Elizabeth
I. - vom Adelsgeschlecht der Tudor - war für ihre Zeit
eine sehr moderne Frau. Die Tochter Heinrichs VIII. und seiner
zweiten Ehefrau Anne Boleyn besaß einen unabhängigen
Geist und einen eisernen Willen. Inthronisiert im Jahre 1558,
bestand eine ihrer größten Leistungen darin, ihr Leben
eines natürlichen Todes zu beschließen und nicht, wie
viele ihrer Zeitgenossen, ein vorzeitiges und gewaltsames Ende zu
finden. Sie regierte in einer männlich dominierten Welt und
mußte schnell lernen, mit der unablässigen Gefahr von
Intrige und Verrat zurechtzukommen, der sie zeitlebens ausgesetzt
war und die sie vor unbarmherzige Prüfungen als Frau und
Monarchin stellte.
Basierend auf der beeindruckenden Geschichte vom Aufstieg der jungen Elizabeth Tudor zur Königin von England, konzentriert sich der Film Elizabeth vor allem auf die Darstellung der frühen Lebensjahre dieser für ihre Zeit bemerkenswert unabhängigen und willensstarken Frau, die im Jahre 1558 ihre ständig von Verrat und Intrigen bedrohte und dennoch von einzigartigen Erfolgen gekrönte Regentschaft antrat. Die Kollision ihrer persönlichen Bedürfnisse nach Glück, erfüllter Liebe und treuer Freundschaft mit ihren monarchischen Pflichten gegenüber der Nation, bildet den Grundkonflikt der Filmgeschichte, die sowohl gefühlvolle als auch spannungsgeladene Elemente in sich vereint.
Elizabeth wurde an historischen Schauplätzen in Northumberland, Derbyshire, North Yorkshire und in den Londoner Shepperton Studios gedreht. Regie führte der Inder Shekhar Kapur. Für die Produktion zeichnen Alison Owen, Tim Bevan und Eric Fellner verantwortlich. Der Film stellt die jüngste Produktion der Working Title Films dar, der erfolgreichsten britischen Filmproduktions-Gesellschaft, die bereits in der Vergangenheit mit so phantastischen Kinohits wie "Vier Hochzeiten und ein Todesfall" (1993), Dead Man Walking, Fargo, Bean - Der ultimative Katastrophenfilm und Ein Fall für die Borger, The Big Lebowski auf sich aufmerksam machen konnte.
Tim Bevan ergänzt: "Wir waren sehr erpicht darauf, einen großen historischen Film zu machen, aber um Gottes Willen nicht so einen langweiligen, verstaubten 'Kostümschinken'. Wir überlegten lange herum und dabei kristallierte sich immer mehr unser großes Interesse an der Tudorzeit im allgemeinen und an der gloriosen Elizabeth I. im besonderen heraus, deren frühes Leben überdies filmisch noch nicht ausgiebig reflektiert worden war. Angesichts dessen, dass sich die Königin Zeit ihres Lebens mit feindlichen Komplotten herumzuschlagen hatte und eingedenk unserer Absicht, dem Film einen zeitgenössischen Touch zu verleihen, konzipierten wir ihn als eine Art Verschwörungsthriller." "Dabei standen uns", bestätigt Alison Owen, "vielmehr solche Filme wie zum Beispiel Der Pate vor Augen, als die meisten der uns bekannten Historiendramen. Obwohl Elizabeth sehr stark dem Geist der Tudorzeit verpflichtet bleibt, war historische Wahrheit eigentlich nicht unser hauptsächliches Ziel. Zwar hüteten wir uns davor, historisch verbürgte Geschehnisse einschneidend zu verändern, nahmen aber hie und da kleine Verschiebungen in deren zeitlichen Aufeinanderfolge vor, was die Attraktivität des Films für das Kinopublikum erhöhen sollte." Und sie fährt fort: "Für mich war es sehr wichtig, dass die Hauptfigur des Films eine Frau ist. Die Lebensgeschichte von Elizabeth I. weist, wie ich denke, deutliche Parallelen zu den Lebensgeschichten vieler heutzutage lebender junger Frauen auf, die auch ständig vor dem Dilemma stehen, sich zwischen Karriere und Privatleben entscheiden zu müssen." "Nachdem also die Grundidee für den Film feststand", rekapituliert Tim Bevan, "gingen wir auf zwei oder drei uns bekannte Drehbuchautoren zu, damit sie sich darüber Gedanken machten. Einer von ihnen war Michael Hirst, der nicht lange zögerte und in ziemlich kurzer Zeit auf der Basis der historischen Fakten das grobe Konzept einer Filmgeschichte erstellt hatte. Sein Einfall war es übrigens, die Handlung mit dem Zeitpunkt der Transformation Elizabeth I. zu ihrer eigenen Ikone enden zu lassen, also genau an der Stelle, wo die meisten Filme über sie erst ansetzen würden. Wir beauftragten Michael, einen ersten Drehbuchentwurf anzufertigen, den er uns auch bald darauf vorlegte und in dem, ungeachtet der seitdem daran vorgenommenen unzähligen Veränderungen, sozusagen bereits die Bausteine und der Mörtel des späteren Films enthalten waren." Mit dem fertigen Script in der Tasche ging Working Title Films auf die Suche nach einem Regisseur, der sich der Herausforderung gewachsen sah, ein historisches Sujet zeitgenössisch adäquat auf Zelluloid zu bannen. "Wir boten es zunächst lediglich einigen britischen Regisseuren an", so Tim Bevan, "kamen dann aber schnell darin überein, den Radius unserer Suche zu vergrößern, um jemanden ausfindig zu machen, der von unserer lähmenden angelsächsischen Kostümfilmtradition noch unbeleckt war und nicht drohte, darin vollends steckenzubleiben. Wir trafen dann auf Shekhar Kapur und er zeigte sich sofort empfänglich für das Material. Shekhar wußte rein gar nichts über Elizabeth I.. Seine langsame Annäherung an ihre Person spiegelt sich im späteren Film genau wider. Er legte dabei eine Sensibilität zutage, die man von keinem westlichen Regisseur hätte erwarten können, was dem Kinopublikum, so glaube ich, bestimmt nicht entgehen wird. Shekhar ist darüberhinaus ein sehr visuell orientierter Filmemacher, der über eine sehr expressive, energiegeladene Bildsprache verfügt." Die Besetzung des Films Elizabeth besticht sowohl durch ihre Internationalität als auch durch ihre Erlesenheit. Shekhar Kapur zeigte sich tiefbeeindruckt, als er Cate Blanchett in vorab ausgegebenen Ausschnitten des australischen Streifens Oscar und Lucinda sah und wußte auf der Stelle, dass er seine Elizabeth I. gefunden hatte. "Manche Filme, in denen junge und noch weitgehend unbekannte Schauspieler in wichtigen Rollen zu sehen sind", meint Tim Bevan, "bekommen dadurch einen gewissen Zauber. Das passierte zum Beispiel bei "Vier Hochzeiten und ein Todesfall" (1993). Hugh Grant avancierte nach diesem Kinohit postwendend zum internationalen Superstar und gleiches geschah mit Emily Lloyd und Daniel Day Lewis in der Folge von "Wish You Were Here - Ich wollte, du wärest hier" (1987) beziehungsweise "Mein wunderbarer Waschsalon" (1985). Wäre ich nach typisch britischer Art wettbesessen, so würde ich einiges darauf setzen, dass Cate Blanchett nach Elizabeth eine ähnlich steile Karriere bevorsteht." Neben Cate Blanchett bereichert noch ein weiterer australischer Schauspieler-Import das Darstellerensemble Elizabeths. Der schwierige Part des Sir Francis Walsingham, des engsten Vertrauten der Königin, verlangte nach einem Mimen von enormer Ausdruckskraft. Dieser Umstand machte Oscarpreisträger Geoffrey Rush zur ersten Wahl der Produzenten, und man war hocherfreut als er tatsächlich zusagte. Als es an die Besetzung der Rolle des Duke of Norfolk ging, erwies sich die für das Casting zuständige Vanessa Pereira als glühende Verfechterin von Christopher Eccleston. Obgleich dieser sich zunächst wenig geneigt zeigte, in einem Historienfilm mitzuwirken, war er doch bald durch das Drehbuch und die Aussicht, mit Shekhar Kapur zusammenzuarbeiten, vom Gegenteil überzeugt. Die Rolle des Liebhabers von Elizabeth I., Robert Dudley, wurde nach einem regulären Casting verschiedener britischer Jungschauspieler, von Joseph Fiennes übernommen. "Es ist von unschätzbarem Wert für unseren Film", freut sich Tim Bevan, "dass wir mit Geoffrey, Christopher und Joe Schauspieler von so unterschiedlichem Temperament gefunden haben, denn Elizabeth handelt maßgeblich von dem Einfluß, den die von ihnen verkörperten drei Charaktere - der romantisch-schwärmerische Dudley, der mystisch-enigmatische Walsingham sowie der ehrgeizige und abgrundtief böse Norfolk - auf die junge Herrscherin ausüben." Daneben verhelfen weitere Stars dem Film zu vielen darstellerischen Höhepunkten: Richard Attenborough, Kathy Burke, die als Königin Mary eine schauspielerische Höchstleistung vollbringt, sowie die hochkarätigen französischen Gäste, allen voran Fanny Ardant als Mary of Guise neben Vincent Cassel als Duc d'Anjou und Eric Cantona in der Rolle des französischen Botschafters. Das Engagement des ehemaligen Fußballspielers Cantona mag viele überraschen, doch Shekhar Kapur war, nach einem Mittagessen mit ihm in Paris, fest davon überzeugt, dass seine enorme physische Präsenz auf der Leinwand eine eindrucksvolle Wirkung entfalten würde; und er hatte sich nicht getäuscht. "Das ist wahrlich keine
langweilige Besetzung", behauptet Produzent Tim Bevan mit einigem
Stolz. "Und sie stimmt vollkommen mit unserem ursprünglichen
Konzept überein, nicht auf Schauspieler zurückzugreifen,
die bereits zum Standardrepertoire britischer Kostümfilme
gehören. Damit bleibt die Frische des Films gewahrt. Seine
außergewöhnliche visuelle Kraft gepaart mit
vorzüglichen Darstellerleistungen sowie, was sowieso das
wichtigste ist, die ihm zugrundeliegende überzeugende
Geschichte, machen Elizabeth zu einem
Kinoereignis, das sich anzusehen wirklich lohnt."
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Neben
Die Entscheidung, das Leben