Mulan, Mushu und Kriki gilt es, eine heroische Rettungsaktion zu starten ... KRITIK: Wie immer, wenn Disneys alljährliches Zeichentrick-Spektakel in die Kinos kommt, ist Weihnachten nicht mehr fern. Ca. vier Wochen lang nach dem gemeinsamen Ansehen des Films dürfen sich dann die Eltern bis Weihnachten das Genöle ihrer Kinder anhören, die vom Plüschtier, über CD, Bücher, PC-Spiel und Poster bis hin zu Zahnputzbechern und T-Shirts alles zum und über den Film haben wollen, was der Merchandise-Markt hergibt. Wenn dann aber das filmische Erlebnis wie in den letzten Jahren bei "Pocahontas" oder "Der Glöckner von Notre-Dame" nicht gerade überzeugend ist, fällt der elterliche Griff in den Geldbeutel umso schwerer. Doch in diesem Jahr werden auch die Eltern mit einem fröhlichem Jauchzen ihr Geld an den Spielwarenkassen lassen, denn "Mulan" ist nach mageren Jahren endlich mal wieder ein Disney-Werk, das die hohen Erwartungen an einen solchen Trickfilm erfüllt. Frauen-Power ist nach wie vor angesagt bei Disneys Zeichentrickfilmen (und auch der Konkurrenz, wie Fox' "Anastasia" und Warners "Das magische Schwert" beweisen). "Mulan" steht in der Tradition einer Arielle, einer Schönen mit ihrem Biest oder einer Pocahontas. Und mit der Zeit werden die Heldinnen immer emanzipierter. So hat Mulan mit ihren asiatischen Gesichtszügen nun gar nichts mehr von einem Püppchen. Auch wenn sie am Schluß des Films in ihre tradierte Frauenrolle zurückfällt und somit wieder die Disney-typischen, konservativen Familienwerte durchscheinen: Bis dahin darf sie selbstbewußt als "Jeanne d'Arc" des Ostens ein ganzes Land und dessen Kaiser retten und dadurch das ganze erzpatriarchalische System ins Wanken bringen. Das alles aber durchaus sehr sympathisch und aus gar nicht arroganter westlicher Sicht, so dass Disney mit "Mulan" neben den bekannten Absatzmärkten durchaus den riesigen chinesischen Markt wird erobern können. Diese Aussicht hat wohl alle Betiligten an dem Film derart beflügelt, dass sie die alte chinesischen Sage um Mulan beschwingt und perfekt in das traditionelle Disney-Schema eingebettet haben. Da haben wir einen Außenseiter als Hauptprotagonisten (Mulan), der zunächst überall aneckt, bevor er sich beweisen kann. Dazu gesellt sich ein böser Gegenspieler (der Hunne Shin Yu), den es erfolgreich zu bekämpfen gilt. Daneben entspinnt sich eine zarte Liebesgeschichte (zwischen Mulan und Li Shang). Und während das reifere Publikum sich an eben diesen Storyelementen erfreuen kann, gibt es für die Kleinen als Krönung die witzigen Sidekicks. In diesem Falle sind es zum einen die etwas depperten Soldatenkameraden Mulans, die sich zunächst spinnefeind sind, bevor sie am Ende als Konkubinen verkleidet die Hunnen besiegen. Desweiteren zirpt sich eine putzige blaue Grille durchs Geschehen. Der Star schlechthin aber ist der Drache Mushu, der in der Originalversion von Eddie Murphy gesprochen wird, was an sich schon sehr gut gemacht ist. Unser Ostfriesen-Blödel Otto Waalkes allerdings übertrifft sich selbst in der deutschen Version und gibt dem orangefarbenen Mushu mit überbordender Rasanz zum Schreien komische Auftritte. Neben den Figuren beeindrucken auch die (im Computer generierten) Massenszenen während des Ansturms der Hunnen und während des Showdowns in der verbotenen Stadt Peking. Last but not least, sei die Musik erwähnt, für die Jerry Goldsmith eine ausgewogene Mischung zwischen östlichen Klängen und dem typisch westlichen Disney-Musicalsound gewählt hat. Fazit: "Mulan" ist insgesamt sicherlich der beste Disney-Zeichentrickfilm seit "Der König der Löwen", weil es sowohl die Kinder begeistert als auch durch den Zeichenstil mit seinen kalligraphischen Elementen und einer nicht ganz so bunten Farbpalette durchaus ein erwachsenes Publikum anspricht. Die in diesem Jahr gestarteten Angriffe durch Fox ("Anastasia") und Warner ("Das magsiche Schwert") auf die Monopolstellung Disneys im Zeichentrick-Bereich, kann "Mulan" locker kontern. Dennoch wird es bis Weihnachten über das Gequängel der Kids in Sachen Merchandise-Artikel zu "Mulan" hinaus noch sehr spannend werden an der Kinokasse. Denn Dreamworks (mit dem ehemaligen Chef der Disney-Trickabteilung Jeffrey Katzenberg) schickt demnächst den biblischen "Prinz von Ägypen" ins Rennen. Welche Qualität "Mulan" wirklich hat, wird sich gegenüber diesem Zeichentrick-Epos erweisen, das sich bewußt mehr an ein erwachsenes Publikum wendet. Vielleicht wird der Kampf Disney vs. Dreamworks dieses Jahr für Zoff an Weihnachten sorgen: Eltern schicken ihre Kinder in "Mulan", während sie selber den "Prinz von Ägyten" anschauen. Doch die Meßlatte ist seit dem 19. November hoch gelegt ...
MEINE WERTUNG: 9 von 10 möglichen Punkten
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