Peter Halm über Der Eisbär

Szenenbild INHALT: Dummm gelaufen: Da sitzen nun Leo (Til Schweiger) und Nico (Karina Krawczyk) in einer dieser typisch deutschen Spelunken-Eckkneipen, kippen sich Tequila ohne Ende rein und rauchen Kette. Beide sind Profikiller und haben unabhängig voneinander gerade ihren letzten Auftrag derart vermasselt, dass sie davon ausgehen, nur noch wenige Stunden am Leben zu sein. Während Leo einen Mann (Peter Maffay) umnietete, der am Leben bleiben sollte, ließ sich Nico einen alten, mit einer Bombe präparierten Mercedes stehlen. Und mit diesem gurken die Jungspunde Fabian (Benno Fürmann) und Reza (Florian Lukas) durch die Gegend, versuchen, Mädels aufzureißen und überfallen ein Schnellrestaurant. Und die Bombe tickt ...

KRITIK: Die Latte liegt hoch für Til Schweiger nach dessem äußerst erfolgreichen Produzenten-Debüt "Knockin' On Heaven's Door" im letzten Jahr (mit 3,6 Millionen Zuschauern der erfolgreichste deutsche Film 1997). Daher war es bestimmt nicht leicht für Schweigers Produktionsfirma Mr. Brown Entertainment, einen Stoff zu finden, der nicht einem müden Abklatsch seines Vorgängers gleicht.

Doch so sehr sich Schweiger in Personalunion als Co-Produzent, Co-Regisseur und Hauptdarsteller auch bemüht hat: Das Ergebnis von "Der Eisbär" ist ein müder Abklatsch von "Knockin' On Heaven's Door" geworden.

Lag über "Knockin' ..." der bitter-süßliche Hauch von Melancholie ob der tödlichen Krankheit der Hauptfigur von Jan Josef Liefers, so haben wir es hier mit der klassischen "Boy meets Girl"-Geschichte zu tun, bei der schon vom ersten Augenblick an das Scheitern unvermeidbar ist. Diese Rhapsodie in Blei ist der Dreh- und Angelpunkt des Films und hat auch entsprechend starke emotionale Momente, als Leo beim Witzeerzählen Nico hoffnungslos verfällt und ihren Witz gar nicht mitbekommt, während die Musik von den Righteous Brothers die Szenerie bestimmt. Doch bleiben diese Momente nur bruchstück- und episodenhaft, so als hätte Schweiger Angst vor der eigenen Courage, einen eingeschlagenen Weg konsequent weiterzugehen.

Stattdessen findet in den Nebenhandlungen ein laues Rumgequatsche zumeist in Autos statt, das cool wirken soll und doch zumeist nur pointenlos verpufft. Zu sehr schielt Schweiger auf den Dialogwitz eines Quentin Tarantinos, den er aber doch nie richtig trifft. Auch die Konstruktion des Plots ist anfangs in Grundzügen an den zeitlichen Sprüngen von "Pulp Fiction" angelehnt, ohne aber die Raffinesse des Vorbilds zu erreichen, sondern vielmehr etwas wirr in der Luft hängenzubleiben.

Dafür entschädigt aber dann wieder der rasante Showdown, bei dem sich die losen Handlungsfäden zusammenfügen, wenn acht knarreschwingende und rumbrüllende Popanze sich gegenseitig in Schach halten.

Doch wenn schon die schwächliche Handlung und die flachbrüstigen Dialoge nicht gerade begeistern, so aber die polnische Darstellerin Karina Krawcyk ("Der Strand von Trouville") in ihrer ersten Hauptrolle. Ihre erotische Laszivität hat man in einem deutschen Film schon lange nicht mehr gesehen. Til Schweiger dagegen bleibt Til Schweiger: Harter Kerl mit weichem Herzen.

Fazit: Etwas bemüht lässiges Zeitgeistkino, das trotz einiger amüsanter Momente nicht recht überzeugen mag. Statt eisbärenstark nur gummibärenweich.

MEINE WERTUNG: 5 von 10 möglichen Punkten

Dirk Jasper FilmLexikon
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