20 Fackelträger, 1.200 VIPs
und eine schlechte Moderatorin
Was passiert, wenn ein erfolgreicher
Regisseur, der aber aussieht wie Harald Schmidt in 20 Jahren und
auch noch Bille heißt, einen Roman mit Starbesetzung verfilmt
und von einer blonden Moderatorin mit nervenden
"Ich-bin-blond"-Sprüchen präsentieren
läßt?
Ein grandioser, zeitlos inszenierter Film und eine durchschnittliche Premierenfeier ohne die Hauptdarsteller. Weder Moderatorin Nina Ruge, die Werbung für ihre eigene TV-Sendung auf der Premierenbühne machen durfte und dafür eine miserable Moderation ablegte, noch Starregisseur Bille August, dem wir Oscar- und Golden Globe-prämierte Filme wie "Pelle, der Eroberer" oder "Das Geisterhaus" zu verdanken haben, geben eine Erklärung ab, weshalb die hervorragenden Hauptdarsteller gänzlich fehlen an diesem Abend. Nur zu gerne hätte das Publikum Liam Neeson für seine herrausragende Leistung als reuiger Dieb, als barmherziger Bürgermeister und einsamer als Ziehvater "Jan Valjean", gratuliert. "Ich habe mich darauf konzentriert zu zeigen, dass Valjean sich jeden Tag nach Leibeskräften anstrengt, um ein guter Mensch zu sein. Das war zu seiner Zeit genauso schwer wie es heute ist, und diesen inneren Kampf wollte ich zum Ausdruck bringen.", so Liam Neeson, der bereits '93 eine Oscar-Nominierung für seine Leistung als Oskar Schindler in Steven Spielbergs Epos "Schindlers Liste" erhielt. Diesen Ausdruck hat er beeindruckend gezeigt. Ein großes Lob an Charakterchamäleon Uma Thurman, uns allen noch als sexy Catwoman in "Batman" und "Gattaca" in Erinnerung. Als Hure und uneheliche Mutter "Fantine" brilliert sie in der wahrscheinlich anspruchsvollsten Rolle ihres Lebens. Den Kritikern ist mit dieser Rolle endlich das Argument verloren gegangen, Uma Thurman wäre nur wegen ihrer androgynen Schönheit erfolgreich. Originalität und Natürlichkeit statt erotischer Reize machen eine Hure zu einer starken Frau, die alles für ihre Tochter gibt. Fantines uneheliche Tochter "Cosette", im Kloster aufgewachsen und unschuldig wie Romeos Julia. Kein Wunder also, dass für diese Rolle die vielversprechende und bezaubernde Claire Danes eine perfekte Wahl ist. Keine geringeren als die Regisseur- Altmeister Francis Ford Coppola und Oliver Stone engagierten sie nach ihrem Shakespear-Durchbruch in "Romeo & Julia" auch für ihre Filme. Wer die mittlerweile 20 Jahre junge und überaus talentierte Besitzerin des Golden Globes und des MTV Movie Awards in "Betty und ihre Schwestern" oder John Grisham´s "The Rainmaker" hat Leiden sehen, der spürt auch in Victor Hugos "Les Miserables", welch´ bewegendes Gespür für große Gefühle aus einer ihrem reellen Leben fremden Welt und Gesellschaft die gebürtige New Yorkerin bereits heute besitzt. "Die Gefühle der Menschen sind sich nunmal immer ähnlich, egal, in welcher Zeit sie leben.", sagt sie so bescheiden, dass man fast glaubt, eine alte erfahrene Frau sprechen zu hören. Claire Danes, keine Schauspielerin in ihrem Alter hat schon in so vielen Erfolgsfilmen so schön geweint wie sie. Einzig und allein Bille August konnte in seinem verdienten Applaus baden. Ein gefühlvoller Soundtrack unterstreicht die raffinierte Erzählung eines doppelten Liebesdramas um Ehre, Freiheit und Gerechtigkeit. Ein Film, der nicht nur Geschichte verfilmt, sondern auch gleichzeitig Geschichte schreiben wird. Benommen sitzt das Publikum in den Reihen des größten Deutschen Cinemaxx in Essen, verdaut die Tragweite der Schlußszene, um anschließend wieder erleichtert zum Buffee zu schreiten, da trampelt eine überaus unsentimentale Nina Ruge auf die Bühne und vergrault nicht nur Bille August mit blöden Frage, der sodann seine Schauspieler in Schutz nehmen muß, sondern verpatzt es auch, die angereiste Originalcast des gleichnamigen Erfolgsmusicals der Stella AG gebührend zu präsentieren. Nina, wer als blonde, schlechte Witze im Dauerfeuer abläßt, kann auch kein Mitleid erwarten. Hätten wir das geahnt, wäre Dein Begrüßungsapplaus noch dünner ausgefallen. Fackelgesäumt zwar der Weg ins benachbarte Colosseum des Musicals "Joseph", wo die anschließende VIP-Party wartet. Doch wozu den ganzen Abend Security mit Secret Service-Knopf-im-Ohr, wenn dann doch jeder reinkommt, der will und die Hollywoodstars gänzlich fehlen? Diese, wäre sowieso wieder gefahren, hätte sie die schlechte "Backstage-Band" gehört oder sich den Kopf darüber zerbrochen, was denn eine Seilkletterin und zwei Saltojungs mit der französischen Juli-Revolution von 1812 zutun haben?! Victor Hugo jedenfalls, würde bei diesem Anblick auch Saltos schlagen und sich nach der Seilnummer erhängen. Fazit: Leute, guckt den Film und
laßt Euch von Regisseur, Schauspieler, Musik und Kulisse in
eine andere Zeit versetzen. Danach geht am Besten nach Hause und
genießt die Soundtrack-CD, anstatt süße
Premierentorte mit Discogedudel von Dr. Alban zu ertragen: Sing
Hallelujah - Les Miserables
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20 Fackelträger, 1.200 VIPs
und eine schlechte Moderatorin
Was passiert, wenn ein erfolgreicher
Regisseur, der aber aussieht wie Harald Schmidt in 20 Jahren und
auch noch Bille heißt, einen Roman mit Starbesetzung verfilmt
und von einer blonden Moderatorin mit nervenden
"Ich-bin-blond"-Sprüchen präsentieren
läßt?