Ernst Corinth über Small Soldiers

Von Barbie-Puppen kann man halten, was man will, aber was Regisseur Joe Dante in "Small Soldiers" mit ihnen anstellt, haben sie nun wirklich nicht verdient. Und wenn sich zufällig ein Kind in diesen gruseligen Actionstreifen (den die FSK seltsamerweise mit einem "freigeben ab 12 Jahren" versehen hat) verirren sollte, sind höllische Alpträume fürwahr programmiert. Denn hier wird gemetzelt wie in einem Splatterfilm der ärgsten Machart, fliegen Gliedmaßen durch die Luft, werden Leiber aufgerissen und am Schluß macht ein Rasenmäher alles nieder, was noch irgendwie zappeln kann.

Blut jedoch fließt nicht, schließlich sind die Helden und die Bösewichte in dieser Hightech-Horrorversion der harmlosen "Toy Story" Spielzeugfiguren, denen ein Computer-Chip eingepflanzt wurde. Doch dabei gab's eine leider schlimme Panne mit noch schlimmeren Folgen. Der Chip nämlich stammt aus der Kriegsproduktion und macht nun aus den Puppen echte Krieger, Killer und Monster, die erst ein Spielzeuggeschäft zerstören und danach ein Stadtviertel fast in Schutt und Asche verwandeln, bis sie am Ende von einem eigentlich ganz netten Knaben (Gregory Smith) selbst zur Hölle geschickt werden.

Wie Joe Dante seine Barbie-Killer-Truppen aufmarschieren läßt, ist zwar tricktechnisch überaus perfekt, doch genau das macht seinen Film besonders für Kinderaugen so perfide. Denn was hier zum Töten freigegeben wird, sind in Wirklichkeit ja kleine Menschen mit richtig ausgeprägtem Charakter. Und da diesem Streifen auch noch jeglicher Witz fehlt und die wenigen ironischen Anspielungen sofort im Schlachtengetümmel gnadenlos untergehen, braucht man selbst als Erwachsener schon ein seltsam schräges Gemüt oder sehr viel Haß auf Barbie und Co. um diesem Massenmord im Kinderzimmer noch irgend etwas abzugewinnen.

© 1999 Ernst Corinth © 1994 - 2009 Dirk Jasper